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Erzählungen Zelda Fitzgeralds : Ritterinnen von der traurig endenden Gestalt

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Sehr dekorativ wie ihre Heldinnen: Eine sehr jugendliche Zelda Fitzgerald im Blumenmeer. Bild: Princeton University Library

Zelda Fitzgeralds Erzählungen erschienen in den zwanziger Jahren unter dem Namen ihres Mannes, weil der populärer war. Die wirkliche Verfasserin suchte darin nach weiblichen Rollenmustern.

          Nur von Frauen, ebenso schönen wie ungeheuer talentierten, erzählt Zelda Fitzgerald in ihren Erzählungen „Himbeeren mit Sahne im Ritz“. Die Protagonistinnen erfreuen sich in der Regel eines schlanken und straffen Körpers, eher sparsam geschmückt mit den besten Stoffen führender Textilmarken. Darüber prunken exquisite Gesichtszüge und eine Haarfarbe, die „keine Farbe im eigentlichen Sinne ist, sondern ein Spiegel für das Licht“. Die Schönheiten nehmen den ihnen gebührenden „gesellschaftlichen Thron“ in Beschlag und geben sich sofort alle erdenkliche Mühe, die königlichen Pflichten möglichst umstürzlerisch zu interpretieren. Denn wo bliebe sonst die Romantik, wie wäre anders das Liebesglück zu finden?

          Das Vabanquespiel mit Herrschaft und Aufstand geht trotz ausgefallener Faibles nicht gut aus. Zelda Fitzgeralds Damen sind sämtlich Ritterinnen von der traurig endenden Gestalt. Eine böse Zauberin hat sie in die spätbürgerlich-dekadenten Roaring Twenties versetzt, schändlicherweise ohne in die übervollen Handtaschen das Schlüsselchen für die schlossbewehrte Kette vor der Kerzenscheinliebesromantik zu stecken.

          Nur gegen die Einsamkeit hilft nichts

          Gay aus der Erzählung „Die erste Revuetänzerin“ ist so etwas wie die Blaupause aller elf Heldinnen. Sie ist wie ihre Kleider „von unheimlich guter Qualität“, besitzt die beste Figur zumindest von New York und ist dekorativ und unterhaltsam wie ein objet d’art. Gegen das Alter hilft ihr eine strenge Diät, gegen die Unlust kämpft sie mit Völlerei und Zechgelagen, nur gegen die Einsamkeit hilft ihr niemand. Gay geht so sehr in der Darstellung der exklusiven Kosmopolitin auf, dass sie irgendwann einfach verschwindet und in der Ferne bei einer Geburt stirbt. Fitzgeralds Erzählerin, eine vertraute Beobachterin dieser dünnen Bewohnerinnen dünner Luftsphären, hält trauernd fest, Gay hätte nicht für ihren romantischen Traum ihr Leben geben dürfen: „Sie war eine zu gute Gefährtin und zu hübsch.“

          Sie wollte Ballerina werden, fing dann aber das Schreiben an: Zelda Fitzgerald im Jahr 1929.

          Die Ritterinnen von der traurig endenden Gestalt sind also rechte Stützen der Klatschseiten in mondänen Magazinen. Tatsächlich sind Zeldas Erzählungen zwischen 1925 und 1932 in Zeitungen und Zeitschriften erschienen, meist unter dem Namen ihres berühmten Ehemanns F. Scott Fitzgerald („Der große Gatsby“), weil der ein höheres Honorar erhielt. Es war aber die als Malerin, Autorin und Balletttänzerin begabte Zelda, die in der Prosa nach weiblichen Rollenmustern suchte. Das wirft auch ein neues Licht auf die öffentliche, spannungs- und skandalreiche Beziehung der Eheleute.

          Leider sind deren Briefe ungleich gehaltvoller als die Erzählungen. Deren Protagonistinnen treten zwar als vielfach gesegnete Geschöpfe auf, doch die opulente Werkausstattung wird von deutlich gewöhnlicheren Träumen und Wünschen regiert: Das Glück ist männlich und nach Möglichkeit vermögend, das Unglück allerdings auch, weshalb auf das Glück nicht selten das Unglück folgt und umgekehrt.

          Biblisch schöne Augen blinkern

          Diese Kreisstruktur reduziert die Komplexität der Erzählungen äußerst wirkungsvoll, zumal Fitzgeralds Formulierungskünste mit der „unheimlich guten Qualität“ der Heldinnen nicht mithalten können. Wiederholt öffnet sich eine „Arena aus weißen Zähnen“, wo gemeinhin ein Mund zu vermuten wäre, der Wunsch nach knapp hingeworfener Charakterisierung sorgt beim Autokonvoi für das eher störende Detail von „kleineren Blechschäden“ als Folge des Gedränges, und immer wieder wird nichts schmerzlicher vermisst als eine Bühne für die „Überfülle an Talenten“. In den besten Passagen gelingt Fitzgerald und ihrer Übersetzerin Eva Bonné aber dann der sarkastische Ton, der an Dorothy Parker erinnert und an die Nöte weiblicher Selbstbehauptung speziell in Nordamerika.

          Wo die Gesellschaft sich sperrig zeigt, spendet die Umgebung als verwandte Seele Hoffnung: Der Süden erstreckt sich „stoisch“, die Stadt schläft „neun Monate im Jahr unter einem Gewölbe aus vierblättrigen Heckenrosen“, der Abend „erhob“ sich vom Straßenpflaster, und die „Landschaft versuchte sich gut zu verkaufen“ – vermutlich, weil sie ihre „Pflichten kannte“ wie das Leben die seinen.

          Auch Fitzgeralds Heldinnen kennen ihre Pflichten, und das macht ihre Geschichtentauglichkeit aus. Sie haben den Thron zu besteigen und den märchenhaften mädchenhaften Männertraum nicht zu lassen. Oft sind sie ihm zum Locken nahe. Dann blinkern sie mit „biblisch schönen Augen“ und bringen es fertig, nicht etwa ihr Gesicht, sondern ihr „hübsches römisches Profil“ in Richtung des Betrachters zu kehren. Das ist hohe ägyptische Schule. Alle Achtung.

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