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E-Book-Marketing : Bücherfischen in Amazons Tiefen

  • -Aktualisiert am

Mit dem richtigen Accessoire kann man nicht nur E-Books, sondern auch E-Reader fischen. Bild: AFP

Amazons Selfpublishing-Dienst wird mit täglich neuen E-Books überschwemmt. Wer soll bei dem Überangebot das Lesenswerte herausfiltern? Der „E-Book-Dschungel“ kuratiert mit sonderbaren Methoden. Und fragwürdigem Zweck.

          Täglich veröffentlichen hoffnungsvolle Autoren ihre E-Books über Kindle Direct Publishing. Das ist Amazons Selfpublishing-Dienst. Verfechter dieses Konzepts argumentieren angesichts der Titelschwemme, die Leser sortierten mit ihren Bewertungen schon aus, was schlecht sei, deshalb brauchte es dort keinen „Torhüter“ wie etwa das Eingangslektorat eines Verlags. Tatsächlich verschwinden die meisten Werke ungesehen, ungelesen und ungekauft wieder in der Versenkung. Das werde aber nicht allen Selfpublishing-Titeln gerecht, schreibt der Betreiber einer Internetseite mit dem verheißungsvollen Namen „E-Book-Dschungel“. Hinter erfolgreichen Titeln stehe doch immer eine Marketingmaschine, die von einem traditionellen Verlag oder dem Autor selbst angeworfen werde.

          Bekannte Autoren werden übersprungen

          Doch sich selbst zu bewerben, sei nun mal nicht jedes Schriftstellers Sache, heißt es weiter – richtig erkannt und der Grund dafür, warum viele Autoren sich nach wie vor einen Verlagsvertrag wünschen, der ihnen erlaubt, zu schreiben, statt sich parallel selbst zu vermarkten und eigene Lektoren zu beauftragen. Aber armen, zu Unrecht übersehenen Amazon-Autoren soll nun vom E-Book-Dschungel geholfen werden: „Ich werfe die Angel weit aus und fische systematisch in den unergründlichen Tiefen ,Amazoniens‘ nach verschollenen Titeln, um diesen eine neue Chance zu geben.“ Sein Vorgehen macht der Betreiber der Seite transparent: Ein- bis zweimal pro Woche sortiere er die Titel in einzelnen Sparten nach Beliebtheit und wähle an den Hunderter-, Zweihunderter- und Dreihunderterpositionen hängengebliebene E-Books aus. Eine durchschnittliche Bewertung von vier Sternen muss der Titel haben, und der Autor darf nicht bereits bekannt sein, sonst wird er übersprungen.

          Derart glücklich geborgene E-Books werden dann auf der E-Book-Dschungel-Seite nach Kategorien wie zum Beispiel Krimi, Liebe, Fantasy oder Horror angezeigt. Der Betreiber schweigt darüber, ob er die Ausbeute selbst liest. Wer aber ist dieser Mensch, der unbekannten amazonischen Selfmade-Autoren auf die Sprünge helfen, ihnen ein paar Tage Ruhm oder wenigstens verbesserte Sichtbarkeit verschaffen will? Ist er ein begeisterter E-Book-Leser? Oder gar selbst ein unsichtbarer Autor? Aufschluss gibt das Impressum: Hinter der Seite steht ein in den Niederlanden ansässiger Webdesigner. Und ganz unten steht: „E-Book-Dschungel ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Plazierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.“ Der Dschungelforscher lotst also Kunden zu Amazon und verdient jedes Mal, wenn sich jemand für eine der von ihm herausgefischten Eigenpublikationen erwärmen kann. Fangquote dürfte ihm wichtiger sein als Qualität.

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