Claude Lévi-Strauss denkt über die Anthropologie in der modernen Welt nach, David Cornell versammelt Männer am Pool und ein Bildband zeigt Jutta Hoffmann. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.
Dieser Bildband ist in erster Linie ein Trost: Er erinnert uns daran, dass es so etwas wie einen Sommer mit Sonnenschein und azurblauem Himmel gibt und ein Swimmingpool für alle möglichen Spielereien taugt, aber eben nicht dazu, abgedeckt vor sich hin zu dämmern, weil das Wetter zu garstig ist, um ein paar Bahnen darin zu schwimmen. Die Pools, die in diesem Band versammelt sind, sind zudem nicht nur schön anzusehen, sie liegen auch noch in einer großartigen Gegend, nämlich in Südkalifornien, wo es tatsächlich beinahe niemals regnet.
Cornells Fotografien entstanden zwischen 1945 und 1982 und decken damit auch jene Zeit Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre ab, in denen das Motto galt: „The pool makes the party.“ Es war die Ära, als die Becken den Hollywoodstars vor allem als glamouröse Kulisse dienten und die gutaussehenden Menschen mit einem Cocktailglas in der Hand lieber entspannt um sie herum standen (oder lagen), als darin zu schwimmen.
Der Männerkörper als kostbares Gut
Zum Beispiel in Palm Springs. Dort, knapp zwei Autostunden von Los Angeles entfernt und mitten in der Wüste, wo ohne die absurde Dauerbewässerung kein einziger Grashalm wachsen würde, besaßen auch Cary Grant, Marilyn Monroe und Frank Sinatra eines jener im „Desert Modernism“-Stil erbauten Häuser, die mit ihren Flachdächern und riesigen Glasfronten so leicht wirken, als würde sie der nächste Sturm davontragen. Besonders eindrucksvoll hat diese wie ein Versprechen in der Landschaft stehenden Bauten Julius Shulman in Szene gesetzt - das Raymond Loewy House zum Beispiel, dessen sanft geschwungener Pool mit der kargen Landschaft, die ihn umgibt, zu zerfließen scheint. Ein Haus, in das man sofort einziehen möchte.
Neben den Pools und den dazugehörigen Häusern sehen wir auch Menschen, bekannte und unbekannte, fotografiert von John Baldessari, David Hockney, Ruth Bernhard, Herb Ritts oder Lawrence Schiller, der das große Glück hatte, 1962 Marilyn Monroe ablichten zu dürfen, wenige Monate vor ihrem Tod. Die Filmdiva wollte der Welt noch einmal zeigen, was für eine aufregende Frau sie war. Schiller, damals noch ein junger Mann von sechsundzwanzig Jahren, stand ganz am Anfang seiner Karriere, und dieser Auftrag war ein Geschenk des Himmels. Wir sehen Marilyn Monroe, wie sie sich am Beckenrand eines Pools festhält und mit sehr großen Augen, perfektem Lidstrich und leicht geöffnetem Mund in die Kamera blickt. Wir sehen sie in lasziver Pose, die Brust notdürftig verdeckt, herausfordernd. Für Lawrence Schiller waren diese Aufnahmen der Durchbruch.
Doch es wäre ein Irrtum, anzunehmen, dass „Backyard Oasis“ sein Hauptaugenmerk auf die Kombination Pool plus Haus plus Frau legen würde. Der durchtrainierte, gestählte, oft nackte Männerkörper spielt hier eine noch größere Rolle und wird wie ein kostbares Gut zur Schau getragen. Am Ende ist „Backyard Oasis“ freilich doch nur ein Buch und nicht der Sommer selbst. Aber immerhin.
Melanie Mühl