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Veröffentlicht: 07.11.2015, 22:41 Uhr

E-Book-Kolumne „E-Lektüren“ Von der Schönheit digitaler Bücher

Muss die Gestalt dem Inhalt folgen? Auch der Kreis der kompetenten Bibliophilen hat das E-Book für sich entdeckt. Worum es bei Auszeichnungen im E-Book-Bereich gehen könnte.

von Elke Heinemann

Ort und Zeit der Handlung: Frankfurter Buchmesse, Herbst 2015. Wie in jedem Jahr sind auch diesmal viele schöne Auszeichnungen vergeben worden, darunter der Preis der renommierten Stiftung Buchkunst für das schönste deutsche Buch, die Reiseerzählungen des früh verstorbenen Filmemachers Michael Glawogger nämlich, die unter dem Titel „69 Hotelzimmer“ von der Anderen Bibliothek im orangefarbenen Schuber mit Leuchtschrift herausgebracht worden sind. Wer aber glaubt, dass man sich im Kreis der kompetenten Bibliophilen dem E-Book total verweigert, der irrt.

„Wir wurden häufig darauf angesprochen, ob wir uns nicht um E-Books kümmern wollen, und das werden wir nun tun“, verrät mir Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst. Aber man könne nicht einfach so bestimmen, was schön ist und was nicht, die Kriterien für schöne Bücher auch nicht eins zu eins auf schöne E-Books übertragen. Ein eigener Kriterienkatalog müsse erstellt werden, in dem es um Makro- und Mikrotypographie gehe, um technische Details et cetera. Diverse Workshops seien geplant mit Gestaltern, Technikern, Herstellern, Digital-Projektleitern verschiedener Verlage.

Und welche Rolle spielt die Qualiltät der Texte für die Stiftung Buchkunst? „Inhalte spielen für uns immer eine Rolle, weil die Gestaltung dem Inhalt folgt. Wir bewerten Inhalte nicht, aber sie müssen adäquat umgesetzt werden.“ Tatsächlich finde ich unter den 2015 nominierten Schönsten in der Rubrik „Allgemeine Literatur“ ruhmreiche Klassiker und bekannte Autoren unserer Tage wie Émile Zola und A.L. Kennedy. Im E-Book-Bereich könnten aber auch unbekannte Selfpublisher Chancen bei der Stiftung Buchkunst haben, sofern sie ihre Werke nicht ausschließlich über proprietäre Systeme wie Amazon oder Apple vertreiben.

Lineare Texte bekannter Schriftsteller

Ob die Stiftung Buchkunst in Zukunft einen Preis für das schönste deutsche E-Book ausschreiben wird, ist noch ungewiss. Ungewiss ist auch noch, ob man in Zukunft mit dem Deutschen E-Book-Award kooperieren wird, der seit 2014 für die schönsten deutschsprachigen E-Books ausgelobt wird, neuerdings in drei Rubriken, salopp Fiction, Nonfiction, Kinder und Jugend genannt. „Eine Kooperation mit der Stiftung Buchkunst wäre für uns interessant, weil wir deutlich machen wollen, dass Print und Digital nicht miteinander konkurrieren, sondern vielmehr Synergien geschaffen werden könnten“, schreibt mir Robert Goldschmidt, Initiator des Digitalpreises. Sein Bewertungsbogen sieht eine Punktzahl von 1 bis 10 vor für E-Book-Kriterien wie Design, Typographie, Technische Umsetzung et cetera. Vergeben werden sie von einer elfköpfigen Jury, die sich zusammensetzt aus Gestaltern, Technikern, Herstellern, Digital-Projektleitern verschiedener Verlage.

Und welche Rolle spielt die Qualität der Texte für den Deutschen E-Book-Award? „Wir zeichnen nicht einfach die Titel aus, die die meisten technischen Features aufweisen. Wir leisten aber auch keine literaturkritische Analyse, sondern es geht uns darum, dass der Inhalt mit der Gestaltung interagiert und auf diese Weise dazugewinnt.“ Einreichungen großer Verlage habe es gegeben, keine schwer marktgängigen Experimente, sondern lineare Texte bekannter Schriftsteller, deren Umsetzung die Jury jedoch nicht überzeugen konnte. Trotzdem finde ich unter den 2015 nominierten Schönsten ruhmreiche Klassiker und bekannte Autoren unserer Tage wie Georg Büchner und Janosch.

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