Home
http://www.faz.net/-gr0-75b7i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

F.A.Z.-Sachbücher der Woche Botschaft voller Herrlichkeit

Neue Bücher von Papst Benedikt XVI., Richard von Schirach, Maria-Sybilla Lotter, Alain Silver & James Ursini sowie Sean Howe.

© F.A.Z. Vergrößern

Papst Benedikt XVI. beschließt seine Jesus-Trilogie, Maria-Sybilla Lotter sondiert Konzepte von Verantwortung und Richard von Schirach beschäftigt sich noch einmal mit Physikern im Nationalsozialismus. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.

Mehr zum Thema

Sachbuch der Woche: „Jesus von Nazareth“

Die vier Evangelien des Neuen Testaments berichten von Leben und Werk Jesu in zum Teil recht unterschiedlicher Weise. Während jedes der Evangelien Jesu Lebensweg samt Verurteilung und Tod am Kreuz ausführlich und ganz ähnlich schildert, lässt die Erzählung von seinen Anfängen keine einheitliche Überlieferung erkennen. Von Geburt und Kindheit Jesu handeln nur Lukas und Matthäus, während Markus und Johannes - wie auch die übrigen Schriften der Bibel - davon keine Kunde haben oder solcher Kunde keine Bedeutung beimessen.

Aus Krippenspielen, gottesdienstlicher Lesung und künstlerischer Darstellung haben sich einige der Szenen unserem kulturellen Gedächtnis tief eingeprägt: Die Verkündigung des Engels an Maria, die Geburt Jesu in einem Stall in Bethlehem, die Hirten auf dem Feld und die Disputation des zwölfjährigen Wunderknaben mit jüdischen Gelehrten im Tempel von Jerusalem - all das berichtet Lukas. Davon abweichend erzählt Matthäus von einer im Traum ergangenen Engelsbotschaft nicht an Maria, sondern an Josef.

Benedikts Jesus-Trilogie abgeschlossen © dpa Vergrößern

Auch weitere matthäische Szenen finden sich nicht bei Lukas: Sterndeuter oder Magier - nach der nichtbiblischen Legende: Kaspar, Melchior und Balthasar - sprechen bei König Herodes vor, der von einem neugeborenen König der Juden nichts weiß; die Magier besuchen das neugeborene Kind in Bethlehem, erstatten davon aber dem König nicht den verlangten Bericht. Nun lässt Herodes alle jungen Knaben Bethlehems töten. Der Jesusknabe entkommt, da sich seine Eltern dem Massaker durch Flucht nach Ägypten entziehen.

Schwerpunkt ist die theologische Botschaft

Als Joseph Ratzinger in den Jahren 2007 und 2011 ein zweibändiges Werk mit Meditationen über Jesu Lebensweg „von der Taufe im Jordan bis zur Auferstehung“ vorlegte, ergab sich die Frage, ob der Autor auch noch etwas über die Vorgeschichte Jesu bei Matthäus und Lukas schreiben werde. Das hat er nun in einem schmalen Bändchen getan. Obwohl es als dritter Teil erscheint, bildet es nach dem Willen des Verfassers den Prolog zu den vorausgegangenen Büchern.

Kaum überraschend wählt Ratzinger die theologische Botschaft der biblischen Erzählungen zum Schwerpunkt seiner Darstellung. Hier ist der Autor in seinem Element, und hier kann er aus einer reichen exegetischen Literatur schöpfen, die in fast jedem Wort und jedem Zug der biblischen Erzählung sinnreiche Anspielungen entdeckt. Der matthäische Stammbaum weist dreimal vierzehn Generationen auf; die Zahl 14 aber entspricht der Summe der drei Buchstaben, mit denen das Wort „David“ im Hebräischen geschrieben wird: d - w - d = 4 - 6 - 4. So ist der Name David dem Stammbaum Jesus gleichsam eingeschrieben - und Jesus ist als Sohn Davids Träger jener alten prophetischen Verheißung, die Davids Thron ewigen Bestand zusichert.

Mit sichtlichem Vergnügen

Der Gruß an Maria, den Lukas dem Engel in den Mund legt, lautet „chaire“, was „freue dich“ bedeutet. Auch hier lässt sich ein alttestamentliches Echo ausmachen, ein Wort des Propheten Zefanja: „Freue dich, Tochter Zion. Jauchze, Israel! Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte!“ Mit sichtlichem Vergnügen spürt der Autor solchen Beziehungen innerhalb der Bibel nach. Jede Einzelheit ist „theologisch bedacht und gedeutet“, um das Geheimnis Jesu verständlich zu machen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Katholische Kirche Holocaust-Leugner Williamson abermals exkommuniziert

Der wegen Volksverhetzung verurteilte Geistliche Richard Williamson ist aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Er soll mit einer unerlaubten Bischofsweihe gegen Kirchenrecht verstoßen haben. Mehr

21.03.2015, 05:24 Uhr | Gesellschaft
Türkei Papst Franziskus bei Erdogan

Papst Franziskus spricht sich für mehr religiöse Toleranz aus und Mehr

28.11.2014, 20:36 Uhr | Politik
Aus für Maria Scharapowa Ich kann nicht fassen, dass dies kein Traum ist

Kurz nach dem ersten Aufschlag ist das Tennisturnier in Miami für Maria Scharapowa schon wieder vorbei. Völlig überraschend verliert sie gegen eine Landsfrau. Besser machen es zwei Deutsche. Mehr

27.03.2015, 09:38 Uhr | Sport
Philippinen Papst feiert mit Millionen Gläubigen Redkordmesse

In der philippinischen Hauptstadt Manila hat Papst Franziskus mit sechs Millionen Gläubigen Gottesdienst gefeiert. Es war der Abschluss seiner Asienreise. Mehr

18.01.2015, 14:22 Uhr | Gesellschaft
Autographen bei Stargardt Was Karl Marx verspricht

Handschriftliche Zeugen: Das Auktionshaus Stargardt in Berlin versteigert Autographen aus Literatur, Kunst, Wissenschaft, Musik und Geschichte. Mehr als neunhundert Lose erzählen von ihren Urhebern. Mehr Von Paula Schwerdtfeger

23.03.2015, 14:01 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.01.2013, 20:52 Uhr

Häme für die Opfer

Von Jörg Bremer

Auch Italiens Zeitungen berichten über das Airbus-Unglück. Zwei Blätter nutzen die Katastrophe, um antideutsche Ressentiments zu schüren. Silvio Berlusconis „Giornale“ ist ganz vorn dabei. Mehr 11