http://www.faz.net/-gr0-6yt0w

Kochbuchkolumne „Esspapier“ : Kräuter, Pflanzen & Co.

  • -Aktualisiert am

Bild: Edition Fackelträger

Wer einen Garten besitzt, den er gerne bewirtschaften möchte, sieht sich einer Flut von wohlmeinenden Ratgebern gegenüber – drei von ihnen sind zu empfehlen.

          Die saisonal orientierten Bücher überschwemmen den Buchhandel wie die Sonderangebote die Discounter. Oft streut man auf die Tische lauter dürre Bändchen, die den Eindruck erwecken, sie würden aus dem Fundus der Verlage nur neu zusammengestellt. Das gilt im Moment wieder für eine Flut von Neuerscheinungen zu Garten, Pflanzen & Co. Deshalb hier eine kleine Auswahl von drei inspirierten und vor allem inspirierenden Bänden zum Thema.

          Bei „Gartenschätze. Küchengarten für Selbstversorger“ handelt es sich um eine inhaltlich schön kompakt kondensierte und detailliert bebilderte Mischung aus Gartenpraxis im Jahreslauf und Darstellungen von Gemüse, Kräutern und Obst. Speziell diese Einzeldarstellungen sind aus verschiedenen Gründen sehr nützlich. Zunächst gefällt die Systematik mit Standorten, Anbau/Pflege, Ernte, Verwendung und Sorten plus Pflanz- bzw. Saathinweisen. Besonders erfreulich ist, dass die Autoren das Spektrum der Sorten behutsam ausgeweitet haben und so zu einer erstaunlichen Breite kommen. Unter dem Stichwort „Verwendung“ finden sich zum Beispiel beim Spitzwegerich Vorschläge für die geschlossenen Blütenknospen, die frischen Blätter, für getrocknete Blätter oder für zerriebene Blätter. Beim Rosenkohl, von dem man üblicherweise nicht davon ausgeht, dass es von ihm Varianten gibt, werden gleich sieben weitere Sorten charakterisiert. Und – der Duktus des Bandes ist bei aller inhaltlichen Dichte entspannt und motivierend.

          Bild: Gräfe und Unzer

          Für das individuelle Aroma braucht es eine sensible Hand

          Beim „Selbstversorger-Küchengarten“ werden Besitzer von einem Stückchen Land zuerst von dem roten Faden des Buches fasziniert sein. Beschrieben wird Anlage und Pflege des Gartens einer dänischen Frau (Überschrift der Einleitung: „Vom Traum zur Wirklichkeit“), und zwar unter anderem mit Bildern, die den Garten aus der gleichen Perspektive im Jahreslauf zeigen. Das sieht wunderbar aus und macht enorm Lust, auch so ein Prachtobjekt anzulegen. Dazu kommt, dass Protagonistin Isabellas Küchengarten ganz offensichtlich nicht von (oft modisch beeinflussten) Gartenarchitekten zurechtgestutzt wurde, sondern tatsächlich seinen Zweck erfüllen soll. Wer je einen der seltenen Gärten gesehen hat, die das ein oder andere Restaurant mit Selbstversorger-Anspruch angelegt hat, wird wissen, dass so etwas dicht, üppig, sehr funktional und irgendwie sehr viel natürlicher aussieht als das, was in vielen Hochglanz-Bänden vorgeführt wird. Dazu gibt es natürlich minutiöse Details über die Anlage und ihre Pflege.

          Bild: Christian Verlag

          Ganz im Trend liegt „Wildkräuter & Blüten“ von Usch von der Winden, einer Köchin, die einmal erfolgreich ein Restaurant betrieben hat. Sie gehört ein wenig ins kreative Lager und verwendet in diesem Buch eine breite Palette von Kräutern wie etwa Schafgarbe, Vogelmiere, Weidenröschen, Beinwell, Brennnessel, Rotklee oder Wilder Hopfen. Man muss natürlich dazu wissen, dass die aromatische Evidenz bei manchen dieser Sorten nicht sehr groß ist. Giersch ist eben nicht Thymian, und man braucht eine sehr sensible Hand, um die feinen Nuancen so zu inszenieren, dass man auch tatsächlich ein individuelles Aroma schmeckt. Vom „Gebackenen Schafskäse mit Nusskruste auf Wicke-Löwenzahn-Bett“ über den „Gebeizten Lachs mit Wiesen-Schaumkraut“ bis zu „Lamm-Koteletts auf Giersch-Gemüse“ bietet dieses Buch dafür aber eine große Menge von Anregungen.

          1 Stern

          Diese Bücher erhalten je einen F.A.Z.-Stern

          Kriterien für die Vergabe von F.A.Z.-Sternen für kulinarische Bücher:

          1 Stern

          Einen F.A.Z.-Stern erhält ein kulinarisches Werk, dessen Veröffentlichung sinnvoll ist und das einen klar erkennbaren, positiven Beitrag zur Entwicklung, Weitergabe, Erforschung oder Dokumentation der Kochkunst leistet. Durch seine Individualität oder seine spezifischen Schwerpunkte schließt das Buch eine Informationslücke oder erhebt sich mit der handwerklichen, ästhetischen oder wissenschaftlichen Qualität seines Inhaltes deutlich über die üblichen Standards.
          Im Falle eines Kochbuches im engeren Sinne müssen die Rezepturen und ihre Erläuterungen guten professionellen Standards genügen und erkennbar das Bemühen zeigen, Nachkochbarkeit zu erreichen. Standardisierte oder unpräzise Angaben sind nur dann akzeptabel, wenn sie durch andere Qualitäten wie etwa Originalität aufgewogen werden.

          2 Sterne

          Zwei F.A.Z.-Sterne erhält ein kulinarisches Werk, das über die Qualitäten eines mit einem Stern bewerteten Buches hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kochkunst leistet oder in seiner didaktischen Anlage hervorragend geeignet ist, vertiefende praktische Kenntnisse zu vermitteln - oder einen wesentlichen Beitrag zur Theorie des Faches leistet.
          Es ist in dieser Kategorie wichtig, dass die Autoren erkennbar größere Zusammenhänge begreifen oder einen außergewöhnlich interessanten Beitrag zu Einzelaspekten leisten.

          3 Sterne

          Drei F.A.Z.-Sterne erhält ein kulinarisches Werk von überragender Qualität, das zu den besten Büchern der letzten Jahre zählt und in jede gute kulinarische Bibliothek gehört. Das Buch muss in wesentlichen Teilen neue Inspirationen vermitteln, in hohem Maße originell sein, oder in besonders hohem Maße wesentliche Zusammenhänge erschließen.

          0 Stern

          Keinen Stern bekommen Bücher, die sich inhaltlich nicht oder nur unwesentlich von vielen vergleichbaren Büchern unterscheiden und/oder bei denen man den Eindruck gewinnt, es handele sich vorwiegend um Veröffentlichungen, die nicht primär an der Qualität des Buches und aam Fortschritt der Kochkunst orientiert sind. Dazu gehören zum Beispiel viele ausschließlich kommerziell orientierte Produkte zur Vermarktung von Prominenten aller Art, aber auch letztlich austauschbare Bücher bekannter und guter Köche, bei denen ein individuelles Profil nicht zu erkennen ist.

          Weitere Themen

          Delikatesse Vogelspinne Video-Seite öffnen

          Der Tarantula-Burger : Delikatesse Vogelspinne

          In Kambodscha gibt es diese Spinnenart als Streetfood-Variante. Warum sollte sie dann nicht auch in einem Burger landen? Das Restaurant ist für solche Aktionen berüchtigt: Hier wurden auch schon Krokodile, Kamele oder Schlangen serviert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.