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Die Frau hinter „Millenium“ : Stieg Larssons biographisches Puzzle

  • -Aktualisiert am

Wettert gegen die „Stieg-Larsson-Industrie”: Die langjährige Lebensgefährtin Eva Gabrielsson Bild: AFP

Leer ausgegangen: Eva Gabrielsson war mehr als dreißig Jahre die Lebensgefährtin von Stieg Larsson, dem Autor der „Millenium“-Trilogie. Nun hat sie ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit veröffentlicht.

          Jetzt ist alles gesagt, auch von Eva, die sich als „des Künstlers Hausfrau“ beschreibt. Sie war die Erbin, die nichts erben durfte. Sie wurde zum Rätsel erklärt, zur maßgeblichen Autorin gar. In dem schmalen Buch „Millennium, Stieg och Jag“ allerdings, mit dem die Architektin Eva Gabrielsson jetzt in Schweden über ihr Leben mit Stieg Larsson berichtet, tritt sie uns allenfalls als Mitfühlende entgegen, als Mitträumende.

          Beiden fehlte Geborgenheit

          Als sich der Journalist Kurdo Baksi unlängst an den „Freund Stieg Larsson“ erinnerte, war sein Buch mehr Selbstdarstellung als Freundesgabe. Jan-Erik Petterssons „politische Biographie“ wob Larsson und die „Millennium-Trilogie“ in Schwedens Literatur- und Nachkriegsgeschichte ein, sachlich und distanziert. Eva Gabrielsson nun legt einen liebevollen Nachruf vor. „Der Stieg der Millennium-Industrie interessiert mich nicht“, sagt sie, erschöpft von der buchhalterischen Kälte, mit der sie nach Larssons plötzlichem Herzinfarkt 2004 mit gerade fünfzig Jahren von Verlag und Familie behandelt wurde.

          Als Eva und Stieg sich 1972 trafen, teilten sie nicht nur politische Ansichten und die Begeisterung für Science-Fiction. Beide waren auch ohne Mütter aufgewachsen und wurden überwiegend von den Großeltern erzogen. Beiden fehlte Geborgenheit. Also klammerten sie sich aneinander, solange es ging. Auch nachdem es in den neunziger Jahren für einige Monate nicht mehr ging. Damals arbeitete Stieg als Infografiker für die Nachrichtenagentur „Tidningarnas Telegrambyran“.

          Eine tragische Geschichte

          Nebenher schrieb er in kleinen Zeitschriften wie „Searchlight“ und „Expo“ gegen das an, was er als alarmierende Rückkehr des Faschismus deutete. Ständig war er überarbeitet. Ständig war er alarmiert. Und ständig wurde er verkannt, zumal bei der Agentur, die ihn als Journalisten kaum akzeptierte. So war das noch, als er im Jahr 2004 ein backsteindickes Manuskript irgendwie veröffentlichen wollte: „Alles, woran er glaubte, ging in Rauch auf.“

          Dann starb er. Ohne zu erleben, dass sich seine Thriller-Reihe innerhalb von fünf Jahren mehr als 45 Millionen Mal verkaufen würde. Eine tragische Geschichte. Und sie funktioniert nur, weil es Eva Gabrielsson gab. Sie nämlich habe ihrem Lebensgefährten den Anstoß zur „Millennium“-Reihe gegeben, während eines Aufenthalts in den Schären im Sommer 2002. „Ich schrieb an meinem Buch über den schwedischen Architekten Per-Olof Hallman, während Stieg herumlief und herumlief. ,Hast du nichts zu schreiben?', fragte ich.“ „Nö“, antwortete er. Und begann, sich nach einem eigenen Projekt umzusehen, und verwendete dabei „alles, was er im Leben erlebt, gelesen oder gehört hatte“, selbst Versatzstücke aus Per-Olof Hallmans Leben als Stadtplaner gingen in die Geschichte ein.

          Bücher als Puzzle des Lebens

          Stieg Larsson schrieb, Eva las Korrektur, auch dann noch, wenn ihr das Manuskript vor Müdigkeit aus der Hand fiel. Das klingt schön romantisch, und trotzdem wird allmählich klar, worauf Eva Gabrielsson in ihren Erinnerungen hinauswill: Dass ihr Buch über Hallman ihr Leben verändern werde, habe Larsson seiner Freundin prophezeit. „Absurderweise aber änderte nicht dieses Buch mein Leben, sondern die Millennium-Reihe.“

          Wäre Eva Gabrielsson, die im Erbstreit leer ausging, die richtige Autorin für eine Fortsetzung? Nicht ohne Hintergedanken erinnert sie daran, dass sich bei Larssons Tod zweihundert Manuskriptseiten im Computer befunden haben sollen. Und sie erinnert daran, dass nicht nur seine Erfahrungen und Erinnerungen in „Millennium“ verarbeitet seien, sondern auch ihre: „Die Bücher sind ein Puzzle unseres Lebens.“

          Quelle: F.A.Z.

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