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Crowdfunding in Verlagen : Gebt uns euer Geld!

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Auf Crowdfunding-Plattformen ermöglichen Fans die Umsetzung von Projekten, darunter immer wieder auch Bücher. Bild: dapd

Filme und Musik werden häufig damit finanziert, im Verlagswesen ist es noch wenig verbreitet: Crowdfunding. Mit Carlsen wagt sich nun ein großer Verlag an die Schwarmfinanzierung – und das in Serie.

          Dass Verlegen vom Vorlegen kommt, wird oft zitiert. Doch das Vorlegen hat seine Grenzen, vor allem, wenn die Zielgruppen klein sind. Aufwendige Liebhaberbücher können nicht finanziert werden, und neugegründete Unternehmen tun sich schwer, Kapital aufzubringen. Einige Verlage probieren es daher mit einem Konzept, das sich bei der Förderung von Film oder Musik bewährt hat: Crowdfunding. Dabei sind es dann nicht mehr die Verlage, die vorlegen, sondern die Leser, die ein Buch haben möchten. Nur wenn die benötigte Summe zusammenkommt, wird das Projekt realisiert. Die Vorteile des Modells werden immer wieder beschworen: Es werde nur produziert, was die Kunden wollten, der Verlag habe Planungssicherheit. Ebenso oft aber warnen selbst die Durchführer erfolgreicher Kampagnen davor, den zeitlichen und personellen Aufwand für die Organisation und Kommunikation zu unterschätzen. Deshalb bleiben Crowdfunding-Kampagnen oft einmalige Vorgänge.

          Der 2013 gegründete Kladdebuch-Verlag ist der erste reine „Crowdpublisher“ im deutschsprachigen Raum. Auf seiner Internetseite listet er elf abgeschlossene Buchprojekte auf, sechs davon waren erfolgreich. Die Kunden ersetzen einen Teil des Eingangslektorats: Sie wählen kraft ihrer Zahlungsbereitschaft aus den vom Verlag vorgestellten Titeln. Dass der damit eine seiner wichtigsten Aufgaben, die Zusammenstellung des Programms, aus der Hand gibt, mag gerade für kleine Unternehmen weniger schwer wiegen als der finanzielle Schaden einer Fehlentscheidung.

          Das ganze Programm oder Einzeltitel

          Eine andere Variante ist, nicht einzelne Titel, sondern ein Verlagsprogramm zu finanzieren. Nikola Richter ist das mit ihrem Digitalverlag Mikrotext gelungen. „Die Gefahr ist“, sagt sie, „dass bei einzelnen Buchprojekten das eher Leise untergeht. Daher finde ich die Gesamtsubskription fairer und für den Leser überraschender.“ Die meisten ihrer rund zweihundert Unterstützer kauften ein Abonnement und bekamen dann zwei bis drei E-Books pro Monat zugeschickt. Da die Titel bei Mikrotext sich mit tagesaktuellen Themen befassen, war während der Finanzierungsphase nicht bekannt, was veröffentlicht werden würde. Es ging manchen Käufern wohl eher darum, E-Books jenseits des Genre-Mainstreams zu unterstützen. „Man kommuniziert ein bis zwei Monate lang sein Thema. Auch wenn eine Kampagne also finanziell nicht erfolgreich sein sollte, ist sie immer kommunikativ ein Erfolg“, sagt Richter. 2016 will sie wieder ein Abonnement anbieten.

          Auch der Carlsen Verlag will Crowdfunding nun in seinen Geschäftsalltag eingliedern. Das neue Label „Graphicatessen“ entwirft besonders ausgestattete Comic-Sonderausgaben und graphische Produkte und stellt sie auf Startnext, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform, vor. Auf dem Projektblog „Crowd & Rueben“ ist ein Team von zehn Verlagsmitarbeitern aufgelistet.

          Eigene Dynamik und offengelegte Kosten

          Zwar gibt es Crowdfunding-Seiten für Bücher, wie 100Fans der Münchner Verlagsgruppe oder Publush, aber keine nur für Comics. Voriges Jahr waren Comics auf Kickstarter, der größten Seite in Amerika, die vierterfolgreichste Kategorie, mit einer Realisierungsquote von fünfzig Prozent. Auf der deutschen Plattform Startnext tauchten Comics im selben Jahr unter den zehn erfolgreichsten Kategorien gar nicht auf. Es gebe in dieser Sparte wenig Projekte, sie sei noch eine Nische, so Anna Theil von Startnext. Allerdings sei die Erfolgsquote mit 65 Prozent sehr hoch. Die vom Cartoon-Duo Huck & Bauer ausgerichtete Marathon-Lesung „24 Stunden Cartoon“, die unlängst in Berlin stattfand, zählt zu den erfolgreich schwarmfinanzierten Comic-Projekten in Deutschland. Und das, obwohl eine Woche vor Ablauf der Frist erst die Hälfte der 30 000 Euro erreicht war. Das zeigt, dass diese Kampagnen wie alles, was auf virale Verbreitung im Internet baut, eine schwer vorhersehbare Dynamik entwickeln.

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