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Veröffentlicht: 03.07.2014, 21:34 Uhr

E-Books: Raus aus der Schmuddelecke Das Literarische im Digitalen


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Minimore soll im Vergleich zu Amazon das werden, was eine kleine Buchhandlung um die Ecke im Vergleich zu Ketten wie Thalia oder Hugendubel ist. „Der Ansatz ist der einer E-Book-Boutique“, sagt Maleu, „es soll gut kuratiert sein.“ Momentan sind knapp zwanzig Verlage bei Minimore vertreten, weitere sollen hinzukommen, mittelfristiges Ziel ist es, um die tausend Titel im Sortiment zu haben.

29911072 © Privat Vergrößern Frank Maleu, Mit-Begründer von Minimore

Ein ganz ähnliches Projekt gibt es sei einigen Wochen auch auf der anderen Seite des Atlantiks in den Vereinigten Staaten. „0s&1s“ ist eine Mischung aus Verlag und Online-Plattform. Drei eigene Romane stehen neben je zwei Titeln der siebzehn Partner-Verlage zur Auswahl. „Viele kleine Verlage sind zu Amazon gegangen, weil sie keine andere Wahl hatten“, sagt Gründer Andrew Lipstein im Gespräch mit FAZ.NET. Es schien ihm einen Markt zu geben für E-Books dieser kleinen Verlage und für Leser, die Literatur in digitaler Form abseits des Mainstreams wollen. „Wir suchen nach den wirklich unkonventionellen Büchern“, sagt Andrew Lipstein, „nach Büchern, die man gerne liest, die aber auch literarisch anspruchsvoll sind. Die Idee ist, dass die Leute zu uns kommen, um ein Buch zu finden ohne etwas Spezielles im Kopf zu haben. Wir wollen einen Raum kreieren, wo die Leute sich umschauen können, wie eben in einem unabhängigen Buchladen auch.“

Dieses Konzept scheint aufzugehen: Lipstein ist zuversichtlich, schon Mitte Juli schwarze Zahlen zu schreiben, gerade einmal sechs Wochen nach Start des Projekts – das ist für ein Start-up beachtlich. Noch beachtlicher ist, dass dieser finanzielle Erfolg nicht etwa auf der Ausbeutung von Autoren und Verlagspartnern beruht. Jedes Buch auf der Seite kostet sechs Dollar, achtzig Prozent davon gehen direkt an den Autor, wenn das Buch direkt bei 0s&1s erschienen ist, oder an den Verlagspartner. Nur zwanzig Prozent bleiben bei Andrew Lipstein, was deutlich unter den Margen liegt, die Amazon oder auch der traditionelle Buchhandel für sich beanspruchen – möglich ist der Einheitspreis, weil es in den Vereinigten Staaten keine Buchpreisbindung gibt. Hierzulande müssen sich Händler wie Minimore an die Vorgaben der Verlage halten. Bei den meisten Büchern, die bei Minimore verkauft werden, gehen siebzig Prozent an die Verlage.

Anspruchsvolle Literatur in der Digitalen Welt

Auch für Leser bieten 0s&1s und Minimore viele Vorteile, nicht nur dadurch, dass die tatsächlich in eine Marktlücke stoßen und, kleinen Buchhandlungen gleich, eine Auswahl guter Literatur in ihre virtuellen Schaufenster legen, die man sonst nicht so einfach finden würde. Die erworbenen E-Books bekommt der Leser auf beiden Plattformen DRM-frei, das heißt ohne Kopierschutz. So kann man die Datei auf jedes beliebige Endgerät ziehen. Wer eine Datei raubkopieren will, da sind sich Maleu und Lipstein einig, der schafft das sowieso, auch mit DRM. „Wir stellen eine Seite her, auf der der Kunde möglichst einfach navigieren können soll“, sagt Maleu, „wir wollen den Leser nicht kriminalisieren oder ihm Steine in den Weg schmeißen.“

So entstehen echte Optionen neben den großen Internet-Buchhändlern, auch wenn man bei allem Enthusiasmus realistisch bleiben muss. „Ich weiß nicht, ob es im Augenblick sinnvoll ist zu sagen: Erspart euch Amazon“, gesteht Frank Maleu ein, „ich glaube, da wären wir unredlich. Eine solche Alternative sind wir noch nicht.“ Noch gilt es, vieles auszuprobieren, beispielsweise auch einen Weg zu finden, mit traditionellen Buchhandlungen zusammen zu arbeiten. Maleu glaubt, dass es in naher Zukunft mehr kuratierte E-Book-Shops nach der Machart von Minimore und 0s&1s geben wird. Nach großen Bestsellern und selbstpublizierten Genre-Werken findet so auch anspruchsvolle Literatur in der digitalen Welt langsam ihren Platz.

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