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China Wo bleibt die Philosophie?

30.03.2007 ·  Keine Frage, Daniel Kehlmann könnte in China eine große Zukunft haben. „Die glatten Sätze, den tiefgründigen Humor und die auf der Oberfläche schwimmende Melancholie“, preist ein begeisterter chinesischer Leser im Internet den Roman an.

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Keine Frage, Daniel Kehlmann könnte in China eine große Zukunft haben. „Kehlmann ist unverschämt hübsch“, schreibt ein begeisterter chinesischer Leser im Internet, dessen Geschlecht leider nicht bekannt ist. „Wenn man sein Gesicht über der schwarzen Jacke nur drei Sekunden lang betrachtet, dann fällt einem ein Kommentar zu der Schauspielerin in ,Vom Winde verweht' ein: Wer so schön ist, braucht eigentlich gar keine Schauspielkunst.“ Vorbehaltlos preist dieser Leser sodann „die glatten Sätze, den tiefgründigen Humor und die auf der Oberfläche schwimmende Melancholie“ des Autors: „Aus der Intelligenz eines Deutschen und dem Schreibstil eines Amerikaners ist am Ende die Sprache eines Franzosen herausgekommen.“

Die zwischen Fiktion und Historie changierende Geschichte der beiden etwas verrückten Gelehrten Gauß und Humboldt werde erzählt wie von einem „plötzlich außer Rand und Band geratenen Historiker“. Das Buch lädt den chinesischen Leser daher zu einer etwas ausufernden völkerpsychologischen Erwägung ein: „Vielleicht haben die Deutschen Gene, die dazu neigen, verrückt zu werden.“ Im Juli vergangenen Jahres hat der Sanlian-Verlag in Schanghai eine Übersetzung der „Vermessung der Welt“ in den vereinfachten Schriftzeichen vorgelegt, wie sie in den fünfziger Jahren in der Volksrepublik reformiert wurden. Später folgte auf Taiwan noch eine Ausgabe in den traditionellen Langzeichen.

Als „ein Abenteuerroman mit seltener Phantasie und Lebensphilosophie“, als „das Buch, das in Deutschland Harry Potter geschlagen hat“, war der Roman angekündigt worden. Doch das Buch erregte in der Volksrepublik nicht viel Aufmerksamkeit, am ehesten wurde noch im Internet darüber diskutiert. Ein Rezensent bekannte, er habe nach Kräften versucht, „zwischen den Zeilen Philosophie und Humor zu finden“ - aber vergebens; auch fand er die Sätze ziemlich umständlich. Tatsächlich schien die chinesische Übertragung bei vielen die Quelle des Missbehagens zu sein. Eine ratlose Leserin im Internet klagte: „Ich weiß nicht, ob es einfach nur an der Übersetzung liegt oder ob der kulturelle Unterschied uns Chinesen daran hindert, deutschen Humor zu verstehen“. Aber natürlich meinte sie das nicht überheblich; ihr Blog trägt den Namen: „Das Zimmer eines dummen Mädchens“.

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