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Kolumne „E-Lektüren“ : Kann man mit Jubel und Wohlstandsmüll Flüchtlingen helfen?

  • -Aktualisiert am

Ein Flüchtlingskind spielt im Registrierungszentrum in Traiskirchen. Bild: AFP

Willkommensgrüße von Modebloggern, Thesen gegen die Feigheit, dystopische Erzählungen aus deutscher Zukunft: Neue E-Books zur großen Krise der Zeit.

          Die Überschriften dieser Tage, egal, ob digital oder gedruckt, orakeln über jene Traumatisierten, die alles verloren haben, die überdies ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder, Alten, Kranken aufs Spiel setzen, um illegal aus fernen Kriegs- und Krisengebieten nach Europa zu fliehen, wo sie auf eine neue Heimat hoffen. Ein veritables Mehrgenerationenthema also, das Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache gewählt hat. Aber wie sich „aus illegaler Migration legale“ machen ließe, erschließt sich aus der Ansprache nicht.

          Konkreter als die deutsche Kanzlerin äußert sich dazu der österreichische Kulturreporter Simon Hadler, der kürzlich eine junge Syrerin mitsamt Baby in seine Familie aufgenommen hat. Der mehrfach für sein Werk ausgezeichnete ORF-Redakteur hat unter dem Titel „Die Angst vor dem ,Ansturm‘“ in der digitalen Reihe Hanser Box eine Sammlung literarischer Reportagen, analytischer Lageberichte sowie „10 Thesen und Forderungen wider die Feigheit“ veröffentlicht, darunter das Ersuchen Nummer 6: „Sichere Fluchtkorridore nach Europa schaffen und eine Prüfung der Asylgründe in EU-Botschaften ermöglichen - um die Gefahren einer illegalen Flucht zu vermeiden und profitgeilen, brutalen Schleppern Einhalt zu gebieten“:

          Für die Digitalpublikation hat der Reporter die Hotspots der defizitären österreichischen Asylpolitik bereist, zu denen das unweit von Wien gelegene, komplett überfüllte Erstaufnahmezentrum Traiskirchen gehört. Dort konnten zahlreiche der erschöpften Ankömmlinge trotz Nässe und Kälte nur im Zelt unterkommen: „Vollkommen sinnlos wurde mitten in einem der reichsten Länder der Erde ein humanitärer Notstand provoziert, der monatelang anhielt.“ Der „Faktencheck Asyl“, wie das E-Book im Untertitel heißt, bezieht sich nicht nur auf die katastrophalen Gegebenheiten in dem niederösterreichischen Lager und vor dem Wiener Westbahnhof, wo die Schutzbefohlenen zwar die Unterstützung von NGOs und unzähligen freiwilligen Helfern erhalten, aber kein festes Dach über dem Kopf. Hadler geht auch rassistische Hass-Memes im Internet durch, rät von emotionalen und/oder ironischen Reaktionen ab, liefert stattdessen streng geprüftes Zahlenmaterial: 150 Euro pro Jahr müsste ein einziger Steuerzahler für einen einzigen anerkannten Flüchtling aufbringen, der dafür locker die Rentenkassen des österreichischen Staates mit seiner extrem niedrigen Geburtenrate auffüllen könnte.

          Als kämen sie aus dem Boxring

          Eine der Freiwilligen, auf die Hadler in Traiskirchen trifft, ist die österreichische Modebloggerin Madeleine Alizadeh, die sich im Netz auch Dariadaria nennt. Sie ist an der Crowdfunding-Aktion „Blogger für Flüchtlinge“ beteiligt, die mittlerweile mehr als 130.000 Euro Flüchtlingshilfe eingenommen hat. 69 der mehr oder weniger literarischen Blogposts sind in die Anthologie „Willkommen!“ eingegangen, die der Berliner Digitalverlag mikrotext den neuen Beschwörern der German Angst entgegensetzt.

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