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Kochbuchkolumne „Esspapier“ : In der Erinnerung schmeckt’s am besten

  • -Aktualisiert am

Nonna, deine Küche! Kochen wirklich alle Großmütter am besten? Bild: Andreas Pein

Die Hamburgerin Larissa Bertonasco hat ein Buch mit den Rezepten ihrer italienischen Großmutter veröffentlicht. Schön gezeichnet ist es. Was taugt die Küche?

          Natürlich klingt ein Titel wie „La nonna. La cucina. La vita - Die wunderbaren Rezepte meiner Großmutter“ erst einmal nach mediterranen Klischees. Das liegt vor allem daran, dass sich beim Thema „Tolle Küche der Großmutter“ gerne individuelle Erlebnisse mit Verallgemeinerungen mischen, so dass nicht nur der Eindruck entsteht, alle Großmütter seien gute Köche gewesen. Sondern auch der, dass wir ihren Küchen nur noch sehnsuchtsvoll hinterherkochen können. Die Bedeutung der Großmutter kann für die kulinarische Sozialisation im Einzelfall natürlich sehr groß sein. Aber es gibt da ein kleines Problem, das auch in diesem Buch wieder eine Rolle spielt. Dazu später mehr.

          Denn zunächst gefällt der Band vor allem wegen seiner wunderbaren Illustrationen. Die Autorin Larissa Bertonasco  lebt in Hamburg, ist freie Künstlerin und Illustratorin und hat über ihre italienischen Wurzeln ein subtileres, keineswegs touristisches Verständnis vom alltäglichen Leben in Italien. Ein Teil des Buches ist daher nicht den Rezepten, sondern, sagen wir: Reminiszenzen an Italien gewidmet. Diese Kapitel befassen sich zum Beispiel mit der Großmutter, dem Regen, den Männern, dem Dorf, dem Sommer, der Küche, dem Strand, dem Duft oder dem Kind. Oft hat das einen ganz eigenen, fast fatalistischen Realismus, wie etwa die Geschichte von der Großmutter und ihren Männern, von Kriegswirren und Friedenszeiten – erzählt von ihr selber: „Er kommt eigentlich immer mit weniger Geld nach Hause, als er vorher hatte, meint aber, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.“ Später dann, im Kapitel „Sommer“, heißt es: „Meine Nonna kann stundenlang darüber reden, wie ein Gericht am besten zubereitet wird und worauf man bei den Zutaten achten muss.“

          Larissa Bertonasco: „La nonna. La cucina. La vita“. Die wunderbaren Rezepte meiner Großmutter. Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2015. 223 S., geb., 19,90 Euro
          Larissa Bertonasco: „La nonna. La cucina. La vita“. Die wunderbaren Rezepte meiner Großmutter. Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2015. 223 S., geb., 19,90 Euro : Bild: Verlag

          Auch darauf wird man noch zurückkommen. Die eigenwilligen, manchmal leicht stilisierenden, dann wieder Werbegrafik einarbeitenden Illustrationen schaffen dabei mit ihrer spröden Farbigkeit eine sehr viel präzisere Realität, als es die üppigen Bilder etwa in deutschen Zeitschriften tun, die so oft aussehen, als stammten sie aus einem Werbefilm für italienische Lebensmittel.

          Kneifen, wenn es um den Auftritt geht

          Die Rezepte widmen sich zunächst traditionellen Gerichten. Natürlich sind die gefüllten Zucchiniblüten da, die Pizza mit Kapern und Sardellen, das Steinpilzrisotto oder Spaghetti alla carbonara. Dann aber stolpert man über kleine Abweichungen wie das „Kürbisrisotto mit Gorgonzola“, die „Brennnessel-Lasagne“, oder den wahrlich umfangreichen „Fischsalat“. Allerdings sind die Mengenangaben in den Rezepten unpräzise, so dass sich aus ihnen wahrlich keine Garantie für gute Qualität ableiten lässt.

          Wie sollte man auch, wenn bei uns nicht nur das ein oder andere italienische Produkt in adäquater Qualität fehlt. Sondern auch unterschlagen wird, ob man bei „geriebenem Parmesan“, „Milch“  und „Spaghetti“, bei „Olivenöl“ und „1 Karotte“ oder erst recht bei den „schwarzen ligurischen Oliven“ nur mit allererster Qualität weiterkommt oder genauso gut doch mit Waren vom Discounter. Auch die Beschreibungen lassen genau das vermissen, was die Nonna doch so gut konnte – nämlich stundenlang über die Zubereitungen reden.

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