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Die Bestsellerliste ändert sich : Gebunden ist gebunden

Sie hätte leider draußen bleiben müssen: Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“ ist gleich als Taschenbuch erschienen Bild: dapd

Bald sollen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste keine Broschur-Bücher mehr zu finden sein. Was sich dadurch ändert, zeigt ein Blick auf die Listen des vergangenen Jahrs.

          Die Branchenzeitschrift „Buchreport“ begann das Jahr mit einer überraschenden Nachricht: der Ankündigung, die Kriterien, nach denen sich die Erstellung der „Spiegel“-Bestsellerliste richtet, verändern zu wollen. Von Juli dieses Jahres an sollen auf der wichtigsten Verkaufsliste für Belletristik und Sachbücher, die der „Buchreport“ wöchentlich für den „Spiegel“ ermittelt, nur noch Bücher geführt werden, die klar als Hardcover zu erkennen sind. Für Taschenbücher gibt es eigene Listen. Dort sollen fortan auch jene Titel geführt werden, deren Gestaltung keine eindeutige Zuweisung erlaubt.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Schaut man sich an, welche Bücher im vergangenen Jahr von einer solchen Regelung betroffen gewesen wären, zeigt sich schnell, dass die Verkaufsliste ein vollständig anderes Gesicht gezeigt hätte: Der dänische Krimiautor Jussi Adler-Olsen (dtv premium), dessen Bücher über den Sonderermittler Carl Mørck die „Spiegel“- Bestsellerliste fast das ganze Jahr über angeführt oder doch wenigstens einen ihrer vorderen Plätze besetzt hatten, wäre gar nicht erst auf ihr erschienen. Auch Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“ (Piper) hätte man vergeblich gesucht, ebenso wie Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (Carl’s Books). All diese Titel sind allerdings auch aufgrund ihrer Ausstattung deutlich günstiger als die gebundenen Werke, mit denen sie konkurrieren.

          Äußere Form vor Inhalt

          Thomas Wilking, der Chefredakteur des „Buchreport“, erklärte auf Nachfrage, man habe mit dieser Veränderung auf einen in der Buchbranche verbreiteten Wunsch nach Vereinheitlichung reagiert. Einer Umfrage seines Hauses zufolge hätten sich vor allem die Buchhändler nahezu einstimmig dafür ausgesprochen, künftig nur noch tatsächlich gebundene und keine kartonierten Bücher auf den Hardcover-Verkaufslisten zu führen. Bisher hatte die Redaktion des „Spiegel“ in strittigen Fällen entschieden, ob ein Buch auf der Hardcover- oder der Taschenbuchliste erscheinen sollte.

          Die Frage, wo ein Titel aufgeführt wird, ist deswegen wichtig, weil viele, besonders die großen Buchhandelsketten, die Hardcover-Liste des „Spiegel“ in ihren Regalen sehr genau nachbilden. So finden sich die Bücher in den Läden oft an prominenten Plätzen wieder, etwa in der Nähe der Eingänge, was wiederum Auswirkungen auf die Verkaufszahlen hat. Zudem werden erfolgreiche Titel gern mit dem Aufkleber „,Spiegel’-Bestseller“ versehen. Ganz richtig stellt Wolfgang Balk, der Verleger des Deutschen Taschenbuchverlages, zwar fest: „Bestseller werden nicht durch Listen gemacht.“ Genauso richtig aber ist die alte Weisheit, der zufolge nichts so erfolgreich ist wie der Erfolg, denn natürlich erfahren Bücher eine erhöhte Aufmerksamkeit, sobald sie zu den Bestsellern gehören.

          Balk, der Mitbegründer der Reihe dtv-premium, von der auf der aktuellen Liste vier Bücher vertreten sind, schließt daher nicht aus, dass sein Verlag künftig das ein oder andere Buch als Hardcover herausbringen wird. Doch nicht nur deswegen sieht er die Neuerung kritisch. Ihn stört auch, dass der äußeren Form Vorrang vor dem Inhalt gegeben wird, weil es künftig bei der Zuordnung keine Rolle mehr spiele, ob es sich bei den Büchern um Originaltitel, deutsche Erstausgaben oder Lizenzausgaben handelt. „Man verlangt hier vom Buchmarkt eine Einheitlichkeit, die im Gegensatz zu den großen Veränderungen steht, in denen die Branche gerade steckt.“ Und tatsächlich: Eine Liste der E-Books, die sich am besten verkaufen, hat man beim „Buchreport“ bislang noch nicht erstellt.

          Quelle: F.A.Z.

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