17.09.2005 · Von Dan Brown über Benedikt XVI. bis zum Moppel-Ich: Sage mir, was du liest, und ich sage dir, was du wählst. Das Studium der Bestseller ist aussagekräftiger als alle Umfragen. Eine F.A.Z.-Analyse.
In Verlagen weiß man es längst: Jedem Bestsellererfolg geht die Definition einer Zielgruppe voraus. Nicht nur Parteien, auch Bücher richten ihre Botschaft an ein ganz bestimmtes Publikum, das je nach Thema oder Genre enger oder weiter gefaßt sein mag.
Die Bestseller sind zwar die Volksparteien unter den Neuerscheinungen; aber je genauer man liest, um so deutlicher wird das Profil ihres idealen Adressaten. Wir haben einige der größten Bucherfolge der letzten Zeit ausgewählt und versucht, durch genaue Lektüre zu bestimmen, welcher Partei der durchschnittliche Käufer des Buchs wohl zuneigen wird. Also nicht: Was liest der CDU-Wähler, sondern: Was wählt der Dan-Brown-Leser?
Mit diesem wohl erstmals unternommenen Versuch, qualitative Lesersoziologie mit Parteienforschung zu verbinden, lassen sich Ergebnisse erzielen, deren Aufschlußreichtum herkömmlichen empirischen Untersuchungen in nichts nachsteht. Denn man kennt den Menschen am besten, wenn man weiß, was er liest. Und eins ist sicher: Auf Dauer kann unsere Demokratie nur gesichert werden, wenn die Zahl der Nichtleser und Buchverdrossenen sinkt.