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Elke Heidenreich Seht dieses Lesezeichen!

Erstmals in ihrer Bücherlobesendung kam Elke Heidenreich nicht umhin, ein Buch zu verreißen. Schlechte Bücher sind eben doch überall. Und dieses hat sie nicht einmal ganz geschafft.

© Goldmann Vergrößern Von Heidenreich weggelegt: Donna Tartts „Der kleine Freund”

Paradigmenwechsel: Eigentlich war alles wie immer. Der Elefant lächelte freundlich aus dem leuchtendroten Bühnenhintergrund, und Elke Heidenreich erklärte wieder, ja, sie sei hier in der Kölner Kinderoper und was man da im Hintergrund sehe, sei ein Kinderopernbühnenbild. Man solle sich nicht wundern.

Dann lobte sie euphorisch, wie es zu einer euphorischen Buchlobesendung gehört, das letzte Buch des verstorbenen Autors Heiner Link, beschimpfte kurz und nebenbei die Feuilletons, die das mal wieder fast ausnahmslos verschlafen hätten, und ließ den Gast Manuel Andrack einen sensationellen Autistenroman anpreisen. Die Laune stieg, die Buchhändler im Publikum rieben sich die Hände. Verleger auch. Und die Autoren erst. Doch dann passierte es.

Die schlechten Bücher schlagen zurück

Dann kam "Der kleine Freund" von Donna Tartt. Und Elke Heidenreich war gar nicht amüsiert. "Hier dieses Lesezeichen!" rief sie und hielt es schamlos in die Kamera. "Es liegt auf Seite 529! Danach habe ich nicht weitergelesen. Ich gebe es zu." Und gab es nicht nur zu. Sie schien stolz darauf zu sein. Es sei nicht gut, hat sie gesagt. Glänzend geschrieben, jaja, geschenkt, geschenkt. Doch allzu viele Fäden verliefen sich so hier und da und träfen sich nicht an einem Punkt. Sie habe befürchtet, das löse sich nicht mehr auf, so auf den letzten zweihundert Seiten. Also beiseite damit. Weg, weg, schnell weg. Ein schlechtes Buch.

Der Kinderelefant im Hintergrund schien leise zu zittern, das Publikum stellte das Händereiben ein, schwieg und staunte. "Die Sendezeit ist mir zu kostbar für schlechte Bücher", hatte sie vor ihrer ersten "Lesen"-Sendung gesagt. Jetzt haben die schlechten Bücher erstmals zurückgeschlagen. Denn sie sind überall.

Quelle: vw, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2004, Nr. 36 / Seite 38

 
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