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Kochbuchkolumne „Esspapier“ : Viel Lärm um nichts

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Die deutsche Ausgabe der englischen Zeitschrift „FOUR“ will das führende Food-Magazin werden - dabei besteht es eigentlich nur aus Werbung.

          Das erstmals in einer deutschsprachigen Ausgabe erscheinende Gourmetmagazin „FOUR“ stammt aus Großbritannien. Der Titel verweist auf das Konzept des Heftes, das im wesentlichen vier Berichte über vier Spitzenköche und ihre Restaurants nebst vier Rezepten enthält. Die britische Ausgabe enthält Texte über Heston Blumenthal, Brett Graham, Claude Bosi und Sat Bains, die italienische über Carlo Cracco, Heinz Beck, Massimiliano Alajmo und Davide Scabin und die deutsche bringt Artikel über Sven Elverfeld, Harald Wohlfahrt, Joachim Wissler und Heinz Reitbauer.

          Apropos „Artikel über“: im Impressum stolpert man über einen unauffällig gedruckten Satz, der lautet: „All Chefs images and editorial provided by the Chefs“. Das muss man sich natürlich auf der Zunge zergehen lassen. Hier erdreistet sich also ein Blatt, sich sogar schon im Untertitel als „bestes Food-Magazin“ der Welt anzupreisen und ist doch nur eine Art Werbeprospekt in Magazin-Form. So etwas hat allerdings im kulinarischen Bereich geradezu schon Tradition. Es gibt eine ganze Reihe von Hochglanz-Heften, die nicht selten in den Zimmern besserer Hotels ausliegen und so den Gast in einer Form informieren, die der Branche am liebsten hat: Hochglanz und um Gottes willen keine Analyse oder gar kritisch-einordnende Texte. Bei „FOUR“ bläst man gleich zu Beginn in ein großes Horn. Zitat aus dem Vorwort: „FOUR ist in seiner Konzeption einzigartig auf dem Markt und hat den Anspruch, die führende Publikation unter den Food-Magazinen zu werden. FOUR stößt mit seinem Konzept in eine journalistische Lücke“. Wenn man sich da nur nicht täuscht.

          Inhaltlich liegt das Heft voll auf der guten, alten Luxuskonsum-Schiene, auf der sich auch Magazine über Yachten, Uhren, Mode und Ähnliches tummeln. Man setzt in der Küche voll auf den Glanz der besten Restaurants, als würde eine bloße Aneinanderreihung
          schon für publizistische Qualität stehen. Vergleicht man „FOUR“ zum Beispiel mit den französischen Heften „3 Etoiles“ oder „Yam“ („Yannick Alléno Magazine“) wird das ganze Elend sichtbar. „3 Etoiles“ zeigt, dass man auch mit Hochglanz eine Menge an interessanten Informationen zusammenbringen kann – inklusive so sinnvoller Elemente wie ausklappbarer Speisekarten-Facsimiles. Im Magazin des Drei Sterne-Kochs Yannick Alléno („Le Meurice“, Paris) geht es ausgesprochen kulinarisch zu, und das auf sehr aktuellem und hohem Niveau - vor allem aber wirklich nah am Material.

          Ein unzeitgemäßes Produkt

          Bei „FOUR“ finden sich neben ein paar Nachrichten und Produktinformationen in erster Linie die Strecken über die Köche. Da stolpert man schon bei Wissler über zwei Seiten, auf denen sich kaum zwischen Werbung und Bericht unterscheiden lässt. Dieser Effekt wiederholt sich an anderen Stellen. Fotos wie Texte haben die kalte Ausstrahlung von Werbematerial, der Gestaltungswille einer Redaktion ist natürlich nicht zu erkennen. Als Pluspunkt kann man nur die Wiedergabe des ausführlichen beruflichen Werdegangs der Köche (den eine normale Zeitung vermutlich wegen des Umfangs nicht unbedingt abdrucken würde) und die Rezepte gelten lassen. Warum die Köche allerdings teilweise etwas ältere Arbeiten (teils aus ihren Büchern) abbilden, mag dahingestellt sein. In diesem anämischen Zusammenhang wirken die meisten Gerichte ohnehin nicht besonders aktuell, sondern wie in eine Kunstwelt transferiert.

          Als Zielgruppe geht es wohl um den Kreis von Gästen, den die Köche immer zwiespältig betrachten, also die berühmten „Adabeis“, die nicht selten zwar meinen, unbedingt Spitzenrestaurants aufsuchen zu müssen, aber dort eigentlich mangels Verständnis wenig zu finden haben. Sie werden nach der Lektüre dieses Heftes nicht mehr wissen, aber vielleicht wieder etwas mehr mitreden können. Ein unzeitgemäßes Produkt im achtziger und neunziger Jahre-Stil.

          null Sterne

          „FOUR“ bekommt keinen F.A.Z.-Stern.

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          Kriterien für die Vergabe von F.A.Z.-Sternen für kulinarische Bücher:
           

          3 Sterne

          Drei F.A.Z.-Sterne erhält ein kulinarisches Werk von überragender Qualität, das zu den besten Büchern der letzten Jahre zählt und in jede gute kulinarische Bibliothek gehört. Das Buch muss in wesentlichen Teilen neue Inspirationen vermitteln, in hohem Maße originell sein, oder in besonders hohem Maße wesentliche Zusammenhänge erschließen.
           

          2 Sterne

          Zwei F.A.Z.-Sterne erhält ein kulinarisches Werk, das über die Qualitäten eines mit einem Stern bewerteten Buches hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kochkunst leistet oder in seiner didaktischen Anlage hervorragend geeignet ist, vertiefende praktische Kenntnisse zu vermitteln - oder einen wesentlichen Beitrag zur Theorie des Faches leistet. Es ist in dieser Kategorie wichtig, dass die Autoren erkennbar größere Zusammenhänge begreifen oder einen außergewöhnlich interessanten Beitrag zu Einzelaspekten leisten.
           

          1 Stern

          Einen F.A.Z.-Stern erhält ein kulinarisches Werk, dessen Veröffentlichung sinnvoll ist und das einen klar erkennbaren, positiven Beitrag zur Entwicklung, Weitergabe, Erforschung oder Dokumentation der Kochkunst leistet. Durch seine Individualität oder seine spezifischen Schwerpunkte schließt das Buch eine Informationslücke oder erhebt sich mit der handwerklichen, ästhetischen oder wissenschaftlichen Qualität seines Inhaltes deutlich über die üblichen Standards. Im Falle eines Kochbuches im engeren Sinne müssen die Rezepturen und ihre Erläuterungen guten professionellen Standards genügen und erkennbar das Bemühen zeigen, Nachkochbarkeit zu erreichen. Standardisierte oder unpräzise Angaben sind nur dann akzeptabel, wenn sie durch andere Qualitäten wie etwa Originalität aufgewogen werden.

          „FOUR“. The World’s Best Food Magazine. Deutsche Ausgabe. Sommer 01/12. Sloane Trading International, London 2012. 118 S., br., 7,90 Euro.

          Quelle: FAZ.NET

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