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Thomas Oberlies: Der Rigveda und seine Religion : Monotheisten, aber nur für einen Augenblick

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Bild: Verlag der Weltreligionen

Ordnung ins Gefüge der Götterhierarchien: Thomas Oberlies macht in einem außerordentlichem Buch mit dem Rigveda, einem Urtext des Hinduismus, bekannt.

          Es ist eine der ältesten zusammenhängenden Schriften der großen Religionen, es ist der älteste Text Indiens, es ist eine Fundgrube für die Kultur des indischen (und iranischen, zarathustrischen) Altertums. Und doch ist der Rigveda, wörtlich „das aus (heiligen) Versen bestehende Wissen“, von dem hier die Rede ist, kaum bekannt. Zu Unrecht. In 1028 Hymnen und Anrufungen, zwischen 1500 und 1000 vor Christus verfasst, findet im Rigveda eine einzigartige Religion ihren Ausdruck, in deren Mittelpunkt das Feuer- und Tieropfer steht. Die Hymnen werden meist zur Anrufung von Göttern gesungen. Es findet auch die von 2000 vor Christus an erfolgte und heute aus politischen Gründen umstrittene Einwanderung indoarischer Stämme aus dem heutigen Afghanistan nach Nordindien ihren Niederschlag.

          Der Text steht zwischen einem indogermanischen Erbe und dem Hinduismus, auch wenn dieser religiöse Vorstellungen und Rituale entwickelte, die er zwar durch den Rigveda zu legitimieren sucht, die aber die rigvedische Religion nicht kannte. So sucht man vergeblich im Rigveda nach dem hinduistischen Puja-Gottesdienst, Tempeln und Wallfahrten. Viele Hochgötter wie Rama, Krishna und der elefantenköpfige Gott Ganesha oder die Kinderverheiratung werden nicht einmal erwähnt. Auch „typisch“ hinduistische Gebräuche wie das brahmanische Verbot der Wiederverheiratung oder fast alle hinduistischen Feste sind noch nicht belegt.

          Rituale interessieren hier weniger

          Die bislang maßgebliche Übersetzung des Rigveda wurde in deutscher Sprache geschrieben wurde. (Bis vor nicht allzu langer Zeit musste man Deutsch lernen, um in der Indologie etwas zu werden!) Sie stammt von Karl Friedrich Geldner und erschien 1912 in der Harvard University Press. In jüngerer Zeit hat sich der Harvard-Professor Michael Witzel mit Kollegen darangemacht, eine neue kommentierte Übersetzung herauszubringen. Der erste Band mit zwei von zehn Büchern oder Liederkreisen des Rigveda erschien 2007 als einer der ersten Bände im Verlag der Weltreligionen, der sich um die Erhaltung grundlegender religiöser Texte verdient macht.

          Dort ist nun auch Thomas Oberlies’ Darstellung der Religion des Rigveda erschienen, die an Hermann Oldenbergs Meisterwerk „Die Religion des Veda“ (2. Auflage, 1917) anknüpft, ohne es ersetzen zu können und zu wollen. Das Buch beruht auf seiner umfangreichen Trilogie zur Religion des Veda, von der zwei Teile 1998 und 1999 in Wien erschienen sind und der dritte angekündigt ist. Belesen, gründlich und souverän erfasst Oberlies, Ordinarius für Indologie und Tibetologie in Göttingen, den kulturhistorischen Hintergrund, die Überlieferungsgeschichte, die Beziehungen zur indogermanischen und indoarischen Religion, vor allem aber das Pantheon, die Gottesvorstellungen, Mythen und Kosmologien, die Herrschafts- und Jenseitskonzeptionen, weniger jedoch die Rituale.

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