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Samstag, 11. Februar 2012
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Buchmesse Gastland Türkei will farbig faszinieren

12.06.2008 ·  Die Türkei will als Gastland der Frankfurter Buchmesse ihre ganze kulturelle Vielfalt präsentieren. Rund 350 Autoren aus der Türkei, darunter auch der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, werden im Oktober erwartet.

Von Hubert Spiegel
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Überraschend offensiv haben Messedirektor Jürgen Boos und Ahmet Ari, der Generalkoordinator des türkischen Gastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse, das Messeprogramm des Ehrengasts Türkei vorgestellt. Die Offensive drückt sich nicht nur in Zahlen aus. Die türkische Delegation wird tausend Köpfe zählen, darunter 350 Schriftsteller und Übersetzer, etwa hundert Verleger sowie mehr als dreihundert Künstler aus den Bereichen Musik, Tanz und Theater.

Etwa 265 Veranstaltungen sind geplant, darunter vierzig Ausstellungen und 150 Podiumsdiskussionen und Konferenzen zu Themen wie „Moderne türkische Literatur“ und „Meinungsfreiheit und die Erfahrungen der Verlegerbranche“. Diskutiert werden sollen auch aktuelle Fragen zum Prozess der Modernisierung, zur Migration, zur Situation der Türken in Deutschland oder zum türkischen Islam. Die Liste der Neuerscheinungen aus der Türkei umfasst mehr als zweihundert Titel.

Viertausend Quadratmeter Messefläche

Viertausend Quadratmeter der Messefläche wollen die türkischen Programmplaner bespielen lassen. Im Mittelpunkt steht dabei die Ausstellung „Die Reise der Schrift nach Anatolien“, eigene Bereiche sind für die Präsentation türkischer Filme sowie für Kinderbuchverlage und Comics vorgesehen. „Faszinierend farbig“ will sich die Türkei ihrem Messemotto gemäss auf der Buchmesse präsentieren. Deshalb werden die verschiedensten Kunst- und Kulturbereiche vorgestellt, von der Kalligraphie über eine Kaftan-Ausstellung im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst bis zur Modenschau.

All das soll zum einen dafür sorgen, dass der türkische Buchmarkt, der mit 1700 Verlegern und etwa sechstausend Buchhandlungen ein Marktvolumen von mehr als achthundert Millionen Dollar umfasst, intensivere Kontakte zur internationalen Verlagswelt knüpfen kann. TEDA, ein Programm zur Förderung von Übersetzungen, hat bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich der Verbreitung internationaler Literatur in der Türkei gedient. Erst seit wenigen Jahren werden auch Übersetzungen türkischer Autoren unterstützt. Zum anderen aber, und nun kommt die politische Dimension ins Spiel, will der Ehrengast sich in Frankfurt als weltoffene Kulturnation präsentieren.

Kurdische und armenische Anteile

Ein Land, dessen engagierteste Schriftsteller in der Vergangenheit allzu oft mit Gefängnishaft oder Schlimmerem rechnen mussten, tut sich da schwer. Die Meinungsfreiheit in der Türkei kann schnell an ihre Grenzen stoßen, wenn Reizthemen wie die Behandlung der Kurden, die Armenien-Frage oder der extreme Nationalismus im Land angesprochen werden. Umso erfreulicher, dass Ahmet Ari in seiner Ansprache mehrfach die kurdischen und armenischen Anteile an der Kultur der heutigen Türkei hervorhob und die Einschränkung der Meinungsfreiheit schlicht als Fehler bezeichnete.

Nicht ohne Stolz verwies Ari darauf, dass zur Zeit kein türkischer Autor in einem Gefängnis sitze. Dass Angaben der Organisation „Writers in Prison“ zufolge in jüngster Zeit zehn türkische Publizisten Morddrohungen ausgesetzt waren, erwähnte Ari nicht. Einer der Bedrohten, der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, wird am 14. Oktober die Frankfurter Buchmesse eröffnen, zusammen mit Außenminister Steinmeier und dem türkischen Staatsoberhaupt Abdullah Gül.

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