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E-Book-Bestseller : Bridget Jones trifft auf einen Alien

Handschriftliche Notizen und ein Lesegerät aus Glas verhindern auch den elektronischen Bucherfolg nicht Bild: dpa

Er verdrängte Dan Browns „Inferno“ von der Bestsellerliste: Michael Meisheit weiß, was man für den großen E-Book-Erfolg braucht. Kann man das nachmachen?

          Es klingt wie die Tellerwäscherphantasie der Self-Publishing-Ära: „Ich träumte davon, tausend E-Books zu verkaufen. Als ich zehn Tage nach Verkaufsstart Dan Browns ,Inferno‘ von Platz 1 der Kindle-Charts verdrängte und plötzlich die angestrebten tausend E-Books nur an einem Tag verkaufte, haute es mich vom Stuhl.“ Der glückliche Autor, der hier spricht, heißt Michael Meisheit. Aber unter diesem Namen gelang ihm der große Erfolg noch nicht - sondern erst, als er sich das Pseudonym Vanessa Mansini gab. Auf dem Amazon-Profil dieser angeblich 1981 geborenen Autorin ist sogar ein Foto, ein halbes allerdings nur. Am Telefon verrät Meisheit, dahinter verberge sich seine Frau; „das ist kein großes Geheimnis“.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein wohlklingender Frauenname und ein Bild, das sei wohl wichtig für den Erfolg. Und eben ein Buch, das „gezielt ausgerichtet auf den Kindle-Markt“ sei. Das Buch heißt „Nicht von dieser Welt“ und ist ein Liebestagebuch im Stil von „Bridget Jones“, nur dass der Mann der Träume hier ein Außerirdischer ist. Bei traditionellen Verlagen sei er damit auf „eine thematische Bremse“ gestoßen, sagt Meisheit. Mit seiner Do-it-yourself-Strategie hat er inzwischen fast 30 000 Exemplare verkauft und den „Indie-Autor-Preis“ der Leipziger Buchmesse gewonnen, bei dem es neben „zielgruppenaffinem“ Marketing auch auf „inhaltliche Kriterien“ wie „Orthographie, Grammatik, verständlichen Aufbau und Lesefreundlichkeit“ ankommt. Wer jetzt schmunzelt, hat keine Vorstellung davon, was Self-Publishing mitunter bedeutet.

          Eine Mischung aus „Chick Lit“ und Suspense

          Ist es also so einfach? Kann jeder über Nacht Autor werden, wie das große Versprechen der Selbstverlegerei ja lautet? In Meisheits Fall ist es dann doch etwas anders. Denn der Autor kommt nicht aus dem Nichts, sondern hat siebzehn Jahre Erfahrung als Journalist und Drehbuchschreiber, unter anderem für die „Lindenstraße“. Und er hat sich, wie er selbst sagt, professionelle Unterstützung für Korrektorat, Satz, Layout und Titelbild geholt. So ist der selbstgemachte Bucherfolg dann doch von vielen ähnlichen Faktoren abhängig wie der bei traditionellen Verlagen.

          Schrieb früher Drehbücher für die „Lindenstraße“: Michael Meisheit
          Schrieb früher Drehbücher für die „Lindenstraße“: Michael Meisheit : Bild: interTOPICS/Horst Galuschka

          Völlig anders ist eben nur die Preisgestaltung: Die meisten E-Books kosten um drei Euro, die Kaufhürde ist also sehr niedrig, und sobald man eine gewisse Anhängerschaft hat, kann es sehr schnell nach oben gehen. Meisheit konnte auf so eine Basis bauen, weil er seit Jahren ein Blog betreibt und dort auch eine Mailing-Liste eingerichtet hatte. Das erste Mansini-Buch war zunächst auch ein fiktives Blog unter dem Namen der Pseudonym-Autorin. Inzwischen hat Meisheit nachgelegt mit einem weiteren Mansini-Abenteuer, es heißt „Im falschen Film“. Für die Vermarktung hat er sich wieder etwas Neues überlegt: nämlich das Buch in sechs Serienfolgen aufzuteilen, die jeweils nur 89 Cent kosten, dann gab es für 24 Stunden sogar das ganze Werk für den Preis einer Folge und schließlich für 3,99 Euro. Auch davon hat Meisheit bereits 4500 E-Books abgesetzt - eine Zahl, von der zum Beispiel die meisten Lyriker nur träumen können.

          Traditionell verlegte Bücher mit Buchpreisbindung können mit den digitalen Schokoriegelpreisen kaum konkurrieren, auch nicht bei der Autorenbeteiligung. Wer beim einschlägigsten Verkaufsportal sein E-Book für mindestens 2,99 Dollar anbietet (umgerechnet 2,68 Euro), darf siebzig Prozent davon selbst einstreichen. Meisheit spricht von einem Paradigmenwechsel, den er als Kreativer toll finde. Sein Verhältnis zum eigenen literarischen Produkt ist dabei ziemlich entspannt. „Das ist jetzt alles nicht für den Literaturnobelpreis gedacht“, sagt er. Was im Self-Publishing gut funktioniere, seien Genreromane, eher leichte Kost. Bei ihm sei das wohl eine Mischung aus „Chick Lit“ und Suspense. Und vielleicht noch irgendetwas Außerirdisches.

          Quelle: F.A.Z.

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