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Der coole Retrofaschismus der Zukunft: Im neuen Roman des amerikanischen Bestsellerautors John Ringo dürfen Veteranen der Waffen-SS die Welt vor außerirdischen Menschenfressern retten.

© Baen Books Vergrößern „Ein verfluchter Schock”: Der Roman von Ringo/Kratman

Wenn ein deutscher Soldat eine Frau kennenlernt, die ihm gefällt, nennt er sie in der Disco sofort „Liebchen“; unser Kanzler braucht weiter keinen Namen als „Kanzler“ und wird selbst von seinen Feinden nur so angeredet; das deutsche Telefonsystem heißt seit dem Zweiten Weltkrieg „Bundespost“ und hält jedem alliierten Luftangriff stand; die deutschen „Grünen“ sind die ärgsten Kommunistenhasser der Galaxis, weil die Kommunisten im Osten die Natur verwüstet haben; der Ort, an dem hierzulande Straftäter hingerichtet werden, heißt mit einem obskuren Fachausdruck „Gericht“, und in Kriegszeiten stürmen unsere Sozialdemokraten und Pazifisten sofort alle Kasernen, um die Wehrtüchtigkeit des Landes zu unterminieren, weswegen man sie leider präventiv von Mitgliedern sogenannter „Panzerkorps“ niedermachen lassen muß.

Originelles Völkchen also, diese Deutschen, aber wenigstens die Außerirdischen, die den Planeten überfallen und alle Menschen fressen wollen, haben Respekt vor uns - sie sind beeindruckt davon, wie kompromißlos der germanische homo sapiens „den Pfad der Wut“ beschreitet: „Die geschichtlichen Aufzeichnungen dieser Leute belegen eine große, vielleicht unvergleichliche Kriegsbegabung, wenn auch am Ende ihrer Kämpfe fast immer eine Niederlage steht. Ein verlorener Krieg hält diese Kämpfer in grauen Uniformen nie lange auf.“

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Heyne Hardcore

Nein, das alles ist keine abermalige Neuverfilmung von „Krieg der Welten“, finanziert mit den Millionen des rechtsradikalen Münchner DVU-Chefs Gerhard Frey. So wie erläutert malt die Muse die Welt und deren deutsche Bezirke vielmehr in den Köpfen des amerikanischen Autors John Ringo, dessen Werke auf der Bestsellerliste der „New York Times“ erscheinen und der neben David Drake und David Weber zu den erfolgreichsten Vertretern des Genres „Militär-Science-fiction“ gehört, sowie seines Mitverfassers Tom Kratman, die gemeinsam soeben einen Roman mit dem zweisprachigen Doppeltitel „Watch on the Rhine“ (Die Wacht am Rhein, New York 2005) veröffentlicht haben. Hoffentlich stehen bei seiner Lektüre sämtlichen Lektoren des Heyne-Verlages, der Ringos Werke in Deutschland betreut und gerade eine Extremtext-Reihe namens „Heyne Hardcore“ plant, in die das Werk an sich nicht schlecht passen würde, die Haare zu Berge - ob sie den Band veröffentlichen und wenn ja, wie weit durch Bearbeitung entschärft, gehört für Kenner zu den heikelsten Fragen der betreffenden literarischen Gattung.

Ringo, den Buchhandelsfachblätter in Amerika ehrfürchtig den „Tom Clancy der futuristischen Kriegsliteratur“ nennen, wird wegen mehrerer Titel seiner „Invasions“-Serie, zu der auch „Watch on the Rhine“ zählt, und einigen älteren Werken, die bei „amazon.de“ in vierundzwanzig Stunden lieferbar sind, von seinen deutschsprachigen Fans ausweislich der Leserbeurteilungen gerecht genug als jemand geehrt, der „sehr spannend“ schreiben kann. An einer wichtigen Gelenkstelle seines Zyklus vom Angriff der menschenfressenden „Posleen“ auf unsere Heimatwelt aber hat er, so findet jedenfalls Kundin Monika Anderegg aus der Schweiz, bislang gepatzt: „Daß der Autor aus den USA kommt, wird einem ziemlich schnell bewußt. Daß nur die USA noch nennenswerten Widerstand leisten, ist doch erstaunlich, da ja auch die Europäer einige Jahre Vorbereitungszeit hatten und die heutigen wirklich teuren Waffen wie Kampfflugzeuge - wo die Amis ja zugegebenermaßen führend sind - nichts mehr taugen. Panzer und neu entwickelte Waffensysteme verbunden mit gut zu verteidigendem Gelände sind entscheidend. Und da dürften die Alpen wohl auch nicht schlechter geeignet sein als die Hügel der Appalachen.“

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