Home
http://www.faz.net/-gr1-71n4x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

F.A.Z.-Romane der Woche Jenseits der Eismauer lauern todbringende Geistwesen

Neue Bücher von George R. R. Martin, Karl Heinz Bohrer, Michael Frayn und Zachary Mason.

© F.A.Z. Vergrößern

George R. R. Martin schreibt Fantasy mit der Dramaturgie von Computerspielen, Karl Heinz Bohrer erzählt uns seine Jugend und Michael Frayn entführt uns nach Skios. Dies und mehr in den F.A.Z.-Romanen der Woche.

Mehr zum Thema

Eine Mauer aus Eis, dreihundert Meilen lang und mehr als zweihundert Meter hoch, fünf Bände mit mehreren tausend Seiten Umfang, obwohl zwei weitere Bände noch ausstehen - was George R. R. Martin erzählt, folgt eigenen Maßstäben, ebenso wie die Anlage seiner Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, deren bislang letzter Teil, „A Dance with Dragons“, seit gestern vollständig auf Deutsch erhältlich ist.

Vor anderthalb Jahren begann Random House die Reihe, die in Deutschland seit 1998 von den Lesern kaum bemerkt und vom Verlag gestalterisch unter Wert verkauft worden war, bei Blanvalet neu herauszubringen. Zum erfolgreichen Verkauf von mehr als 1,1 Millionen Exemplaren, befeuert von der Ausstrahlung der HBO-Serie „Game of Thrones“, gehört seitdem die Veröffentlichung der Originalbände in Teilen. Der vor einigen Wochen bei Penhaligon, einem weiteren Random-House Imprint, erschienene Band „Der Sohn des Greifen“ umfasst die ersten 499 Seiten von „A Dance with Dragons“, der seit gestern erhältliche Band „Ein Tanz mit Drachen“ bietet die restlichen 460. Beide Bände hat der Verlag auf rund achthundert Seiten aufgeblasen, die jeweils sechzehn Euro kosten. Dass das englische Original bei uns als einbändiges Taschenbuch derweil für knapp zehn Euro erhältlich ist, löst unter Fans nicht nur Begeisterung aus. Random House rechtfertigt den Aufschlag außer mit der Klappenbroschur, die den beiden neuen Bänden Zutritt zur Hardcover-Bestsellerliste verschafft, mehr schlecht als recht mit den hohen Papierpreisen und den Kosten der für die Neuausgabe überarbeiteten Übersetzung.

Abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte

Dass die früher im originalen Englisch belassenen Namen von Orten und Personen eingedeutscht worden sind, ist bei Lesern, die schon länger dabei sind, nicht unumstritten. Erst jetzt jedoch erreicht die Serie etwas von jener gefühlten Natürlichkeit der erfundenen Welt, die deutschen Lesern angelsächsischer Fantasy vertraut ist, seit Margaret Carroux in den sechziger Jahren aus Tolkiens Auenlanddorf Frogmorton das geniale Froschmoorstätten machte. Andreas Helweg übersetzt die neuen Bände flüssig, ohne Martins registerreichem Stil in jedem Augenblick gerecht werden zu können.

Auch in der deutschen Fassung aber zeigen „Der Sohn des Greifen“ und „Ein Tanz mit Drachen“ Martins abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte. Tyrion Lennister, zwergwüchsiger Bruder der Königin, Vatermörder und verzweifelter Liebhaber einer Prostituierten, die ihn mit seinem Vater betrog und dafür sterben musste, findet sich jenseits des Meeres in der Stadt Pentos wieder, bei Illyrio Mopatis, dem fetten Kaufmann, der im ersten Band dabei half, die als Kind vor ihrer drohenden Ermordung ins Ausland gerettete Prinzessin Daenerys an den Anführer einer Horde von Reiternomaden zu verkaufen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit um Kanzler-Interviews Kohls Schmankerl und die historische Wahrheit

Helmut Kohls einstiger Ghostwriter Heribert Schwan veröffentlicht medienwirksam Zitate aus seinem 630-Stunden-Interview mit dem früheren Bundeskanzler. Gegen dessen Willen - und passend zum Beginn der Frankfurter Buchmesse. Mehr Von Rainer Blasius

06.10.2014, 16:55 Uhr | Politik
Wie aus einem Hühnchen ein Drachen wird

Die Frankfurter Firma Pixomondo hat gerade ihren dritten Emmy erhalten - für die animierten Drachen im Fantasy-Epos Game of Thrones. Das ist auch Besuchen im Senckenbergmuseum zu verdanken. Mehr

10.09.2014, 11:29 Uhr | Rhein-Main
Digital-Publishing-Konferenz Wo warst du, als die Mauer fiel?

Erzähl es uns! Die Berliner Konferenz Rewrite the Web - Following the Reader fragt nach der Zukunft des Publizierens und Lesens - und huldigt dem Leser als mächtigster Instanz im Buchgeschäft. Mehr Von Wolfgang Schneider

06.10.2014, 14:39 Uhr | Feuilleton
Mehr Schein als Sein

Die Frankfurter Firma Pixomondo hat gerade ihren dritten Emmy erhalten - für die animierten Drachen im Fantasy-Epos Game of Thrones. Das ist auch einem Suppenhuhn zu verdanken. Mehr Von Andreas Brand

10.09.2014, 12:05 Uhr | Gesellschaft
Zum Tod von Siegfried Lenz Ein Virtuose der Nachsicht

Scheitern und Vergeblichkeit waren seine Motive, frei vom jedem Zynismus: Siegfried Lenz, Autor der Deutschstunde, Freund von Marcel Reich-Ranicki und Helmut Schmidt, ist tot. Ein Nachruf. Mehr Von Wolfgang Schneider

07.10.2014, 12:32 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.07.2012, 21:55 Uhr

Wer ist das Volk?

Von Mark Siemons, Peking

Über die Kunst wacht in China die Partei. Künstler, die sich dem nicht fügen, wandern in den Knast. Zur Zeit trifft das vor allem Sympathisanten der Hongkong-Proteste - in erschreckend hoher Zahl. Mehr 1 1