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Daniel Glattauer : Der Mann mit dem großen Herz

Sie sehen einen freundlichen, entspannt wirkenden Mann... Bild: Heribert Corn

Endlich gibt es den Fortsetzungsroman zu „Gut gegen Nordwind“: Daniel Glattauer hat es geschafft, die Liebe in E-Mails so herbeizuschreiben, dass schmachtende Leser Flirt-Tips fordern. Doch ist er auch in Wirklichkeit so, wie er mailt?

          Eines Tages hatte er diesen Fremden am Telefon, der ihn um Hilfe bat. Er sei verzweifelt, habe nächtelang kein Auge zugetan - und nur er, Daniel Glattauer persönlich, könne ihn retten. Der Mann bat, Glattauer möge seiner Freundin schreiben, "seiner Emmi", damit sie ihm verzeihe. Glattauer wiegelte ab. Er saß wie gewöhnlich bei der Arbeit in der Redaktion der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" und befand, Beziehungsfeuerwehr sei eigentlich nicht sein Job.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber er erinnerte sich an die Frau, um die es ging, eine Leserin aus Hamburg, die ihm von "ihrem Leo" berichtet hatte, in den sie sich per E-Mail verliebt hatte wie die Emmi in Glattauers Buch und mit dem sie jetzt tatsächlich zusammen sei. Und weil Daniel Glattauer ein freundlicher Mensch ist, informierte er die Betreffende über die Entschuldigung ihres Freundes. Kurz darauf kam die Antwort: Dieses Schwein von Mann verführe regelmäßig Frauen im Netz und habe sie betrogen.

          Ist er so, wie er mailt?

          Dies ist eine Geschichte über das Mailen, das Lieben, das Schreiben darüber und die schwierige Frage, wie das alles mit der Wirklichkeit zusammenhängt. Die Hauptfigur dieser Geschichte heißt Daniel Glattauer, ist 48 Jahre alt und hat im Herbst 2006 mit "Gut gegen Nordwind" einen E-Mail-Liebesroman vorgelegt, der zunächst von Buchhändlerinnen an Kundinnen und weiter an Freundinnen empfohlen wurde und dann von der Kritik bestaunt wurde. Die Fortsetzung "Alle sieben Wellen" (Deuticke, 17,90 Euro) hat jetzt gleich mit Erscheinen den Sprung in die Bestsellerlisten geschafft.

          ...im Wesen eher studentisch. Schreibt Glattauer über sich selbst. Voilà!

          Es geht wieder um diesen Mann und diese Frau Mitte Dreißig, die sich über rund 220 Seiten E-Mails schreiben, mehr nicht, jedenfalls nicht viel. Aber Glattauer gelingt ein Rausch, der an Intensität seinesgleichen sucht, und selbst wenn einem das selbstbezügliche Sehnen und Doch-nicht-zueinander-Finden bisweilen auf die Nerven geht, ertappt man sich mitunter dabei, wie die Augen vorschnell zum Ende der Seite rutschen, weil man wissen will, wie es weitergeht mit Emmi und mit Leo. Schon der Rhythmus aus kurzen und längeren Notizen, aus raschen Repliken und Schreibpausen wirkt wie ein Strudel. Und dann: so unendlich viel Gefühl. Wegen der Flut an ergriffenen Zuschriften von Lesern, die hauptsächlich Leserinnen sind, will Glattauer die E-Mail-Adresse in den nächsten Wochen von seiner Homepage nehmen. Wer ist dieser Mann, der sich das alles ausgedacht hat? Schreibt der Autor privat so charmant und gewitzt wie seine Figuren? Und ist er in Wirklichkeit so, wie er mailt?

          Betreff: Porträt

          Sehr geehrter Herr Glattauer, ich freue mich auf unser Treffen nächsten Mittwoch in Wien. Wie wäre 13 Uhr? Beste Grüße noch unbekannterweise: Julia Schaaf

          Zehn Sekunden später

          Out of Office AutoReply: In den nächsten Wochen bin ich viel unterwegs und werde meine Post leider vernachlässigen müssen. Alles Liebe Daniel Glattauer

          Zweieinhalb Stunden später

          AW: Porträt

          Liebe Julia Schaaf, ich freue mich auch! Café Eiles? Alles Liebe Daniel Glattauer

          Ein Tag später

          AW: Porträt

          Lieber Herr Glattauer, was die Kaffeehäuser angeht, verlasse ich mich auf Ihre Wahl. Ich finde bestimmt hin. Und wie finde ich dann Sie? Herzlich: Julia Schaaf

          Ein Tag später

          Betreff: Nachtrag

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