Home
http://www.faz.net/-gr0-768ou
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Feminismus-Debatte Dirndl auf Englisch

Der Kapitalismus ist schuld! Sind das die neuen Perspektiven des Feminismus? Hanna Rosin kam in Berlin mit den erfolgreichen Frauen nicht ins Gespräch.

© dpa Vergrößern Für die Frauen in Berlin ist Hanna Rosin von gestern. Sie wollten mit ihr nicht übers Heiraten reden.

„Dirndl“, sagt Hanna Rosin, die Autorin von „Das Ende der Männer“, und sie sagt es auf Englisch, „Dirndl“, das sei unaussprechlich, lächerlich, das klinge doch nach 19. Jahrhundert, das könne nur von einem Dinosaurier kommen. In München wäre das gewagt gewesen, hier in Berlin ist es ein sicherer Lacher. Den nächsten Lacher, ja, das große Publikumsgelächter, bekommt sie aber ganz unerwartet. Da sagt sie bloß: „Let’s talk about marriage.“ Lasst uns über Ehe sprechen. Doch das ist nur der erste Hinweis, dass das Publikum hier nicht die Erwartungen des Podiums erfüllt.

Christina Schildmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung, die diese Veranstaltungsreihe „Towards New Perspectives on Feminism“ bezahlt, lobt das Buch „Top Girls“ der anwesenden Angela McRobbie: Ihr habe die These gefallen, dass Frauen in Führungspositionen sich von ihrem Erfolg korrumpieren lassen und so den Feminismus untergraben. Der Kapitalismus habe nichts zu bieten außer falsches Bewusstsein – nicht mal für bewährt-überholten Marxismus ist das Publikum hier zu erwärmen.

Hanna Rosin: von gestern

Die neue Perspektive auf Feminismus, von der das Publikum reden will, ist wohl als Elitenprojekt zu verstehen: Akademikerinnen wollen in die Chefetagen. Und wer schon dort ist, möchte weniger Stress. Hier weht kein Hauch von Sozialrevolution. Selbst das Geschlechterverhältnis ist nicht mehr so recht Thema, schließlich ist das längst dekonstruiert. Von Gender möchte man reden. Heterosexualität hingegen ist ein Thema von gestern. Und so eben auch Hanna Rosin: von gestern. Hier sitzen ihr die erfolgreichen Frauen gegenüber, die angeblich das Ende der Männer bedeuten. Und die fragen Rosin beflissen nach Implikationen und Konsequenzen ihrer Thesen, aber die lehnt sich nicht aus dem Fenster, schaut nicht mal hinaus. Irgendwann meint man, dieses Buch sei bloß eine griffige Titelseite mit zu viel Anhang. Aber Hanna Rosin scheint zufrieden mit der Irrelevanz. Und erfolgreich.

Mehr zum Thema

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pop-Sängerin Christine Die Blumen welk, der Liebhaber kalt

Drei Drag Queens gaben ihr den Rat, das Theater hinter sich zu lassen. So wurde aus der Kindfrau Héloïse Letissier die Sängerin Christine. Frankreich hat sie schon erobert, jetzt ist Deutschland dran. Mehr Von Lena Bopp

21.02.2015, 22:07 Uhr | Feuilleton
Asienspiele in Südkorea Streit um Kopftuch beim Basketball

Die Basketball-Frauen aus Qatar sind nicht angetreten zu ihrem Spiel gegen das Team aus der Mongolei. Manche sprechen von einem Eklat hier bei den Asienspielen in Südkorea. Den Frauen aus Qatar war zuvor von internationalen Sportfunktionären untersagt worden, zum Spiel ihre Kopftücher zu tragen. Mehr

25.09.2014, 18:18 Uhr | Sport
Nationale Volksarmee Ausgehöhlte Gefechtsbereitschaft

Die friedliche Revolution verlief anfangs keineswegs so friedlich, wie die Bezeichnung suggeriert. Die Drohkulisse sah angesichts der in Teilen der Nationalen Volksarmee (NVA) angeordneten Alarmierung und der Bildung von NVA-Hundertschaften zunächst brutal aus. Mehr Von Christoph Klessmann

16.02.2015, 11:13 Uhr | Politik
Erfolg aus der Provinz Frauen-Modefirma Comma wächst rasant

Die deutsche Bekleidungsindustrie hat es nicht leicht. Doch in der Provinz, in der Nähe von Würzburg, gibt es ein Unternehmen, das sich erfolgreich gegen den Trend stemmt. Comma gehört zu den am schnellsten wachsenden Modemarken weltweit. Mehr

15.10.2014, 11:58 Uhr | Wirtschaft
Slavoj Žižek & Byung-Chul Han Der Ruf auf die Barrikaden erreicht nur noch Nervenbündel

Mit philosophischen Platzpatronen gegen die Konsum- und Kommunikationsgesellschaft: Slavoj Žižek und Byung-Chul Han attackieren die liberale Demokratie als das Grundübel unserer Zeit. Mehr Von Martin Altmeyer und Martin Dornes

17.02.2015, 12:40 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.02.2013, 08:40 Uhr