Home
http://www.faz.net/-gr0-74wbk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

„Der Goldene Pick“ 2012 Andreas Schulze gewinnt mit „Herr Ostertag macht Geräusche“

Ein forderndes Buch und gerade dadurch eine faszinierende Lektüre: Für sein Manuskript „Herr Ostertag macht Geräusche“ erhält der vierzigjährige Dresdner Andreas Schulze den zum dritten Mal ausgeschriebenen „Goldenen Pick“.

© privat Andreas Schulze

In zehn Sekunden kann man etwa sieben Schritte gehen oder zwei- bis dreimal ein- und ausatmen. Man kann, wenn es denn schnell gehen muss, eine Buchseite querlesen, eine Verabredung treffen, eine Frage beantworten oder mit dem Skateboard ein paar Meter fahren. Nur eines kann man normalerweise nicht, egal, wie viel Zeit man hat: eine dieser Aktionen zurücknehmen.

Tilman Spreckelsen Folgen:

Der fünfzehnjährige Julian aber, der über enzyklopädische Kenntnisse verfügt und niemals mit dem Skateboard irgendwo anstößt, der sich bei keinem Sturz verletzt, weil er gar nicht erst stürzt, vermag all dies, eben weil er knapp zehn Sekunden in die Vergangenheit reisen kann. So hat er für alles einen zweiten, dritten oder vierten Versuch. Was immer er unternimmt, gelingt ihm. „Du musst wohl ein Glückskind sein“, sagt der alte Preben Kaas bei ihrer ersten Begegnung zu Julian. Und weiß bereits jetzt, dass Julians Gabe eine zweischneidige Angelegenheit ist, dass man den Jungen also auch als Pechvogel sehen kann. Schließlich möchten auch andere liebend gern die Vergangenheit korrigieren. Die Jagd auf Julian hat gerade erst begonnen.

Eigentlich ein Weihnachtsgeschenk

So schildert es der vierzigjährige Dresdner Andreas Schulze in seinem Roman „Herr Ostertag macht Geräusche“. Im Wettbewerb „Der Goldene Pick“, den der Verlag Chicken House Deutschland nun zum dritten Mal gemeinsam mit der Frankfurter Allgmeinen Zeitung durchgeführt hat, wurde ihm dafür unter mehr als hundert eingereichten Manuskripten der erste Platz zuerkannt; vergeben wird der Preis auf der kommenden Buchmesse in Leipzig.

Mehr zum Thema

Unter den Texten, die zur Auswahl standen, überzeugte „Herr Ostertag macht Geräusche“ die fünfköpfige Jury, der unter anderen der Autor Andreas Steinhöfel angehörte, durch seinen raffinierten Aufbau, die souveräne Sprache und nicht zuletzt die originelle Idee. Hinzu kommt, dass Julians Zeitreisen eben nicht aus der Innenperspektive des Jungen geschildert werden, sondern dass mit Preben Kaas ein distanzierter Erzähler etabliert wird, der durchaus enigmatisch durch den Text führt und damit den Leser dazu auffordert, sich ein eigenes Bild der Handlung zu machen - manchmal sogar am Erzähler vorbei. So ist „Herr Ostertag macht Geräusche“ in seiner Struktur ein forderndes Buch und gerade dadurch eine faszinierende Lektüre für junge Leser ab etwa vierzehn Jahren.

Eigentlich, sagt Andreas Schulze, sei das Manuskript als eine Art Weihnachtsgeschenk für Freunde entstanden, kopiert und verbreitet in hundert Exemplaren. Dann reichte er den Text beim „Goldenen Pick“ ein. Im Herbst 2013 wird das Buch bei Chicken House Deutschland erscheinen.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Marketing Was unterscheidet Werbung und Kunst?

Die Firma Red Bull will vor allem Energydrinks verkaufen, hat aber verstanden, dass das noch besser funktioniert, wenn sie Bücher verlegt und Platten herausbringt. Mehr Von ANDREAS BERNARD

01.08.2015, 19:24 Uhr | Feuilleton
Mobilität Keine Zukunft für Elektroautos?

Elektroautos sind bisher kaum nachgefragt worden. Eigentlich hatten Politik und Automobilindustrie verabredet, dass in diesem Jahr bereits 100.000 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen. Doch die Realität sieht anders aus. Mehr

10.04.2015, 13:59 Uhr | Wirtschaft
Videokritik Taxi Teheran Die komische Hölle eines Lebens im Arrest

Jafer Panahis Taxi Teheran entstand unter schwierigsten Bedingungen. Der iranische Regisseur und Berlinale-Sieger steht in Iran unter Hausarrest. Der Film ist ein Spiegel seiner absurden Lage. Mehr Von Andreas Kilb

22.07.2015, 12:17 Uhr | Feuilleton
Initiative Cuban Skate Skateboard-Diplomatie auf Kuba

Skateboards gibt es in Kuba in keinem Laden zu kaufen, denn der Sport ist noch sehr neu. Das muss sich ändern, meint die amerikanische Initiative Cuban Skate und bringt Skateboards auf die Insel. Mehr

13.03.2015, 14:39 Uhr | Gesellschaft
Kino: Gefühlt Mitte Zwanzig Der Virtuose des Krisenkinos strauchelt

Bisher beantworteten Filme von Noah Baumbach immer die Frage, wohin sich das amerikanischen Independentkino als Ganzes bewegt. Gefühlt Mitte zwanzig, des Regisseurs jüngster Streich, tritt nunmehr unentschieden auf der Stelle. Mehr Von Andreas Kilb

30.07.2015, 19:07 Uhr | Feuilleton

Veröffentlicht: 07.12.2012, 15:50 Uhr