Home
http://www.faz.net/-gr0-7b08d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kochbuchkolumne „Esspapier“ Die Sinnlichkeit der Vanilleschote

Die Sterneköchin Tanja Grandits kocht gerne mit Pflanzen und Kräutern. Ihr neues Buch zu diesem Thema überzeugt allerdings nur im Inhalt, nicht in der Form.

© AT-Verlag

Tanja Grandits ist eine aus Deutschland stammende, seit vielen Jahren in der Schweiz arbeitende Köchin. Im Jahre 2008 übernahm sie in Basel eines der bekanntesten Restaurants der Schweiz, das „Stucki“. Seitdem hat sie ihren Stil, der viel mit Kräutern, Pflanzen und Aromen aus aller Welt zu tun hat, so stark verfeinert, dass sie – wie ihr Vorgänger, die Kochlegende Hans Stucki – mittlerweile zwei Michelin-Sterne hat. Dass sie nach einer Reihe von kleineren Büchern nun mit dem Band „Gewürze“ ein größeres Werk veröffentlicht, erscheint da durchaus sinnvoll – auch im Vergleich zu Gewürz-Papst Ingo Holland oder auch zu Alfons Schuhbeck.

Aber was ist das für ein Buch? In seinen Texten ist zwar immer wieder viel von Sinnlichkeit und Emotionen die Rede („ich könnte vor Freude weinen, wenn mir Safran geschenkt wird“), aber das Buch erweckt eigentlich einen ganz anderen Eindruck: Blasses Cover, durchgehend matter optischer Gesamteindruck und erstaunlich schwache Fotos des bekannten Food-Fotografen Michael Wissing. Wenn man die oft penetrant mit Unschärfen und schlecht belichteten Stellen spielenden Bilder vor den meist gräulichen Pastellfarben betrachtet, fällt einem eigentlich nur ein Begriff ein, nämlich „lieblos“. Die Sinnlichkeit und Originalität der Gerichte werden hier einem Styling-Denken geopfert, das sich viel zu sehr an typischem Insider-Denken als daran orientiert, eine Sache so zu erfassen, wie sie sich in ihrer ganzen Schönheit und Komplexität darstellt. Hier ist alles glattgebügelt, und das ist schade.

Klassiker aus Welt der Gewürze

Dem Inhalt indes kann sich der Leser trotz der anämischen Buchgestaltung problemlos nähern. Nach einer kurzen Einleitung zur richtigen Arbeit mit Gewürzen widmet sich Frau Grandits zunächst über fünfzig Seiten der – bisweilen persönlich gefärbten - Vorstellung ihrer Gewürzauswahl, die sie in „süße“ (wie etwa Koriander, Zimt und Vanille), „scharfe“ (wie etwa Ingwer, Malabapfeffer und Chili), „bittere und saure“ (wie etwa Bockshornklee, Senfkörner und Sumach), „anisartige“ (wie etwa Fenchelsamen, Sternanis oder Süßholz), „Blüten“ (wie etwa Lavendel, Jasmin und Orangenblüten), „nussartige“ (wie etwa Mohn und Sesam) und „erdige“ (wie etwa Muskat, Nelken und Kreuzkümmel) aufteilt.

Die ein oder andere Sorte mag dabei relativ unbekannt sein, dennoch dringt die Autorin nicht sehr tief in die Welt der Gewürze ein. Bei „Vanille“ zum Beispiel muss der Eindruck entstehen, es gäbe nur eine einzige Sorte. Dass es eine Vielzahl von Sorten gibt, die sehr unterschiedlich schmecken, wird nicht erwähnt. Außerdem fehlt dem Buch leider auch die vertikale Komponente, bei der es um die Qualität der Gewürze geht, die ebenfalls stark differieren kann.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kochbuchkolumne Esspapier Zum Nachtisch gibt’s gegrillte Wassermelone

Gerade ist das Restaurant der spanischen Roca-Brüder zum besten der Welt gekürt worden. Nun erscheint das Buch Desserts von Jordi Roca in deutscher Übersetzung. Es eignet sich sogar für Anfänger. Mehr Von Jürgen Dollase

25.06.2015, 11:59 Uhr | Feuilleton
Viele Absagen Berliner Fashion Week steht unter keinem guten Stern

Viele Absagen, unter anderem von Hugo Boss, bringen den Veranstaltungskalender der Fashion Week durcheinander. Für F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser stellt sich nicht nur deshalb die Frage, ob man in Berlin eine gelungene Veranstaltung hinbekommt. Mehr

21.01.2015, 11:08 Uhr | Stil
Kochbuchkolumne Esspapier Rotkohlsaft vom Feinsten

Heiko Antoniewicz ist ein großer Spezialist für moderne Kochtechniken. In seinem neuen Buch widmet er sich der Fermentation von Lebensmitteln – vor allem für die vegetarische Küche ist das eine gute Nachricht. Mehr Von Jürgen Dollase

02.07.2015, 15:58 Uhr | Feuilleton
Getränke-Trend Ist Craft Beer das bessere Bier?

Die Zeiten, als amerikanische Biertrinker nur die Wahl zwischen den Massenprodukten von Brau-Giganten wie Anheuser-Busch, Miller oder Coors hatten, sind vorbei: Tausende kleine handwerklich arbeitende Brauereien tummeln sich auf dem Markt und verwöhnen Genießer mit exotischen Aromen. Jetzt schickt sich Craft Beer an, den Brauereien in Europa Konkurrenz zu machen. Mehr

21.04.2015, 12:59 Uhr | Stil
Vegetarisch Grillen Beim Fleisch macht die Dosis das Gift

Es gibt nur eine Handvoll vegetarische Restaurants mit Michelin-Stern: Eines davon, das Tian in Wien, führt Paul Ivic. In seinem Buch stellt er nun vegetarische Gerichte für Grill und Picknick vor. Mehr Von Katrin Hummel

29.06.2015, 10:41 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.07.2013, 13:52 Uhr