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Hansers E-Book-Programm : Eine Wunderschachtel

Schritt ins Digitale: Hanser-Verleger Jo Lendle Bild: dpa

Hanser stellt das Programm vor, mit dem sein neuer E-Book-Verlag am 1. Oktober starten wird. Erfolgreich werden soll er mit literarisch Bewährtem. Und hoher Schlagzahl.

          Wenn man nur diese Namen nähme – Janne Teller, A.L. Kennedy, Sibylle Berg, Henning Mankell, Thomas Glavinic, Javier Marías, Ilija Trojanow, T.C. Boyle, Michael Frayn, Colm Toíbín, Roberto Saviano oder Franzobel –, dann hätte man ein erstklassiges Verlagsprogramm zusammen. Allerdings gibt es das schon. Es hört auf den Namen Hanser (mit Ausleihen bei den Töchtern der Verlagsgruppe). Deshalb kann nun die Neugründung Hanser Box nicht wirklich überraschen – zumindest nicht, was die Autoren angeht, die dort publiziert werden. Aber überrascht hat ja vor allem, dass Hanser überhaupt ein reines E-Book-Projekt einrichtet.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Am 1. Oktober, eine Woche vor Beginn der Frankfurter Buchmesse, kommen dort auf einen Schlag zehn Titel heraus. Es sind alles neue Texte, deren Umfang zu gering für ein klassisches Buch ist, die aber auch zu umfangreich sind, als dass man sie in Zeitungen publizieren könnte. Für E-Books dagegen, zumal in der Preisspanne, die Hanser Box vorgibt (1,99 bis 4,99 Euro), ist so etwas genau das richtige. Und so freut sich der Hanser-Verleger Jo Lendle im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darüber, dass er die digitale Welt mit dem neuen Angebot attraktiver mache.

          Texte, die sonst leicht übersehen werden

          Lendle ist auch der Ideengeber für Hanser Box gewesen. Sein Vorgänger Michael Krüger wird in der Branche gern als letzter Verleger belächelt, der nicht gewusst habe, wie man einen E-Reader bedient. Lendle wurde geholt, um das hochangesehene Traditionsunternehmen Hanser auch fit für die neuen technischen Herausforderungen zu machen.

          Bei seinem früheren Arbeitgeber Dumont hatte er am Beispiel des japanischen Erfolgsautors Haruki Murakami vorgeführt, wie man mit besonderer Präsentation kurzer Texte punkten kann: Zwei zuvor schon in Erzählungsbänden erschienene Geschichten ließ Lendle von der Illustratorin Kat Menschik durch Bilder bereichern und als eigenständige kleine Bücher erscheinen. Sie verkauften sich glänzend. Dieses Prinzip der Herausstellung von Texten, die sonst leicht übersehen werden, will Lendle jetzt bei Hanser Box mit dessen E-Books betreiben.

          Vorerst kein Abonnement

          „Das wird sich gut tragen“, vermutet er. Kunststück, denn Mehrkosten entstehen kaum, da das neue Programm von der bisherigen Belegschaft mitgestemmt wird. Und die längst etablierten Autoren sorgen für Aufmerksamkeit. Trotzdem erwartet Lendle auch keine Riesengewinne, denn das angepeilte niedrige Preisniveau lässt für den Verlag selbst bei den derzeit üblichen Marktbedingungen keine großen Summen übrig. Der Vertrieb soll auf den bereits etablierten Wegen erfolgen, also auf allen Buchhandelsplattformen inklusive Amazon, das seit Jahren ein Monopol auf diesem Marktsegment anstrebt.

          Die Programmdramaturgie von Hanser Box ist ungewöhnlich. Nach dem Paukenschlag zum Auftakt mit zehn Titeln auf einmal, soll jeden Mittwoch ein neues E-Book angeboten werden. Mehr als fünfzig Publikationen pro Jahr – das ist ein stolzes Vorhaben. Abonnements darauf gibt es vorerst nicht, weil die vorhandene Technik das nicht erlaubt und Lendle eh der Ansicht ist, dass die Genres der Hanser-Box-Bücher zu unterschiedlich sind, als dass für Käufer das Gesamtangebot interessant wäre.

          Eine Frage der Lautstärke

          Erzählungen machen den Schwerpunkt der ersten 27 Titel aus, die nun für die Zeit bis Ende Januar 2015 bekanntgegeben wurden, aber es gibt auch Sachbücher, Streitschriften, Reportagen und Lyrik. Der neue Verlag soll nicht nur bisherigen Hanser-Autoren offen stehen, sondern auch für „namhafte Schriftsteller und Journalisten, wenn ein Manuskript von ihnen in die Box passt“. Ein klares inhaltliches Profil ist allerdings noch nicht erkennbar.

          Und über eins macht sich Lendle keinen Illusionen: „Das Gespräch über klassische Bücher bekommt man lauter hin als das über E-Books.“ Will sagen: Die Medien werden sich erst einmal weiterhin vor allem an Gedrucktes halten. Es wird schon neben den berühmten Namen auch hohe Qualität brauchen, um Hanser Box zum Erfolg zu führen.

          Quelle: FAZ.NET

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