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Kochbuchkolumne „Esspapier“ : Was trinken wir denn?

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Bild: Archiv

Weine aus Spanien werden in Deutschland gerne serviert. Da versteht es sich, dass der bekannteste Weinführer aus Spanien schon seit einigen Jahren auch in deutscher Sprache zu haben ist. Ein Blick in die neueste Ausgabe.

          Die spanischen Weine erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit und Verbreitung. Die offiziellen Zahlen zeigen Spanien auf dem dritten Import-Platz nach Frankreich und Italien – Massenweine eingeschlossen. Wenn man aber die Verbreitung im etwas mehr an Qualität orientierten Segment der Weinfreunde sieht, entsteht der Eindruck, dass die spanischen Weine in den vergangenen Jahren ganz in die Nähe der Italiener gerückt sind und die Franzosen weitgehend hinter sich gelassen haben. Das hat Gründe, die vor allem mit den Preisen zu tun haben. Denn auch wenn manche spanische Weine mit diversen hochwertigen Spezialsorten mittlerweile eine überteuerte Spitze gebildet haben, gibt es nach wie vor viele Weine im gehobenen Segment (von, sagen wir, 20 bis 40 Euro), die ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Frankreich und Italien geraten da schnell ins Hintertreffen. Insofern ist es natürlich sinnvoll, dass der Führer des „Senor Penin“ seit einigen Jahren auch in deutscher Sprache erhältlich ist.

          Die Fakten sind beeindruckend: Verkostet wurden 10.800 Weine von mehr als 2100 Weingütern, die nach dem 100-Punkte-System von Robert Parker bewertet werden. Dabei hält sich der „Guia Penin“ nicht mit langen Vorreden auf. Den Beginn macht das „Podium“, also die besten im abgelaufenen Jahr verkosteten Weine in den Kategorien „Generosos und Süßweine“, „Rotweine“, „Schaumweine“ und „Weißweine“. Gelistet sind dort die Weine mit 95 und mehr Punkten. Danach folgen gut 800 Seiten mit der Auflistung der D.O.P–Weine, also der Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Weiter geht es um die „Vinos de Pago“ („Lagenweine“, die in Spanien noch keine so große Rolle spielen), die „Vinos de calidad“, die „Vinos de la Tierra“, „Tafelweine“, „Schaumweine“ und, in einem kleinen Abschnitt, um Öko-Weine und ihre Bodegas. Ein umfangreiches Verzeichnis der Weingüter und Weine am Ende des Buches erleichtert das Auffinden.

          Großzügige Bewertungen

          Die Darstellung der einzelnen Weingüter und Weine ist knapp. Von den Gütern selbst gibt es nur die Kontaktdaten (nebst Code zum Scannen), die verkosteten Weine sind eher kurz und im international üblichen Stil beschrieben. Ein Beispiel: „Sattes Kirschrot, granatroter Saum. Aroma überreife Früchte, warm, trockene Kräuter. Am Gaumen geschmackvoll, reife Früchte, lang.“ Bei den Weingütern stolpert man allerdings schnell über eine kleine Schwäche in der Gliederung. Da findet man die Bodegas Torres mit dem „Coronas“, dem „Grand Sangre de Toro“ oder dem „Vina Sol“ und sucht vergeblich den „Gran Coronas“ oder den berühmten „Mas La Plana“. Experten werden schmunzeln, der interessierte Leser wird vielleicht etwas verwirrt sein. Die Lösung: die letzten beiden Weine finden sich in der Abteilung D.O.P. Penedès, die anderen unter D.O.P. Catalunya.

          Das A und O ist aber die Qualität und Zuverlässigkeit der Bewertungen. Hier unterscheidet sich der Guia Penin leider nicht von allzu vielen anderen Führern, die in meinen Augen ebenfalls zu großzügig mit den Punkten um sich werfen. Vor allem der Bereich von 90 bis 94 Punkten (teilweise auch der darunter von 85 bis 89 Punkten) wird inflationär aufgebläht. Weine mit solchen Bewertungen landen teilweise schon beim Discounter, wo sie natürlich vor allem mit ihrer Bewertung beworben werden, tatsächlich aber nur Durchschnitt bieten. Selbst bei absoluten Spitzenweinen von 95 und mehr Punkten gibt es Irritationen. Mal finden sich dort große Weine mit unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis wie der „Alto Moncayo“, mal eher fruchtig-mittige wie der „Victorino“, dessen Bewertung kaum nachzuvollziehen ist.

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