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Einsturz des Kölner Stadtarchivs Klüngeln in Köln

25.03.2009 ·  Fast zwei Regalkilometer wurden mittlerweile aus den Trümmern des Kölner Stadtarchivs geboren. Das Archiv sucht nun ein neues Gebäude und dabei könnte ihm ausgerechnet der Kölner Klüngel behilflich sein.

Von Andreas Rossmann
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Um über die aktuelle Bergungssituation zu informieren, hatten die „Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln“ gestern in den vierzehnten Stock des Stadthauses Deutz geladen. Die Pressekonferenz fand in einem fensterlosen Raum statt, in den mehr als ein Dutzend Journalisten gepfercht waren und in dem kein einziges Bild an der Wand hing. Dabei eröffnen sich dem Institut, trotz vieler unwiederbringlicher Einbußen, durchaus Aussichten. Dem Eindruck eines Totalverlustes trat Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia entgegen: Fast zwei Regalkilometer seien inzwischen geborgen, der Zustand des Schriftguts sei sehr unterschiedlich, vieles für immer verloren, anderes aber „bewundernswert gut erhalten“. Die Arbeit in der Halle, in die das Material zum Sortieren verbracht wird, belaste, so betonte sie, ihre Kollegen und die Helfer außerordentlich.

Was bisher zum Studieren in die Hand genommen wurde, säubern und restaurieren zu müssen, sei eine andere Tätigkeit als die, für die Archivare ausgebildet sind: „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.“ Als Hoffnungszeichen versteht es der erst 2006 gegründete Förderverein, dass das erste Werk, das er für 6800 Euro restaurieren ließ, nahezu unbeschädigt davongekommen ist: Vier der fünf Bücher des Hermann von Weinsberg, der das Kölner Leben im sechzehnten Jahrhundert schildert, konnten geborgen werden. Auch einzelne Nachlässe seien wiederaufgetaucht, doch sei es, so Schmidt-Czaia, noch schwer, sie auf ihre Vollständigkeit zu überprüfen.

Neues Heim für das Stadtarchiv

Mit der Initiative, ein offenes digitales Archiv der Bestände anzulegen, die das Projekt Prometheus am Kunsthistorischen Institut der Universität Köln angestoßen hat, ist die Stadt dabei, einen Kooperationsvertrag zu schließen, der auch urheberrechtliche Fragen klärt. Zum Ende der Bergungsarbeiten, mit dem sie im Sommer rechnet, fordert die Archivleiterin ein eigenes Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum: „Das kann auch auf der grünen Wiese stehen.“

Für den künftigen Standort des Historischen Archivs gilt das nicht. Da sprechen sich die „Freunde“ wie auch viele Nutzer für das ehemalige Domizil am Gereonskloster aus, das zentral und verkehrsgünstig gelegen ist. Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadt eine Rückkehr in das neugotische Baudenkmal aus Kostengründen abgelehnt, inzwischen soll der Investor, die Frankonia Eurobau AG, neue Pläne mit der Immobilie verfolgen.

Der ehemalige Kölner Stadtdirektor Burkhard von der Mühlen ist Vorsitzender des Fördervereins des Historischen Archivs. Und er ist für die Frankonia tätig, aber „nicht für den Platz Köln“. Gestern war er, auf diese beiden Seelen, ach, in seiner Brust angesprochen, sehr darum bemüht, jedem Verdacht einer Interessensverquickung entgegenzutreten. Aber wieso denn? Der Klüngel hat doch, wie die Kölner nicht müde werden zu betonen, auch positive Seiten. Hier nun könnte er sie, und wie leicht fiele es dann, für das nur außerhalb negativ konnotierte Wort einen Euphemismus zu finden, wirklich einmal offenbaren. Wenn er diese Lösung einfädeln, ja womöglich sogar vermitteln könnte, Burkhard von der Mühlen wäre in Köln ein gemachter Mann!

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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