12.09.2009 · Zuerst wurden sie auf Druck Chinas wieder ausgeladen, dann kamen der chinesische Regimekritiker Bei Ling und die Umweltaktivistin Dai Qing doch nach Frankfurt zur Tagung „China und die Welt“. Doch als sie sich zu Wort meldeten, verließ die chinesische Delegation prompt den Saal.
Turbulenzen beim China-Symposium im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse: Als die ursprünglich ausgeladenen Autoren Dai Qing und Bei Ling (Chinas Buchmessenauftritt: Der befremdliche Gast) am Samstag ein Statement auf dem Podium abgaben, verließ ein Großteil der chinesischen Delegation den Saal. Buchmessen-Direktor Juergen Boos entschuldigte sich anschließend bei der chinesischen Seite, weil das Statement der Autoren nicht mit ihnen abgesprochen gewesen sei. Die offizielle chinesische Delegation erklärte sich daraufhin bereit, in den Saal zurückzukehren.
Sie hätten aus Protest den Saal verlassen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlten, sagte der frühere chinesische Botschafter in Deutschland, Mei Zhaorong. „Wir sind nicht gekommen, um uns über Demokratie belehren zu lassen, diese Zeiten sind vorbei“, sagte Mei auf dem Podium. Dai Quing und Bei Ling könnten mitdiskutieren, sie repräsentierten aber nicht die 1,3 Milliarden Chinesen.
Scharfe Kritik an der Messleitung
Das hochrangig besetzte zweitägige Symposium zum Thema „China und die Welt“ ist als Vorbereitung auf die weltgrößte Bücherschau gedacht, deren Ehrengast China vom 14. bis 18. Oktober sein wird. Die Tagung wird gemeinsam von der Buchmesse, einer Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und dem Gastland China veranstaltet.
Boos hatte am Freitag nach scharfer Kritik, auch in dieser Zeitung, Fehler und „unnötige Kompromisse“ bei der Planung der Tagung eingeräumt. Die Frankfurter Buchmesse hatte auf Druck Pekings die beiden Schriftsteller Dai Qing und Bei Ling von der Gästeliste gestrichen. Sie waren am Freitag dennoch nach Frankfurt gereist (China-Symposium: Dissidenten kommen doch zur Buchmesse-Tagung).
Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) kritisierte die Buchmesse für die „Ungeschicklichkeiten“ im Vorfeld der Tagung. Wer für die Demokratie eintrete, müsse „Standfestigkeit“ haben. „Auf jeden Fall sollte man, wenn man eine Einladung ausspricht, zu der Einladung stehen“.