15.05.2012 · Im Naturzustand hatte man noch etwas füreinander übrig, dann kamen Geld, Gewalt und Sklaverei: In seinem von der Occupy-Bewegung gefeierten Werk „Schulden“ erzählt David Graeber die Geschichte vom bösen Kapitalismus.
Von Werner PlumpeRichtlinien für Lesermeinungen
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"Was kommt ist nicht klar"? Doch ist es: Mehr (Schuld)-Geld! Bis zum bitteren Ende!
Warum soll man auch auf ein so wirksames Versklavungsinstrument
verzichten? Effektiver als mit Geld lassen sich die Massen nicht in die
frei gewählte Sklaverei treiben!
Das Grundproblem: Alles Geld = Kredit = Schulden! A priori! Die
Schuld(en) entsteht mit der Entgegennahme der von der Zentralbank
(echtes Geld = offizielles Zahlungsmittel) und den Geschäftsbanken
(Giralgeld = Buchgeld = fiktives Geld) herausgegebenen
Schuldscheinen/Kredite! Je mehr Geld in Umlauf kommt, desto mehr
Schuldscheine, desto mehr Schulden, desto mehr Sklaven! Die
Protagonisten sitzen von Anfang an in der Schuldenfalle und sind wegen
der Rückzahlungsverpflichtung nebst Zins und Zinseszins willig ihr
eigenes Grab zu schaufeln: Für die Auslösung ihrer
Schuldscheine sind sie bereit die begrenzten Rohstoffe immer schneller
auszubeuten und durch das Verbrennen der Energieressourcen ihre
Lebensbedingungen immer schneller nachhaltig zu zerstören.
Nur "schuldfreies" Geld macht frei! Geld muss schuldfrei werden!
Noch im November letzten Jahres schrieb der Herausgeber(!) der FAZ zum Buch:
"Dies ist ein herrliches und hilfreiches Buch." und
bezeichnete es als "Befreiung".
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/eurokrise-und-vergib-uns-unsere-schulden-11527296.html
Kaum erscheint es in der deutschen Sprache, schon kommt ein
Quasi-Verriss daher...Heute hü, morgen hott? Im Nov11 war Occupy
für die FAZ noch hip & trendy - ein halbes Jahr später
schon wieder out & nervig...also ebenso die Theorien? o_0
Am 13. November vergangenen Jahres las ich hier in FAZ-Net einen Artikel
von Frank Schirrmacher mit dem Titel "Vergib uns unsere
Schuld" zu demselben Buch von David Graeber. Ich hatte es hierauf
im englischen Original gekauft. Und tatsächlich war ich nach Lesen
des Buches derselben Meinung wie Herr Schirrmacher, dass es sich um ein
"großes Werk" handle.
Es geht in diesem Buch eben nicht um eine Kapitalismuskritik. Die
Verbindung von Geld und Schuld ist sehr viel älter als der
Kapitalismus. Die Verbindung von Schuld und Gewalt, von Geld und Krieg
seit historischen Zeiten der Staatenbildung belegt und keine
anarchistische Theorie.
Es ist ein Buch, welches diejenigen, die nicht sogleich in Abwerhaltung
gehen, zum Denken anregt.
Vorbei, vorbei...endlich vorbei
"jetzt ist er endlich vorbei" singt Peter Licht in seinem Lied
vom Ende des Kapitalismus und zeigt damit dann auch sehr schön wie
brutal das "aufwachen" wäre, wenn es wirklich so
passieren würde.
Niemand von Occupy hätte noch die Zeit in Frankfurt zu campieren,
wenn es keinen Kapitalismus mehr gäbe. Man wäre wohl zu sehr
damit beschäftigt das tägliche Überleben zu organisieren.
Aber trotzdem hat Occupy natürlich in vielem Recht, denn der
Kapitalismus bedroht sich grade SELBER !
Wir brauchen aber den Kapitalismus und dürfen deshalb nicht
zulassen, daß ihn kurzfristig denkende Bankmanager zu Grunde richten.
Blöde Mischung aus empiriefremde Idealismus und Proudhonismus
Klar, vor der Erfindung des Geldes haben sich die Stämme nicht
gegenseitig bekriegt. Und klar im Mittelalter herrschte der Frieden. Und
klar im Mittelalter haben die Araber keinen heiligen Krieg gefürt
und sie sind nicht bis zum Frankreich gelangt und klar. Und die
Leibeinigen waren es auch natürlich freiwillig. Es ist auch so,
dass die Spanier und später ihre englische Bezwinger waren einfach
so erfolgreich weil sie so grausam waren. ----
Selten so einen Schwafel gelesen. Konkret zu Spanien, England oder jeder
dominanten Macht der Vergangenheit: ihre Macht berühte in der Regel
nicht auf Brutalität (die Gegner waren genau so brutal), sondern
darauf, dass zu bestimmten Zeitpunkten klüger und stärker
waren und besser geführt wurden. Dazu kommen die natürlichen
Prozessen der Dekadenz, wenn der Erfolg zu groß ist und zu lange
dauert. Der Zufall spielt auch eine Rolle. Z.B. wir wissen alle, dass
naturereignisse den Untergang von bestimmten Großmachten
eingeleitet haben -siehe Chaostheorie-.
Die Folgen der Zinsherrschaft werden wir in den nächsten Jahren zu spüren bekommen. Außerdem ist es zu spät der Überfall ist schon passiert. Es wurden schon Billionen von Dollar/Euro geraubt und in wahre Werte investiert. Oder glaubt jemand das die Diebe auf Bergen von Geld sitzen und warten bis es entwertet wird? Die wahren Werte sind Edelmetalle,Agrarland,Patente,Firmenbeteiligungen,Medien,selten Kunst,Rohstoffe,Politiker(lol) usw.
Wenn es nach Graeber gehen würde, dann würden wir schon längst mit mit Ochsenkarren mit Holzrädern durch die Gegend fahren. Viereckige Räder natürlich.
David Graeber schwimmt mit dem Zeitgeist und auch der ist nicht neu,
sondern wandelt sich nur zyklisch.
Nebenbei bemerkt, warum reden wir alle von einer Finanzkrise? Wir haben
eine Krise der europäischen Währungsunion, sprich ein
fehlerhaftes Konstrukt offenbart seine immanenten Mängel. Das
Finanzsystem steckt in keiner Krise. Im Gegenteil die Allokation des
Kapitals funktioniert weiterhin.
Werne Plumpe bringt es auf den Punkt:
"Dass Ökonomie immer auch Problemlösung ist, dass
Menschen die ökonomischen Verhältnisse nach diesem
Gesichtspunkt beurteilen, davon mag Graeber nicht reden. Denn dann
müsste er zugestehen, dass die Geldverwendung eben auch Vorteile
besaß, dass sie Arbeitsteilung und Handel wahrscheinlicher machte,
dass gerade der liberale Kapitalismus die größte
Wohlstandsvermehrung der Weltgeschichte ausgelöst hat."
Blauäugig
Ja mann kann alles im Leben von 2 verschiedenen Seiten betrachten. Die
Darlehen für Griechenland wurden mit einen Zinssatz von mindesten
6% gegeben. Nach ein paar Monaten haben die Europäischen Banken
Kredite von der EZB unter 1% erhalten. Natürlich ist es gerecht und
wir alle helfen unserem Partnerland Griechenland indem wir alle Zinsen
von der Hilfe schlagen. Wir alle ( untere Schicht der Menschheit die
Lohnsteuer zahlt, arbeiten uns tot, um dieses Zinseszins system aufrecht
zu erhalten. Oder wo kommen diese Mehrwerte auf einmal her?
Sogar die Tiere helfen untereinander ohne Zinsen zu verlangen. Nur wir
nicht, wir intelligente Spezies.
Dass heute sieben Milliarden Menschen leben können, verdankt sich
auch den großen Produktivitätssteigerungen der letzten
zweihundertfünfzig Jahre - und die wären ohne eine
entsprechende Organisation von Arbeitsteilung und Markt, von Handel,
Geld- und Kreditwirtschaft kaum möglich gewesen.
----
Für mich ist das eher die Freiheit, die dem Einzelnen zugestanden
wurde. Dessen geringere Unterdrückung durch Mächtigere.
Denn erst kam die Freiheit des Individuums, dann suchte sich dieses die
Arbeit, die es am Besten verrichten kann und es kam zu Arbeitsteilung.
Was ich bei gesellschaftlichen Betrachtungen nicht verstehe: Wir haben
das Meter aus physikalischen Gegebenheiten abgeleitet.
Warum versuchen wir das nicht auch bei der Gesellschaft?
Also warum 50 oder 500 oder 5000 oder 50000 Jahre zurückgehen um
daraus Rückschlüsse zu ziehen?
Gehen wir an den Punkt wo die Sonne war und das Leben noch nicht. Das
war Physik.
Ein ständiges geben von Energie.
Gut und Böse beantwortet?
Wenn materielle Werte heute auch all zu stark....
...in einigen Bereichen betont und gelebt werden - wie z.B. im familiären Bereich und in der Frau/Mannbeziehung - so sind die Thesen Graebers nicht nur naiv, sonderen auch gefährlich. Pol Pot hat mit dem Versuch der Wiederherstelling eines Urzustandes materieller Gleichheit und dem Versuch Indivdualität und ihre Grundlagen (Bildung und der Wille dazu) zu zerstören (sog. Steinzeitkommunismus) unermessliches Leid über Menschen gebracht. Und zudem sollte sich Graeber fragen, welcher Mensch mit der Praxis begonnen hat, ein Stück Ackerland abzuteilen, damit die anderen nicht immer über seine Beete laufen oder alles wegfressen bevor es richtig reif war - und warum das dann andere (damals ohne Not) nachgemachrt haben? Eigentum und seine Tauschmittel bedeutete immer, Eigenverantwortung zu übernehmen, sein eigenes Glück zu suchen, statt zu hoffen, dass dies der andere (ob nun der Staat oder der Gegenüber beim Tauschhandel oder im öffentlichen Raum) für einen selbst übernimmt.
Auf diesen Unsinn eine Antwort: Ayn Rand.
Da kann man noch so ein linker, gefühlsbeduselter
Realitätsverweigerer sein, aber wenn man diese albernen,
unbelegten, konfusen Thesen von Graeber liest, und dann daneben die
glasklaren, rationalen Worte Ayn Rands, dann sollte eigentlich jedem
klar denkenen Menschen auffallen, was für ein Unsinn Graeber von
sich gibt.
Und es ist sehr schade, dass wir leider nie diese ach so tollen
Kapitalismuskritiken ausprobieren können werden, wie sie die Welt
veränderten und die Gesellschaft beeinflussten: denn das würde
höchstwahrscheinlich in Mord und Anarchie enden. Aber das hat die
linken Träumer und totalitären Revoluzzer ja noch nie abgehalten.
Randnotiz: die indianischen Völker Nordamerikas lebten die
Traumvorstellung vieler Kapitalismuskritiker. Und was haben die gemacht?
Sich pausenlos gegenseitig umgebracht. Ja, vielen Dank auch. Da
müssen wir wieder hin.
@Steve Lutzmann
"Die kapitalistische Gesellschaft hat kein Interesse an Krieg."
Sie meinen tatsächlich, das Interesse an Geld, Absatzmärkten
und Rohstoffen spielte in den Kriegen der letzten ca. 200 Jahre keine
Rolle? Da mag man noch so ein großer Anhänger der
marktwirtschaftlichen Idee sein, so große ideologische
Scheuklappen kann man doch wohl nicht wirklich aufhaben!?
@Ralf Becker
"Randnotiz: die indianischen Völker Nordamerikas lebten die
Traumvorstellung vieler Kapitalismuskritiker. Und was haben die gemacht?
Sich pausenlos gegenseitig umgebracht. Ja, vielen Dank auch. Da
müssen wir wieder hin."
Und seit der Kapitalismus seinen Siegeszug auf diesem Planeten
angetreten hat, sind Kriege bekanntlich ausgestorben. Für wahr
glasklar und rational beobachtet!" ;-)