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F.A.Z.-Romane der Woche : Kraut und Rüben, nach Saatdaten sortiert

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Die Werkausgabe von Heinrich Böll ist abgeschlossen, Suelette Dreyfus inszeniert den Helden als Hacker, Karin Kersten schwankt zwischen Traum und Wirklichkeit.

          Als Bertolt Brecht mit Peter Suhrkamp über eine erste Gesamtausgabe seiner Werke verhandelte, soll er darauf bestanden haben, dass deren Bände eher kleinformatig und nicht zu umfangreich und die Schrifttypen eher groß seien - denn er befürchtete, diese Ausgabe werde sonst eher schmal werden. So erschienen nach Brechts Tod von 1960 an in der ersten - und bisher noch immer schönsten - Gesamtausgabe seiner Werke zehn Bände „Gedichte“, vierzehn Bände „Stücke“, fünf Bände „Prosa“, je drei Bände mit „Schriften zum Theater“ und siebe Bände „Schriften zur Literatur und Kunst“.

          Wäre der Verlag Kiepenheuer & Witsch bei der Publikation seiner Gesamtausgabe der Werke Heinrich Bölls ebenso verfahren, so wäre diese locker auf hundert Bände gekommen. So aber liegen nun nach neun Jahren editorischer Arbeit immerhin 27 weinrote, allermeist überaus voluminöse Bände vor, die alles versammeln, was Heinrich Böll in seinem Schriftstellerleben zu Papier gebracht und offenbar auch selbst akribisch registriert hat, darunter in drei Bänden von allein 2704 Seiten auch, was er in Interviews zu Papier bringen ließ. All dies allerdings inklusive Varianten und ausgiebiger Stellenkommentare. Exakt 1,38 Meter im Bücherregal. 39 Zentimeter mehr als die damals freilich noch spärlich, aber für den Leser ausreichend kommentierte Brecht-Ausgabe.

          Gewisse literarische Reputation

          Spielerei, Äußerlichkeiten, müßiger Vergleich? Ja, und doch auch aufschlussreich: Noch immer lese ich meinen Brecht am liebsten in den Bändchen seiner ersten Gesamtausgabe, und wenn ich über Brecht arbeite, bediene ich mich der kommentierten Erkenntnisse der großen „Berliner und Frankfurter Ausgabe“ (1,10 Regalmeter). Aber ich würde Bölls Erzählungen, Satiren, einen seiner Romane nie in dieser neuen Gesamtausgabe lesen.

          Denn diese Ausgabe ist eine Arbeitsausgabe - und ist zugleich Nachschlagewerk: Sie bietet den kompletten Ertrag eines Schriftstellerlebens, den komplexen Textcorpus eines verschriftlichten Lebenswerks, dessen biographische und literarische, politische und publizistische Verschränkungen, Bezüge und Wechselwirkungen es präsentiert und in ausführlichen Kommentaren zu ergründen versucht.

          Komplett meint, dass hier in drei Bänden auf nahezu 1500 Seiten auch alles gedruckt wird, was Böll zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht hat: vor allem Erzählungen, zwei Romane, Hörspiele, Rezensionen, auch Gedichte - allesamt aus den Jahren 1936 bis noch 1952, als Böll mit seinen Erzählungen in „Wanderer, kommst du nach Spa . . .“ (1950) und der großen Erzählung „Wo warst du, Adam?“ (1951) und ausgezeichnet mit dem Preis der Gruppe 47 doch schon eine gewisse literarische Reputation gewonnen hatte.

          Recht unerfahrene Korrektoren

          Nicht veröffentlicht wurde dies alles zu Heinrich Bölls Lebzeiten aus zwei Gründen: weil er selbst es zurückgehalten hat, aber auch weil manches, trotz Auftrag, zum Abdruck oder zur Sendung nicht angenommen wurde. Ein langer, fast fünfzehn Jahre währender bemühter Vorlauf zu einem schließlich sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Schriftstellerleben.

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