http://www.faz.net/-gr0-71n4x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.07.2012, 21:55 Uhr

F.A.Z.-Romane der Woche Jenseits der Eismauer lauern todbringende Geistwesen

Neue Bücher von George R. R. Martin, Karl Heinz Bohrer, Michael Frayn und Zachary Mason.

© F.A.Z.

George R. R. Martin schreibt Fantasy mit der Dramaturgie von Computerspielen, Karl Heinz Bohrer erzählt uns seine Jugend und Michael Frayn entführt uns nach Skios. Dies und mehr in den F.A.Z.-Romanen der Woche.

Mehr zum Thema

Eine Mauer aus Eis, dreihundert Meilen lang und mehr als zweihundert Meter hoch, fünf Bände mit mehreren tausend Seiten Umfang, obwohl zwei weitere Bände noch ausstehen - was George R. R. Martin erzählt, folgt eigenen Maßstäben, ebenso wie die Anlage seiner Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, deren bislang letzter Teil, „A Dance with Dragons“, seit gestern vollständig auf Deutsch erhältlich ist.

Vor anderthalb Jahren begann Random House die Reihe, die in Deutschland seit 1998 von den Lesern kaum bemerkt und vom Verlag gestalterisch unter Wert verkauft worden war, bei Blanvalet neu herauszubringen. Zum erfolgreichen Verkauf von mehr als 1,1 Millionen Exemplaren, befeuert von der Ausstrahlung der HBO-Serie „Game of Thrones“, gehört seitdem die Veröffentlichung der Originalbände in Teilen. Der vor einigen Wochen bei Penhaligon, einem weiteren Random-House Imprint, erschienene Band „Der Sohn des Greifen“ umfasst die ersten 499 Seiten von „A Dance with Dragons“, der seit gestern erhältliche Band „Ein Tanz mit Drachen“ bietet die restlichen 460. Beide Bände hat der Verlag auf rund achthundert Seiten aufgeblasen, die jeweils sechzehn Euro kosten. Dass das englische Original bei uns als einbändiges Taschenbuch derweil für knapp zehn Euro erhältlich ist, löst unter Fans nicht nur Begeisterung aus. Random House rechtfertigt den Aufschlag außer mit der Klappenbroschur, die den beiden neuen Bänden Zutritt zur Hardcover-Bestsellerliste verschafft, mehr schlecht als recht mit den hohen Papierpreisen und den Kosten der für die Neuausgabe überarbeiteten Übersetzung.

Abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte

Dass die früher im originalen Englisch belassenen Namen von Orten und Personen eingedeutscht worden sind, ist bei Lesern, die schon länger dabei sind, nicht unumstritten. Erst jetzt jedoch erreicht die Serie etwas von jener gefühlten Natürlichkeit der erfundenen Welt, die deutschen Lesern angelsächsischer Fantasy vertraut ist, seit Margaret Carroux in den sechziger Jahren aus Tolkiens Auenlanddorf Frogmorton das geniale Froschmoorstätten machte. Andreas Helweg übersetzt die neuen Bände flüssig, ohne Martins registerreichem Stil in jedem Augenblick gerecht werden zu können.

Auch in der deutschen Fassung aber zeigen „Der Sohn des Greifen“ und „Ein Tanz mit Drachen“ Martins abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte. Tyrion Lennister, zwergwüchsiger Bruder der Königin, Vatermörder und verzweifelter Liebhaber einer Prostituierten, die ihn mit seinem Vater betrog und dafür sterben musste, findet sich jenseits des Meeres in der Stadt Pentos wieder, bei Illyrio Mopatis, dem fetten Kaufmann, der im ersten Band dabei half, die als Kind vor ihrer drohenden Ermordung ins Ausland gerettete Prinzessin Daenerys an den Anführer einer Horde von Reiternomaden zu verkaufen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rekordserie Game of Thrones Auf zur letzten Schlacht um den Thron

Noch nie war eine Serie für so viele Emmys nominiert wie Game of Thrones. Hat das Epos sie verdient? Der letzten Staffel fehlte gar die Romanvorlage von R. R. Martin. Doch siehe da: Es geht auch ohne. Mehr Von Nina Rehfeld, aus Phoenix

24.07.2016, 16:09 Uhr | Feuilleton
Video-Filmkritik Pets

Nach den Minions kommen nun die Pets. Im neuesten Animationsabenteuer der Illumination Studios geht es um das geheime Leben unserer Haustiere - ohne Tiefgang, aber mit Witz und Action. Mehr

27.07.2016, 17:05 Uhr | Feuilleton
Burg Breuberg im Odenwald Burgherren, Kriegsgreuel, Geldprobleme

Die Burg Breuberg, die größte im Odenwald, thront seit 850 Jahren über dem Mümlingtal. Sie ist nicht versteckt, und doch kommen die meisten Besucher als Schüler dorthin. Mehr Von Caroline Laakmann

24.07.2016, 20:47 Uhr | Rhein-Main
Gronau Udo Lindenberg wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt

Seine Heimatstadt Gronau ehrte den Sänger Udo Lindenberg kurz nach dessen 70. Geburtstag. Mehr

27.07.2016, 15:58 Uhr | Feuilleton
Interview mit Margot Robbie Animalische Instinkte sind nicht zu verachten

Was haben eine psychotische Comicbuch-Schurkin, die gierige Ehefrau eines Betrügers und Tarzans Jane gemeinsam? All diesen Rollen hat die australische Schauspielerin Margot Robbie bereits Leben eingehaucht. Ein Interview. Mehr Von Brigitte Steinmetz

27.07.2016, 14:57 Uhr | Gesellschaft
Glosse

Klimakrise

Von Hannah Bethke

Schweiß abwischen, Hemden wechseln: Seit es Klimaanlagen gibt, ist das selbst im August nicht mehr nötig. Aber wer will den ganzen Sommer über Frühling, Herbst und Winter haben? Mehr 2