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Cornelia Funke im Interview : Beim Schreiben bin ich gerne Diktatorin

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„Der Herr der Diebe” war das schwerste Buch, das Cornelia Funke geschrieben hat Bild: picture-alliance/ dpa

Cornelia Funke hat mit dem von Fans lang ersehntem Buch „Tintentod“ ihre „Tintenwelt“-Trilogie abgeschlossen. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht die Erfolgsautorin über das Dichten in zwei Sprachen und die Parallelwelt Kalifornien.

          Cornelia Funke hat mit dem von Fans langersehntem Buch „Tintentod“ die „Tintenwelt“-Trilogie abgeschlossen. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht die Erfolgsautorin über das Dichten in zwei Sprachen und die Parallelwelt Kalifornien.

          Frau Funke, Ihr „Tintentod“ ist gerade erschienen, jetzt haben Sie ein Gespensterbuch angekündigt, eine Fortsetzung des „Drachenreiter“ und anderes mehr. Arbeiten Sie immer an so vielen Büchern gleichzeitig?

          Das habe ich erst hier in Los Angeles gelernt. Ich habe im vergangenen Jahr mit dem Filmproduzenten Lionel Wigram in englischer Sprache an einem Drehbuch gearbeitet, das auf E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“ basiert, und nachmittags dann auf Deutsch an „Tintentod“, ohne dass sich das negativ beinflusst hätte. Es ist sogar sehr erfrischend, wenn man an zwei so unterschiedlichen Geschichten in unterschiedlichen Sprachen arbeiten kann.

          Auch in der „Tintenwelt“-Trilogie besetzen Sie Rollen gern doppelt: Es gibt jeweils einen Meister und einen Stümper. Das betrifft die Dichter Fenoglio und Orpheus oder die Feuer-Artisten Staubfinger und Rußvogel, die Vorleser Mo und Darius, genannt „Zauberzunge“ und „Stolperzunge“.

          Aber Darius sehe ich überhaupt nicht als Stümper! Er ist einfach derjenige, dem man die meiste Angst machen kann. Es ist immer reizvoll, mit einem Thema auf die eine oder andere Weise zu spielen - einen Meister zu zeigen und einen anderen, der das nicht erreicht. Wobei die drei genannten Paare das auf unterschiedliche Weise verkörpern: Darius steht Mo eigentlich nicht nach, er hat nur viel mehr Angst. Auch Rußvogel hat Angst vor dem Feuer, mit dem er spielt, und das hindert einen immer daran, besser zu werden. Orpheus aber ist einfach zu eigensüchtig und deshalb nicht gut in dem, was er tut.

          Alle drei sind Künstler. Wie weit kommt man da, wenn man ängstlich ist?

          Es gibt in jedem Schaffen den Punkt, an dem man über die Klippe springt und feststellt, man fliegt - oder, dass es mit dem Fliegen eben doch nicht klappt. Ich habe beim Schreiben mehrere Punkte gehabt, an denen ich mich entscheiden musste: Mache ich weiter mit dem, was ich derzeit beherrsche, oder versuche ich etwas anderes?

          Sind Sie dabei auch schon einmal abgestürzt, künstlerisch gesprochen?

          Bislang noch nicht. Der „Herr der Diebe“ war das schwerste Buch, das ich bislang geschrieben habe. Die ersten hundert Seiten habe ich erst mal weggeworfen. Aber das Buch hat mir sehr viel Zuversicht gegeben, immer wieder etwas Neues zu versuchen. Mein nächster Schritt ist jetzt, auf Englisch zu schreiben, und das ist das größte Risiko bisher. Ich hoffe aber, dass mich auch das weiterbringt - für mein deutsches wie für mein englisches Schreiben.

          Und welche Risiken gab es zuvor?

          Bei „Drachenreiter“ habe ich mich auf ein wesentlich längeres und komplexeres Schreiben eingelassen, als ich mir bis dahin zugetraut hatte. Das war auch ein finanzielles Risiko, weil ich ein Jahr an einem Buch schrieb, und gleichzeitig meine Familie ernährt sein wollte. Und beim „Herrn der Diebe“ habe ich mich oft gefragt, ob die Kinder das lesen wollen, ob irgendjemand das lesen will, ob ich da etwas riskiere, was meine Familie finanziell ruiniert - ich hatte schlaflose Nächte.

          Sie waren damals Alleinverdienerin?

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