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E-Books Amazon verkauft immer mehr digitale Bücher

21.07.2010 ·  Amazon verkauft nun erstmals mehr digitale als gebundene Bücher. Das Lesegerät Kindle wird zwar auch mehr nachgefragt, steht aber dennoch unter Druck durch Apples iPad. Absolute Zahlen nennt Amazon allerdings nicht.

Von Roland Lindner und Casten Germis, New York/Tokio
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Der amerikanische Internetmarktplatz Amazon.com hat einen Meilenstein für sein Geschäft mit elektronischen Büchern gemeldet, aber gleichzeitig seine Geheimniskrämerei in diesem Segment fortgesetzt und viele Fragen offengelassen. Amazon teilte mit, im vergangenen Quartal mehr digitale als gebundene Bücher verkauft zu haben. Insgesamt habe Amazon im ersten Halbjahr 2010 den Absatz elektronischer Bücher gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht. Amazon sprach außerdem von einer deutlichen Belebung in seinem Geschäft mit dem digitalen Lesegerät Kindle, seit das Unternehmen im Juni den Preis für das Einstiegsmodell von 259 auf 189 Dollar gesenkt hat.

Die Nachricht von Amazon unterstreicht, wie rasant sich der Buchmarkt hin zum Lesen elektronischer Titel entwickelt. Sie bedeutet aber noch nicht, dass E-Books insgesamt physische Bücher überholt haben. Amazon bezieht sich nur auf gebundene Bücher, nicht auf Paperbacks (Taschenbücher), deren Volumen deutlich höher sein dürfte. Amazon hat nach eigenen Angaben im vergangenen Quartal für jeweils 100 gebundene Bücher 143 elektronische Titel abgesetzt.

Kindle könnte durch das iPad in Bedrängnis geraten

Amazon kontert mit seiner Mitteilung Vermutungen in der Branche, wonach das Geschäft mit dem Kindle und der zugehörigen Vertriebsplattform für elektronische Bücher durch den Tablet-Computer iPad von Apple unter Druck geraten könnte, der unter anderem auch als Lesegerät eingesetzt werden kann. Allerdings liefert Amazon nur sehr begrenzte Einblicke: Nach Angaben des Unternehmens haben sich die Verkaufszahlen des Kindle in jedem Monat des zweiten Quartals erhöht, und seit der Preissenkung im Juni habe sich die Wachstumsrate beim Absatz verdreifacht. Ähnlich wie bei den digitalen Büchern nennt Amazon für den Kindle keine absoluten Zahlen. Amazon verkauft den Kindle seit Herbst 2007, hat aber die Absätze des Geräts noch nie beziffert. Dagegen verkündet Apple regelmäßig Zahlen für das iPad, nach letzten Angaben vom Juni sind seit dem Verkaufsstart Anfang April mehr als drei Millionen Stück abgesetzt worden. Zum Kindle gibt es nur Analystenschätzungen: So wird Amazon nach Meinung von James McQuivey von Forrester Research in diesem Jahr 3,3 Millionen Kindles in Amerika verkaufen.

Viele Analysten meinen, spezialisierte Lesegeräte wie der Kindle könnten durch breiter einsetzbare Geräte wie das iPad in Bedrängnis geraten. Amazon verlässt sich selbst in seinem Geschäft mit elektronischen Büchern nicht ausschließlich auf seinen hauseigenen Kindle. Vielmehr vertreibt das Unternehmen Titel für eine ganze Reihe anderer Plattformen, darunter auch das iPad und das Apple-Handy iPhone sowie dessen Wettbewerber Blackberry. Gleichwohl unterstrich Amazon in seiner Mitteilung die Vorzüge des Kindle, die auch in der Branche als Pluspunkte gegenüber dem iPad gesehen werden: Der Kindle ist leichter und hat eine längere Batterielaufzeit, und er ist bequemer bei Tageslicht einsetzbar.

Sharp will einen neuen Markt für E-Books schaffen

Trotz der Fragen nach der Zukunft von Lesegeräten drängen immer neue Unternehmen in den Markt. So kündigte der japanische Elektronikkonzern Sharp an, in diesem Jahr ein Lesegerät und eine dazu passende Vertriebsplattform für elektronische Bücher zu starten. Kerntechnologie dafür soll ein Format für elektronische Bücher mit dem Namen „XMDF“ sein, wie eine Sharp-Sprecherin sagte. Das Unternehmen werde beim Start dieser Plattform mit einer Reihe von Partnern in Japan und im Ausland zusammenarbeiten, darunter auch mehrere Verlage. Damit will Sharp „einen neuen Markt für E-Books schaffen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Elektronische Bücher seien ein vielversprechendes Geschäft, sagte die Sprecherin. Mit seiner neuen Technik wolle Sharp einen neuen Schwerpunkt auf diesen Markt legen.

Der japanische Konkurrent Sony ist bereits seit einigen Jahren im Geschäft mit elektronischen Büchern aktiv. Sony hatte aber bislang das Problem, dass seine E-Reader zu groß und teuer waren. Das Unternehmen hat daher mittlerweile ebenso wie Amazon die Preise für seine Lesegeräte mehrmals reduziert. Außerdem hat Sony ein Einstiegsmodell auf den Markt gebracht, das mittlerweile in den Vereinigten Staaten für 149 Dollar verkauft wird.

Samsung, der Rivale aus Südkorea, ist in diesem Jahr ebenfalls groß in das Geschäft eingestiegen. Die Südkoreaner kooperieren im Wettbewerb um den wachsenden Markt elektronischer Bücher mit dem amerikanischen Internetkonzern Google.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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