http://www.faz.net/-gr0-89kfu

Kochbuchkolumne „Esspapier“ : Wo bleiben Muskatnüsse?

  • -Aktualisiert am

Wurst bei der Grünen Woche in Berlin Bild: dpa

Bei Stefan Wiesner in der Karpfenmortadella: Der Schweizer Meister der Naturküche sorgt mit originellen Wurstrezepten für den Salami-Effekt des puren Genusses.

          Stefan Wiesner vom Restaurant „Rössli“ in Escholzmatt ist einer der profiliertesten Vertreter einer avantgardistischen Naturküche weltweit. Schon seit vielen Jahren praktiziert er in seltener Konsequenz das, was sich mittlerweile international in der kreativen Küche verbreitet hat, nämlich die Auseinandersetzung mit den Produkten der Region aus dem Blickwinkel avantgardistischer Küche. Seine Version der „Nova Regio“-Küche führt zu Rezepten wie dem „Nussbaum“, einer Variation unter Verwendung quasi aller Teile des Baumes, von der Wurzel bis zu den Blättern.

          Wiesner ist ein Extremist und gleichzeitig sehr bodenständig. Er hat seine Wurzeln im traditionellen bäuerlichen Handwerk. Wer erlebt hat, wie er am Ende eines Menüs seine sensationelle Käseauswahl vorstellt, wird sofort merken, dass auch hier Avantgarde aus der besonders intensiven Beschäftigung mit dem Material entsteht.

          Der Salami hinterherschmecken

          In seinem neuen Buch geht es nun also um die Wurst. Wiesners Produkte sind handwerklich erstklassig gemachte Exemplare, die an beste regionale Produkte Frankreich oder Italien erinnern. Der Geschmack ist dabei einerseits typisch (zumindest bei den Würsten, die klassischen Formen nahestehen), andererseits von jener Individualität, die das Essen von Würsten und Co. zu einem hochgradig degustativen Ereignis machen kann. Man isst seine Salami am besten pur und schmeckt jeder Nuance hinterher.

          Stefan Wiesner, Monica Wiesner-Auretto: „Wurstwerkstatt“. Brat- und Siedwürste einfach selber machen. AT-Verlag, Aarau und München 2015. 208 S., geb., 34,95 Euro.
          Stefan Wiesner, Monica Wiesner-Auretto: „Wurstwerkstatt“. Brat- und Siedwürste einfach selber machen. AT-Verlag, Aarau und München 2015. 208 S., geb., 34,95 Euro. : Bild: AT Verlag

          „Wurstwerkstatt“ kombiniert einen handwerklichen Grundkurs, der eine große Menge von Details erörtert, mit originellen Ideen. Nach einer kleinen „Wurst-Familiengeschichte“ geht es zuerst an die Geräte und Hilfsmittel, also Fleischwolf, Wurstfüller, Trichter und Mörser, aber auch Kaffeemühle, Räucherpistole und Motorsäge (zur Gewinnung von geeignetem Holz für die Aromatisierung). Kapitel zwei widmet sich den Grundzutaten von Salz und Nitritpökelsalz über diverse Würzzutaten bis zu Produkten wie „Fische, Muscheln und Krustentiere“ oder „Gemüse“, die man in einem Wurstbuch nicht unbedingt vermutet.

          Atmosphärische Bilder

          Wie so oft bei Stefan Wiesner sind diese Grundlagen sehr systematisch erfasst. Viele Details verraten den Handwerker, der sein Wissen zusammenfasst und weitergibt, und nicht irgendeinen Autor, der Informationen journalistisch zusammenträgt. Wenn Wiesner etwa die neben den diversen Därmen ebenfalls „essbaren Hüllen“ vorstellt, geht das bis hin zu ausgehöhltem Gemüse oder gefüllten Tierteilen wie Schweinefüßen oder Mägen von diversen Tieren.

          Es folgt der Rezeptteil, der erst einmal wegen ausgesprochen atmosphärischer Bilder gefällt. Häufig ist hier auch der immer mit einem Hut auftretende Meister im Bild, das aber meist bei der Arbeit. Präsentiert werden Wiesners individuelle Varianten. Die Balance zwischen klassischer Basis und aromatischen Erweiterungen ist hier stets so ausgewogen, dass sich ein überzeugendes Resultat ergibt.

          Weitere Themen

          Kein Schwein kauft Veggie-Wurst

          Größter Schlachter Europas : Kein Schwein kauft Veggie-Wurst

          Der Markt für Fleischersatzstoffe ist seit Monaten rückläufig. Seine eigenen Produkte hätten ihm nicht geschmeckt, sagt jetzt Clemens Tönnies, der größte Schlachter Europas – und stellt die Produktion vegetarischer Würste beinahe komplett ein.

          „Selbstbewusstes, positives Comingout“ Video-Seite öffnen

          Aidshilfe lobt Conchita : „Selbstbewusstes, positives Comingout“

          Ein Exfreund von Conchita Wurst wollte mit der Information an die Öffentlichkeit gehen, aber der Travestiekünstler kam ihm zuvor und outete sich auf Instagram. Das selbstbewusste, positive Comingout sei ein Schritt gegen die Stigmatisierung von Menschen mit HIV, lobt die Deutsche Aidshilfe.

          Topmeldungen

          Misswirtschaft und Korruption : Das Elend der Griechen

          Nichts ist gut in Griechenland. Ministerpräsident Alexis Tsipras rühmt sich für seine Reformen. In Wirklichkeit herrscht er weiterhin in einem System von Korruption und Misswirtschaft.

          USS „John S. McCain“ : Kommando Untergang

          Gleich zweimal havarierten im vergangenen Sommer amerikanische Kriegsschiffe im Pazifik - Siebzehn Seeleute starben. Jetzt hat die Navy einen Untersuchungsbericht vorgelegt: Was an Bord geschah, war abenteuerlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.