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„Er stellt die Welt auf den Kopf“ Marcel Reich-Ranicki attackiert Grass

 ·  „Es ist eine Gemeinheit, so etwas zu publizieren“: In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung äußert sich der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erstmals zum Israel-Gedicht von Günter Grass, zum Kalkül des Dichters und zur Frage, ob Grass ein Antisemit sei.

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Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat sich erstmals zu dem umstrittenen Gedicht von Günter Grass „Was gesagt werden muss“ geäußert und den Nobelpreisträger scharf attackiert. Es sei „ein ekelhaftes Gedicht“, das politisch und literarisch wertlos sei, sagte Reich-Ranicki im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Grass stelle „die Welt auf den Kopf“. „Der Iran will Israel auslöschen, das kündigt der Präsident immer wieder an, und Günter Grass dichtet das Gegenteil“.

„Das ist eine Gemeinheit, so etwas zu publizieren“, sagte Reich-Ranicki, der am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, als Überlebender im Bundestag gesprochen hatte. „Außerdem ist es noch großer Unsinn. Israel ist schließlich selber im hohen Maße am Weltfrieden interessiert.“ Das Gedicht sei ein geplanter Schlag nicht nur gegen den „Judenstaat“, sondern gegen alle Juden. „Wenn Palästinenser oder Araber gegen Israel hetzen, ist das ja nichts Besonderes, aber wenn ein Günter Grass es tut und so scharf gegen die Juden vorgeht, dann ist das natürlich ein Ereignis“.

Das Gedicht, das so tue, als wolle es Klarheit schaffen, raune und arbeite mit Unterstellungen. „Grass wird immer undeutlich, wenn er etwas verschweigen will“. Reich-Ranicki betont, es gebe in Deutschland kein Tabu, Israel zu kritisieren. Grass habe durch diese Behauptung lediglich die Wirkung seines Gedichts steigern wollen. Dazu zähle auch, dass er das Gedicht absichtsvoll vor der Pessach-Feier, einem der wichtigsten Feste des Judentums, veröffentlicht habe. Die Behauptung des Schriftstellers, er sage klar, was gesagt werden müsse, widerlege das Gedicht. Günter Grass sei kein Antisemit, aber er spiele gezielt auf antisemitische Neigungen in Teilen der Bevölkerung an. Darum, sagte Reich-Ranicki, mache ihm das Gedicht auch Angst.

Das vollständige Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki lesen Sie im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 8. April.

Quelle: F.A.Z.
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