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Eröffnung der Buchmesse Bodenschatz zwischen den Ohren

 ·  Guido Westerwelle eröffnet die Buchmesse mit einem tollen Sprachbild. Die Gäste aus Neuseeland singen im Dunkeln, während die Titanic das Gastland beschimpft.

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Die neuseeländische Selbstironie scheint irgendwie aus der Not geboren zu sein. „Unser Nationalvogel kann vielleicht nicht fliegen, aber unsere jungen Leute können es“, sagte der Vize-Ministerpräsident des Gastlandes, Bill English, bei der feierlichen Eröffnung der 64. Frankfurter Buchmesse. Aus seinem Land nach Frankfurt geflogen sind neben Autoren, Verlegern und Funktionären auch traditionelle Maori-Tänzer und Sänger, die schon am Mittag mit einem etwa zwanzigminütigen Stammesgesang im Halbdunkel den neuseeländischen Pavillon einsegneten.

Was da gesungen wurde, wissen Gott und die Maoris allein, denn übersetzt wurde es nicht. Wie im Pavillon der Mond über den schwarzen Wassern strahlt, während Grillen zirpen und Frösche quaken, sollte man sich allerdings unbedingt einmal angeschaut haben. Neuseeland mag ja, wie manche mit Blick auf das Gastland des Vorjahrs sagen, „so wie Island, nur mit Bäumen“ sein – es präsentiert sich hier allerdings vor allem als Land ohne Licht.

Ziemlich düster sind denn auch die Aussichten für den stationären Buchhandel, wie Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder ungeschönt zugab – während Buchmessendirektor Jürgen Boos mantra-artig die Chance in der Krise suchte. Guido Westerwelle, von dem böse Zungen sagen, er halte seit drei Jahren auf der Buchmesse die gleiche Rede, abgeändert bloß durch einige Einwürfe zum jeweiligen Gastland, Guido Westerwelle also lief diesmal zur Höchstform auf, um im Hinblick auf die Urheberrechtsdebatte vehement das geistige Eigentum zu verteidigen.

Er pries die deutsche Kulturnation mit einem großartig seltsamen Sprachbild: „Unser Bodenschatz ist nicht unter den Füßen, unser Bodenschatz ist zwischen den Ohren“, flötete der Außenminister. Falls er diese Formulierung selbst gefunden hat, sollte er sie unbedingt urheberrechtlich schützen lassen – das ist ja noch besser als sein Englisch!

Und ganz ehrlich: So originell war nicht einmal der große Neuseeland-Beschimpfungsabend der Satirezeitschrift „Titanic“. Zwar mühten sich Oliver Maori Schmitt und die Seinen redlich. Aber selbst ihnen fielen zum Thema nur die Schafe ein, Schafe und Schafschänder, Schafe und Beischäfer, Schafgülle und Schafskopf. Was uns das über die Literatur des Gastlandes sagt? Keine Ahnung, Hauptsache es erscheint bei „Kiwi“.

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