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Ein Kommentar zu „Moby Dick“ : Das Tier sind wir

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Zwölf Jünger des Wals: Eine Gruppe von Kulturwissenschaftlern arbeitet an einem neuartigen großen „Moby-Dick“-Kommentar. Er erscheint nun sukzessive in der „Neuen Rundschau“. Markus Krajewski erläutert im Gespräch das Projekt.

          Zwölf Jahre lang werden in der „Neuen Rundschau“ von jetzt an Kommentare zu sämtlichen Kapiteln von Herman Melvilles „Moby-Dick“ erscheinen. Sie stammen von einer Forschergruppe, die bereits seit 2006 jährliche „Moby-Dick“-Konferenzen veranstaltet. Markus Krajewski, Professor für Mediengeschichte der Wissenschaften an der Bauhaus-Universität Weimar und neben Bernhard Siegert und Harun Maye einer der drei Initiatoren des Projekts, erzählt im Interview von dessen Genese und Zielsetzung. Es ist nicht zuletzt eine Herausforderung der traditionellen Literaturwissenschaft.
           

          Herr Krajewski, wie kamen Sie zum Wal?

          Alles begann mit einer Landhausphantasie: Ein Freund hatte einen Obstgarten mit einem Häuschen am Kyffhäuser, wo Harun Maye und ich irgendwann einmal planten, mit einer größeren Gruppe eine Landpartie zu veranstalten, weil wir dachten: Wir kennen hier und da ein paar kluge Leute, da wäre es interessant, mal ganz ungezwungen eine Lesegruppe zu einem literarischen Text am entlegenen Ort zu veranstalten, also eine Art Klausurtreffen am Kyffhäuser. Fehlte nur noch ein passender Text. Bibellektüre schied eher aus, „Gravity’s Rainbow“ war schon in Friedrich Kittlers Oberseminar genug ausgeschlachtet worden, also blieb eigentlich nur „Moby-Dick“, denn welcher andere Text hatte so viel an Modernität, klassischen Sujets und immerwährenden Fragen zugleich zu bieten? Aber weil das kleinste deutsche Mittelgebirge nicht viel Wasser um sich herum hat und weil Behemoth ungleich langweiliger zu sein schien als der Leviathan, wurde es dann nichts aus der Landpartie zum Kyffhäuser und der Plan schlummerte so vor sich hin, weil es eher das Meer sein sollte...

          Also wie kam die Gruppe dann doch zusammen?

          Der Plan schlummerte so lange, bis in Weimar im Jahre 2006 aus ganz anderen Gründen eine Tagung zu „Politischer Zoologie“ veranstaltet werden sollte. Da haben wir dann gemeinsam mit Bernhard Siegert, dem wir zwischenzeitlich von unserem Wal-Lesegruppenprojekt berichtet hatten, die Idee entwickelt, eine Art Vortagung zur politischen Zoologie zu machen, die unabhängig von der Hauptveranstaltung allein dem Wal gewidmet werden sollte. Ein Teil der Beiträger, die wegen der großen Tagung ohnehin nach Weimar kamen, wurde gefragt, ob ihnen etwas zum Wal einfiele, und so nahm der Plan rasch Form an. Einige von den Auswärtigen, ergänzt noch durch ein paar Personen, die ohnehin vor Ort waren, sollten ein Kapitel ihrer Wahl kommentieren, um dann in lockerer Atmosphäre, ohne den üblichen Tagungsehrgeiz, das Ganze einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten vorzutragen.

          Und das wurde dann zum ständigen Walausschuss?

          Weil die Tagung unsere Erwartung nicht nur wegen ihres familiären Charakters, sondern auch dank der unterhaltsamen Ergebnisse bei weitem übertraf und allen Beteiligten unerwartet großes Vergnügen bereitet hatte, war schnell die Verabredung getroffen, sich in einem Jahr wenn schon nicht in Marienbad, so doch an einem noch zu findenden Ort wiederzutreffen. Schließlich gab es ja noch rund 125 unkommentierte Kapitel.

          Wie laufen die Treffen ab?

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