Home
http://www.faz.net/-grc-75mwf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Kochbuchkolumne „Esspapier“ X wie Xanthan

Ralf Bos ist der Hoflieferant der Spitzenköche. Sein neues Buch „Mein kulinarisches ABC“ zeigt deutlich, wie gern er unkonventionelle Wege geht.

© Fackelträger Vergrößern

Es ist nicht sicher, ob selbst kulinarisch interessierte Leser den Namen dieses Autors schon kennen. In der professionellen kulinarischen Landschaft ist er aber überaus bekannt. Bos ist Chef von „Bos Food“, einem Lieferanten für Feinkost mit einem riesigen Sortiment und besten Qualitäten. Das allein reicht aber nicht zur Charakterisierung seiner Position. Weil er gleichzeitig seit vielen Jahren rund um die Welt nach Neuem sucht und viele Köche diese Novitäten über ihn kennengelernt haben, hat er fast so etwas wie eine prägende Funktion: ohne ihn wären viele Dinge nie oder nie so früh serviert worden. Dazu kommt, dass Bos eine spezielle Persönlichkeit ist, eine Mischung aus Bodenständigkeit und Luxusliebe, ein Genussmensch, und nicht nur als gelernter Koch kulinarisch bestens gebildet. In seinem Hauptfach, der Kenntnis von Produkten von Austern bis zu Zutaten der Techno-Küche, ist er unschlagbar.

Nun hat er sein „ABC“ geschrieben, und zwar von A wie Auster über B wie Balsamessig und C wie Champagner über M wie Messer, O wie Olivenöl und S wie Smoker bis zu T wie Trüffel, X wie Xanthan und Z wie Zucker. Abbildungen der Produkte sieht man nicht, dafür aber originelle Collagen aus der Hand von Starfotograf Thomas Ruhl und seinen Mitarbeiterinnen. Wenn man sie mit den Klebearbeiten des französischen Gemüsespezialisten Alain Passard vergleicht (siehe auch das Esspapier Nummer 59 über Alain Passard) kann man feststellen, dass hier – nicht zuletzt wegen eines Hauchs Dada – ein wesentlich interessanteres ästhetisches Gesamtkonzept entsteht.

Ganz neue Einsichten gerade für Amateure

Der Text von Ralf Bos ist im wesentlichen Originalton und deshalb eine unnachahmliche Mischung aus den hervorragenden Sachinformationen eines echten Spezialisten, gesundem Menschenverstand und einem speziellen Humor. Dabei wird viel aufgeklärt – zum Beispiel bei Trüffelqualitäten, die Bos qualitativ in eine absolut nachvollziehbare Skala von 1 – 10 einordnet und gleich auch noch etwas über die Kalkulation von Trüffelgerichten beiträgt. Aber nun zum O-Ton. Typisch sind Sätze wie „Bei kaum einem anderen Thema kann ich mit so viel Erfahrung aufwarten wie beim Champagner. Schon in meiner Lehrzeit vor über dreißig Jahren wurde mein Interesse für diesen Stoff geweckt...“. Oder: „Wo wir gerade bei den schwarzen Schafen sind, können wir auch gleich zur dritten der erwähnten Tatsachen kommen: Die Brände in der Gastronomie. Ein Thema, bei dem mir regelmäßig der Kamm schwillt. Es handelt sich da vorwiegend um eine Mischung aus einem nicht preistransparenten Digestifwagen und einer völlig idiotischen Kalkulation“. Wohlgemerkt: Dies ist kein Szenebuch, das irgendeinen Sektor mit lockerer Sprache und wenig Wissen unter die Fans bringt, sondern ein Buch mit Informationen, die für Profis wie für Amateure oft sehr aufschlussreich sein dürften und gerade den Amateuren ganz neue Einsichten vermitteln können. Aber – es ist eben so locker und unpathetisch geschrieben, wie der Autor selbst nun einmal ist.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kochbuchkolumne Esspapier Schweinehack im Krebspanzer

In drei Jahren sammelte Jean-Pierre Gabriel in Thailand fünfhundert Rezepte von rund 360 Köchen: Sein Kochbuch kann für Amateure wie für Profis zu einer dauernden Quelle der Inspiration werden. Mehr Von Jürgen Dollase

18.09.2014, 18:25 Uhr | Feuilleton
Jeder sofort auf seinen Platz

Kommt wir schreiben ein K oder malen einen Stern. Jeder der kleinen KIlobots weiß genau, wo er hingehört. Mehr

15.08.2014, 11:57 Uhr | Wissen
Kochbuchkolumne Esspapier Das hat Großbritannien nicht verdient

Gordon Ramsay ist vor allem aus dem Fernsehen bekannt, für das er Sendungen wie Hell’s Kitchen erfunden hat. Mit seinem neuen Buch zeigt er, warum der Titel dieser Kochshow so gut zu ihm passt. Mehr Von Jürgen Dollase

26.09.2014, 14:14 Uhr | Feuilleton
Der kulinarische Pisa-Test

Der Mensch ist, was er isst: Wenn diese Weisheit stimmt, dann weiß der Mensch erstaunlich wenig über sich selbst. Hier finden Sie dreiunddreißig unterschiedlich schwere Fragen, die sich um Lebensmittel und ihre Zubereitung drehen, um Restaurants und Tischsitten, um unsere Gesundheit und die Geschichte der Ernährung. Mehr

28.07.2014, 15:18 Uhr | Lebensstil
Vincent Klink als Rezensent Ein Buch, das faucht und glüht

Spitzenköche haben eigentlich keine Zeit für Kochbücher. Vincent Klink hat für uns eine Ausnahme gemacht und Michael Pollans Ausführungen über das Kochen studiert. Wissenschaftliche Präzision trifft darin auf Sinnlichkeit. Mehr

19.09.2014, 21:03 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.01.2013, 14:08 Uhr