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E-Books: Raus aus der Schmuddelecke : Das Literarische im Digitalen

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Nach Bestsellern und Genre-Werken will nun auch anspruchsvolle Literatur kleinerer Verlage den E-Book-Markt erobern. Bild: dpa

Der E-Book-Markt verändert sich: Immer mehr kleine Verlage veröffentlichen sorgsam ausgewählte Literatur, kuratierte Plattformen wollen sie abseits von Amazon sichtbar machen. Das E-Book schüttelt sein Schmuddel-Image ab.

          Es herrscht Aufbruchstimmung in der Welt des Buches – in der digitalen wohlgemerkt. Der Anteil der E-Books am Buchmarkt insgesamt ist inzwischen auch in Deutschland zweistellig, kleine unabhängige E-Book-Verlage schaffen eine Alternative zum Self-Publishing. Vergangenes Wochenende fand in Berlin gar die erste „Electric Book Fair“ statt. Dort, berichtet Zoë Beck, Autorin und vergangenes Jahr Mit-Gründerin des E-Book-Verlags „CulturBooks“, im Gespräch mit FAZ.NET, ging es um ganz grundsätzliche Fragen: „Was kann man im E-Book-Bereich anders machen, wo soll die Reise hingehen? Ich kam mit dem Eindruck zurück, dass da eine neue bunte Szene entsteht.“ Es gebe zwar viele Ungewissheiten, was die Zukunft betrifft, aber, und das sei das Entscheidende: „Da wird was gemacht, da gibt es eine sehr positive Aufbruchstimmung, jeder will, jeder hat Lust – das war ganz anders als bei den Buchtagen, bei denen ich vor kurzem auch war, wo die Stimmung eher in die andere Richtung ging und einem Schwanengesang glich.“

          Bisher waren E-Books vor allem als Ableger sowieso erfolgreicher Bestseller ein lohnenswertes Geschäft – oder eben im Self-Publishing-Bereich in etablierten Genres. Durch letztere Sparte haben E-Books auch immer noch ein leicht schmuddeliges Image. „Ein großes Problem ist“, sagt Zoë Beck, „dass E-Books dieser Ruf anhaftet: Oh, das ist ja so was Ähnliches wie Self-Publishing, im E-Book erscheint ja nur das, was es nicht in den Print geschafft hat – das finde ich furchtbar.“ Es ist ihr wichtig zu betonen, dass E-Book-Verlage kein „Zwischending“ sind: „Wir sind ein Verlag. Der einzige Unterschied zu anderen kleinen, unabhängigen Verlagen ist, dass wir kein Papier bedrucken.“

          Das Problem mit der Sichtbarkeit

          Eingesandte Manuskripte – von denen CulturBooks schon ein gutes halbes Jahr nach seiner Gründung jeden Tag mehrere erhält – werden genauso gewissenhaft geprüft wie bei traditionellen Verlagen, werden einem Lektorat unterzogen und vermarktet. Viele Einsendungen kommen sogar von Autoren, die ihre Bücher bereits selbst publiziert haben. „Manchmal schreiben die Leute auch nicht dazu, dass ihr Text schon im Self-Publishing erschienen ist“, erzählt Zoë Beck, „das finden wir dann in Eigenrecherche heraus. Die Sehnsucht, durch einen Verlag Anerkennung zu haben, die scheint weiterhin da zu sein. Viele merken auch, dass es manchmal eben notwendig ist, mit Partnern zusammen zu arbeiten, die bestimmte Dinge können – ob das jetzt Verlag heißt oder Agentur oder ein eigens zusammen gestelltes Team ist.“

          Die verlegten Bücher bewegen sich abseits der nach Erfolgsformeln geschriebenen immer gleichen Titel vieler großer Verlage. „Wir wollen Möglichkeiten für Literatur schaffen“, sagt Beck, „ganz idealistisch gesprochen. Wir haben uns lange genug angeschaut, wie sich alles auf einen Massenmarkt ausrichtet und es überall diese 'me, too!'-Produkte gibt.“ Der Aufstieg des digitalen Buches ermöglicht die Konzentration auf einen Bereich abseits davon. „Wir können an Inhalten und neuen Formaten, an Innovation arbeiten, weil es finanzierbar ist. Wir brauchen keine Druckermaschine mehr, wir können das von zu Hause, vom Computer aus machen.“

          Zoë Beck, Autorin und Mit-Gründerin des E-Book-Verlags „CulturBooks“
          Zoë Beck, Autorin und Mit-Gründerin des E-Book-Verlags „CulturBooks“ : Bild: Victoria Tomaschko

          CulturBooks bezeichnet sich als „literarischen E-Book-Verlag“, hier finden sich, wie bei kleineren Print-Verlagen auch, handverlesene Titel, viele Debüts. Eine der größten Herausforderungen für CulturBooks und anderer Verlage mit ähnlichem Ansatz, wie etwa Mikrotext, Frohmann oder Frisch&Co, ist die Sichtbarkeit in den schier unendlichen Weiten des Internets. Diesem Problem entgegenwirken will seit einigen Monaten die Plattform Minimore, gegründet von den Leitern des E-Book-Verlags SuKultur. Einer von ihnen ist Frank Maleu. „Wir haben festgestellt, dass wir mit den relativ vielen Titeln, die wir haben, trotzdem ein Problem mit der Sichtbarkeit in großen Online-Shops haben“, erzählt er im Gespräch mit FAZ.NET. „Auf Plattformen wie Amazon muss man relativ genau wissen, was man sucht.“

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