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„Das Parfum“ : Bitte keinen Vorschuß!

  • -Aktualisiert am

Der Weltbestseller in russischer Sprache... Bild: Der Kurier der Zarin

Ziemlich spannend, ziemlich unheimlich und ziemlich eklig: „Das Parfum“, dessen Verfilmung nun in die Kinos kommt, ist ein Welterfolg, der am meisten wohl seinen Autor Patrick Süskind überrascht hat. Die Geschichte eines Bestsellers.

          Die Geschichte des größten deutschen Bucherfolgs der Nachkriegszeit beginnt mit einer Geste der Bescheidenheit. Als der Diogenes-Verleger Daniel Keel das Drama „Der Kontrabaß“ liest, ist er davon so angetan, daß er das Ein-Mann-Stück von Patrick Süskind sogleich als Buch herausbringen will. Als man dem jungen, noch unbekannten Münchner Schriftsteller aus Zürich einen Vorschuß anbietet, winkt dieser jedoch ab: „Einen Vorschuß will ich nicht. Ich mag schon das Wort ,Vorschuß' nicht. Vorschüsse sind Zahlungen für erst zu erbringende Leistungen. Ich erbringe aber keine Leistung. Auch für Auftragsarbeiten könnte man zur Not Vorschüsse nehmen, die dann freundlicherweise 1. Rate oder Anzahlung oder à conto heißen. Man kann auch Vorschuß nehmen, wenn man Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Verlegers hat oder seinen Konkurs vorausahnt. Oder dann, wenn man das Geld einfach dringend braucht. Gott sei Dank ist das alles bei unserem Projekt nicht der Fall, und deshalb möchte ich bitte keinen Vorschuß!“

          Auch Daniel Keels Vermutung, der begabte Autor habe ja vielleicht noch andere Dinge in der Schublade liegen, quittiert Süskind mit Zurückhaltung und Lakonik: „Zwar sind da einige Texte - übrigens nicht in der Schublade, sondern aufrecht stehend in Ordnern in einem Regal! -, aber wenn sie nicht veröffentlicht sind, so könnte das womöglich auch mit ihrer Qualität zusammenhängen.“

          Sehr gut zum Verschenken geeignet

          „Der Kontrabaß“ erscheint im März 1984; im Mai schreibt der Autor seinem Verleger einen äußerst höflichen, ordentlich mit der Schreibmaschine getippten Brief und bedankt sich: „Ich finde das Büchlein sehr schön, sehr vornehm und sehr gut zum Verschenken geeignet. Hoffentlich finden das andere Leute auch.“ Fast beiläufig erwähnt er, daß er soeben die Arbeit an einem Manuskript abgeschlossen hat: „Es ist die Geschichte eines Parfumeurs, heißt ,Das Parfum', spielt im Frankreich des mittleren 18. Jahrhunderts und hat 280 Seiten.“ Anstatt zu beichten, daß das besagte Manuskript zuvor bereits von zahlreichen namhaften Verlagen abgelehnt worden ist, fährt Süskind leichthin fort: „Ob es ein Roman ist, weiß ich nicht, es ist wohl eher eine Geschichte, aber das Etikett spielt ja auch keine Rolle. Es ist ziemlich spannend, ziemlich unheimlich und ziemlich eklig. Falls Sie es trotzdem lesen wollen, falls Sie überhaupt Zeit haben, eine so lange Geschichte zu lesen, geben Sie mir Bescheid oder lassen Sie mir von einer Ihrer zahlreichen Damen Bescheid geben.“

          ...auf französisch...

          Wer dann letztlich Süskind Bescheid gegeben hat, ist nicht überliefert; das Manuskript muß seinen Weg jedenfalls nach Zürich gefunden haben, denn die Diogenes-Verlagschronik notiert statt dessen eine Erinnerung von Keels Kompagnon Rudolf C. Bettschart: „Daniel Keel hat es gelesen, kam am nächsten Morgen in mein Büro, haute mir das Manuskript auf den Kopf mit den Worten: ,Ruedi, jetzt haben wir einen Welt-Bestseller.'“ Süskind derweil denkt an eine Erstauflage von handelsüblichen fünftausend Exemplaren.

          Erstauflage fünfzigtausend

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