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Deutsche Akademie : Wir wären wichtig

Ihrer Bedeutung noch angemessen? Das Glückert-Haus in Darmstadt, Sitz der Deutschen Akademie Bild: Schmitt, Tobias

Die Deutsche Akademie hat soeben eine selbstbeschreibende Denkschrift voller pathetischer Formulierungen an die obersten Verfassungsorgane gerichtet. Warum sagt sie nicht einfach, was sie vorhat?

          Vereine motivieren, anders als Firmen oder Verwaltungen, die Organisationsmitglieder durch ihren Zweck. Was ist der Zweck der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung?

          In der „Denkschrift“, die sie soeben pathetisch „an die obersten Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland“ gerichtet hat, als wäre irgendeine Gefahr nationaler Dimension im Verzug, beschreibt sich die in Darmstadt sitzende Akademie so: Ihre Mitglieder verträten weltweit die deutsche Literatur und Sprache. Der Akademie gehe es „um das Kontinuum sprachlicher schöpferischer Leistungen“, das sich um die Mitte der Literatur herum bilde. Sie halte die Bedeutung der „Sprachkultur“ im Bewusstsein, verschaffe der Literatur als maßgeblichem Ort der Innovation und Reflexion der deutschen Sprache ein Forum.

          Was das alles empirisch heißen soll, ist unklar. Dass sie „allein schon“ durch die Vergabe von großen Preisen einen „erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Sprache genommen“ habe, könnte die Akademie einmal von unabhängigen Sprachwissenschaftlern prüfen lassen. Wie man sich erhebliche Sprachprägung durch Büchner-, Freud- und Merck-Preise vorstellen soll, wäre von Interesse. Paul Celan, Hans Egon Holthusen und Peter Sloterdijk als „Vorbilder für den allgemeinen Sprachgebrauch“?

          Es droht keine Verfassungskrise

          Dass sich die besten Autoren, wie hier geschehen, selbst als „die besten Autoren der Sprachgemeinschaft“ bezeichnen, ist ja verständlich. Und wenn man überhaupt meint, es müsse einen Ort geben, an dem in dieser Frage entschieden wird, dann ist die Akademie natürlich der einzig mögliche. Doch ihre Formulierung, die Akademie habe den Anspruch, „die deutsche Sprache und die deutsche Literatur insgesamt zu vertreten“, sei den Ohren gerade der besten Autoren zum Nochmalnachhören empfohlen. Denn weder sind das Beste und das Repräsentative kongruent, noch dürfte die idiosynkratische Selbstauswahl einer Autorenakademie, die aus ästhetischen Gründen einleuchtet, sich halten lassen, sobald sie sich nationale Sprecherrollen zumutet. Dafür hätte sie dann beispielsweise zu wenige Linguisten und überhaupt Wissenschaftler in ihrem Kreis.

          Es droht keine Verfassungskrise, nicht einmal eine geistige oder sprachliche, wenn einer Akademie Geld fehlt. Eben das aber ist es: Es fehlt ihr Geld. Man kann alles, worum es ihr geht, darum auch weniger geschwollen formulieren. Die Akademie ist unterfinanziert, sie muss bei steigenden Kosten und als wachsend empfundenen Aufgaben seit Jahren mit einem gleichbleibendem Etat auskommen. Ihre Schriftstellertreffen, die Pflege der Kontakte zum Ausland, ihre Editionen - zuletzt die überaus verdienstvolle der Tagebücher des Gelehrten Franz Baermann-Steiner - und ihre Kommissionssitzungen sind nicht umsonst zu haben.

          Wer wir sind

          Das Problem der Akademie allerdings scheint zu sein, dass sie zusätzliche Mittel nur zu erwarten scheint, wenn sie nicht nur ein geselliges Beisammensein ist, sondern obige Sprüche klopft. „Plaudern kann man auch anderswo“, hat man dieses Problem treffend umschrieben, große Preise werden jeden Monat verliehen, abendlandwirtschaftliche Vorträge überall gehalten, und der Akademie wird darum zu Recht die Erklärung abverlangt, was sie denn nun vorhabe. Solange sie nicht Leistungen vorweist, begleitet das Verlangen nach mehr Förderung der Verdacht, der Zweck des Vereins liege in der Bedeutungspflege und Selbstgeselligkeit seiner Mitglieder.

          Die „Denkschrift“ der Akademie ist selbst ein Zeugnis ihres Gefühls unerkannter Bedeutung. Von ihren neunzehn Seiten gelten zwölf, darunter sechs reine Bilderseiten, der Organisationsgeschichte. Kann man sich vorstellen, dass eine Denkschrift der Max-Planck-Gesellschaft, der Staatsrechtslehrer-Vereinigung oder des VDI den höchsten Verfassungsorganen erst einmal erklären müsste, um wen es sich beim Absender handelt? Sie wolle sich „von Deutschland in die Pflicht nehmen lassen“ und dafür Anspruch auf Gehör erheben dürfen, heißt in der Denkschrift der Akademie. Kürzer formuliert: Sie möchte national benötigt werden; es ist aber noch offen, wofür.

          Dass sie benötigt wird, dies zu demonstrieren, müsste der Akademie allerdings auch von Darmstadt aus gelingen können. Wenn die besten Autoren, die in Berlin, Köln und Frankfurt wohnen, die Stadt jetzt für nicht mehr repräsentativ genug halten und als IC-Bahnhof empfinden, bestärkt das nur die Vermutung, das Pferd werde vom Schwanz aufgezäumt. Ihre nationale Bedeutung können sie uns erst in einem neuen Gebäude zeigen? Besser wäre es, sie wiesen etwas vor, und man verhandelte dann. Die „Verantwortung für die Entwicklung der deutsche Sprache“ jedenfalls, von der die Akademie schreibt, sie dürfe aus ihr nicht mehr entlassen werden - herrlich, wenn Schriftsteller wie die Bundespräsidenten reden, denen sie gern unterstellt sein wollen -, lässt sich überall tragen. Auch in der Provinz, deren Lob man wie das der Tradition und des Dezentralen von den entsprechenden Schriftstellern ja sonst auch verlässlich geliefert bekommt.

          Quelle: F.A.Z.

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