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Deutsches Theater Berlin : Lieben und plappern

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Wohltemperierte, mitunter amüsante Bildfolgen: Maren Eggert und Arnd Klawitter in „Adam und Esra” Bild: dpa

Fast erträglich: Regisseur Frank Abt hat im Deutschen Theater Berlin eine juristisch unverfängliche Fassung von Maxim Billers 2003 verbotenem Roman „Esra“ auf die Bühne gebracht.

          Was haben Joseph Conrads „Herz der Finsternis“, Dietmar Daths „Die Abschaffung der Arten“, Anton Tschechows „Krankenzimmer Nr. 6“ und Tommy Wieringas „Joe Speedboat“ gemeinsam? Im Prinzip nichts, außer dass es vier Romane sind, die in einem gewagten Genrewechsel in dramatisierter Form als Neuinszenierungen in das aktuelle Programm des Deutschen Theaters Berlin geraten sind.

          Diese überraschende Auslese ergänzt nun eine freie, juristisch unverfängliche Fassung von Maxim Billers 2003 verbotenem Roman „Esra“ unter dem Titel „Adam und Esra“. Vielleicht ist dieses Vorhaben noch das sinnvollste der offenbar krisenfesten „Romane-zu-Theaterstücke-Mode“: Da das Buch wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten der als literarische Vorlage dienenden realen Frauen nicht mehr verkauft werden darf, kann es hier zumindest ausschnittsweise und abzüglich der gerichtlich beanstandeten Passagen öffentlich vorgetragen werden.

          Der Regisseur Frank Abt (Jahrgang 1976) bereitet die unglückliche Liaison des jüdischen Schriftstellers Adam mit der Deutschtürkin Esra in der kleinen Box des Deutschen Theaters auf. Die Bühnenbildnerin Katharina Kownatzki hat dafür die flache Spielfläche zu Anfang durch eine Brecht-Gardine geteilt, die das Paar, dessen Geschichte im Rückblick geschildert wird, erst einmal trennt. Später wird der Vorhang entfernt, die beiden können zueinanderkommen.

          Wie wild

          Doch vor allem können sie voreinander weglaufen, wie das recht oft der Fall ist. Sie lieben und verletzen, trennen und versöhnen sich, bekunden allerdings hauptsächlich, dass sie eigentlich gar nicht zueinanderpassen, zu unterschiedlich sind ihre Lebensweisen, Erfahrungen, Erwartungen. Und zu sehr konzentrieren sie sich im tiefsten Herzen auf nichts als sich selbst.

          Ob Adam wie wild herumbrüllt, weil ihn Esra seit Stunden nicht zurückgerufen hat, ob Esra verschweigt, dass ihr Ex-Ehemann mit ihr und der gemeinsamen Tochter in den Sommerurlaub fährt, ob Adam Esras Mutter beschimpft oder Esra alles tut, was ihre Mutter verlangt, ohne sich dabei um Adam zu scheren - nach dem ehrlichen Bedürfnis, sich auf den anderen einzulassen, ohne ihn den eigenen Wunschprojektionen entsprechend zurechtbiegen zu wollen, klingt das nicht.

          Fast erträglich

          Maren Eggert als burschikose Esra lächelt in einem imaginären Spiegel gern sich, nie Adam zu und wirkt in ihrer lässigen Abwesenheit unberührbar. Arnd Klawitter ist als Adam ein verquast eitler Schnösel, dKlage wegen „Esra“ abgewiesener zwar wie ein Buch redet, aber nie weiß, was er eigentlich will. Simone von Zglinicki als Esras resolute Mutter lässt bis in die Fingerspitzen keinen Zweifel daran, dass ihr ein solcher Schmalzdackel von Schwiegersohn nicht willkommen ist.

          Mit Manuskriptseiten in der Hand oder in verspielten Szenen zwischen Esras Arbeitstisch und der durch Schreibmaschine und Kühlschrank angedeuteten Wohnung ihres zeitweiligen Hassliebespartners wird der aus Adams Sicht erzählte Text von allen überwiegend monologisch gesprochen. Frank Abt übersetzt die Gefühle und Plattitüden, die Euphorien und Peinlichkeiten in wohltemperierte, mitunter amüsante Bildfolgen: Die Liebe, zeigt er ganz unaufgeregt, hat eben viele Gesichter. Dank seiner konzentriert-behutsamen Inszenierung wird sogar die larmoyante Nabelschau, als die Maxim Billers Roman auch auf der Bühne erscheint, fast erträglich.

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