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François-René de Chateaubriand : Jeder echte Bretone hält sich vom Hof fern

  • -Aktualisiert am

Das Schloss seines Vaters: In der ehemaligen Wasserburg Combourg verbrachte Chateaubriand zwei Jahre seiner Jugend. Heute erinnert dort eine kleine Ausstellung an ihn Bild: mauritius images

Wer aus dem eigenen Leben erzählt, sollte nicht allzu aufrichtig sein: Der erste Band seiner Memoiren zeigt den französischen Weltmann François-René de Chateaubriand als paradoxes Wesen.

          Das Besondere der Französischen Revolution ist nicht der Untergang der alten und der Aufgang einer neuen Welt: Es besteht darin, dass die Zeitzeugen den historischen Umbruch intensiv als solchen erlebten. Mancher sah sich gespalten: „Ich habe mich, wie am Zusammenfluss zweier Ströme, zwischen zwei Zeitaltern wiedergefunden. Ich habe mich in ihre aufgewühlten Fluten gestürzt und mich ungern vom alten Ufer, wo ich geboren bin, entfernt, bin jedoch voller Hoffnung zum unbekannten Ufer geschwommen, wo die neuen Generationen ihre Anker lichten.“ So leitet François-René de Chateaubriand (1768 bis 1848) seine umfangreichen „Erinnerungen von jenseits des Grabes“ ein, deren Anfang jetzt zum 250. Geburtstag des Autors als „Kindheit in der Bretagne“ in neuer Übersetzung erscheint.

          Das Brot mal hier und da verdient

          Chateaubriands Leben war bewegt. Er war Zeuge der Revolution, reiste nach Amerika, emigrierte nach England, erkundete Italien, Griechenland, den Nahen Osten. Mal verdiente er sein Brot als Lehrer oder Übersetzter, mal lebte er in Prunk und Ehren. Er verkehrte mit den Mächtigen und Klugen, von Ludwig XVI. bis George Washington, von Chamfort bis Madame de Staël. Er wirkte als Diplomat unter Napoleon, als Minister unter Karl X., geriet jedoch mit den Herrschern aneinander, unter anderem, weil er sich für Pressefreiheit einsetzte. Seinen Sitz in der Académie française nahm er nicht ein, als er erfuhr, dass Napoleon seine Antrittsrede nicht nur gelesen, sondern auch gekürzt hatte.

          Der vorliegende Teil berichtet von Kindheit und Jugend: Chateaubriand wird in Saint-Malo als jüngstes von zehn Kindern geboren; seine Schwester Lucille steht ihm nahe. Bei einer Amme verbringt er die ersten Jahre, dann lebt er bei der Mutter in Saint-Malo, wo er sich selbst überlassen ist und die „Bengel aus der Stadt“ als Freunde gewinnt. Von 1777 an erwirbt er in diversen Schulen in Dol, Rennes und Dinan eine Bildung, und zwar gegen den Willen des Vaters eine humanistische; offizielles Berufsziel ist die Marine, in die er aber nicht eintritt. Nach zwei untätigen Jahren auf dem väterlichen Schloss Combourg wird er 1787 Offizier im Regiment von Navarra; er präsentiert sich Ludwig XVI. Zwei Jahre verbringt er in Paris, wo er Zeuge der Revolution wird; als ihm 1791 das Pflaster zu heiß wird, schifft er sich gen Amerika ein. Hier endet der Auszug.

          Chateaubriand verfasste seine „Erinnerungen“ in den Jahren 1811 bis 1841 mit dem Ziel einer postumen Veröffentlichung (daher der Titel). Es handelt sich um mehr als zweitausend Seiten Lebensbericht, historische und Naturschilderungen, Porträts, literarische Reflexionen und vieles mehr. Es überrascht nicht, dass es seit der vollständigen Übersetzung durch L. Meyer („Von Jenseits des Grabes. Chateaubriand’s Denkwürdigkeiten“, Leipzig 1849/50) keinen zweiten Komplettversuch gegeben hat. Seither erscheinen ab und an Auszüge, teils auf Basis dieser Vorarbeit (Brigitte Sändig, 1994); die aktuellste Ausgabe, 2017 bei Matthes & Seitz erschienen, verwendet eine Übersetzung, die bereits ihren fünfzigsten Geburtstag feiert (Sigrid von Massenbach, 1968). Da ist es erfreulich, dass Karl-Heinz Ott einen Neuanfang wagt und andere Akzente setzt: Den Naturschilderungen will er besonderen Raum geben.

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