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Buch-Digitalisierung Schneller, Leute!

 ·  Schluss mit der Politik der kleinen Schritte: Die Europäische Union will die Digitalisierung von Büchern vorantreiben - und nebenbei das Urheberrecht modernisieren. Google zeigt sich währenddessen kompromissbereit und will Europa bei seinem Buchvergleich mit ins Boot nehmen.

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Neue Regeln braucht der alte Kontinent: Die umfangreiche Digitalisierung von Büchern soll in Europa nach dem Willen der EU-Kommission beschleunigt vorangetrieben werden. „Wenn wir zu langsam digital werden, könnte die Kultur Europas in Zukunft darunter leiden“, hieß es am Montag in Brüssel in einer gemeinsamen Mitteilung von EU-Medienkommissarin Viviane Reding und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. Bei einem zweitägigen Treffen mit Experten will sich die Behörde mit den Folgen der hauptsächlich von Google betriebenen Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Bücher auf Europa befassen.

Die beiden EU-Kommissare betonten in ihrer Mitteilung, dass die europäische Gesetzgebung in Sachen Copyright sehr „fragmentiert“ sei - insbesondere was Bücher angehe, die nicht mehr gedruckt würden. Reding war zuletzt als entschiedene Anhängerin des amerikanischen Suchmaschinenkonzerns hervorgetreten; sie hatte schon Anfang Juli gefordert, neue EU-Regeln zu schaffen, um die Buch-Digitalisierung zu fördern.

Google geht auf Europa zu

Nun schwebt den beiden Kommissaren eine „europäische Lösung“ vor, die „frischen Wind“ in die Diskussion bringen soll und „jedem Bürger mit einer Internetverbindung Zugang zu Millionen von Büchern ermöglichen, die heutzutage in verstaubten Regalen versteckt sind“. Kritiker hatten bemängelt, dass die Expertentagung erst einberufen wurde, nachdem am vergangenen Freitag die Einspruchsfrist gegen das Google Book Settlement abgelaufen war. Dass inzwischen eine erneute viertägige Verschiebung der Frist auf den morgigen Dienstag eingetreten ist - der Server des zuständigen Bezirksgerichts in New York war kollabiert - war nicht abzusehen.

Die Debatte um Für und Wider des Vergleichs zwischen Google und amerikanischen Autorenverbänden und Verlagen hält weltweit an. Nun hat Google nach einem Bericht der englischen Tageszeitung „Financial Times“ (Ausgabe vom Sonntag, den 6. September) angekündigt, auch Europäer mit ins Boot zu nehmen. Die Vereinbarung sieht vor, dass Google gegen eine Zahlung von 125 Millionen Dollar auch Copyright-geschützte Bücher für die Online-Suche ins Netz stellen darf. Zwar soll der Vergleich nur in den Vereinigten Staaten gelten, aber unter den dort eingescannten sieben Millionen Büchern sind auch viele Werke nicht-amerikanischer Autoren.

Im dem in der „Financial Times“ zitierten Brief an sechzehn europäische Verlegerverbände kündigt Google einen Kompromiss an: In das Direktorium der noch zu gründenden Verwaltungsbehörde, in die sogenannte Books Rights Registry sollen nun auch zwei europäische Verleger oder Autoren einziehen. Dieses Register sammelt Informationen über die Rechteinhaber und verteilt die Einnahmen für digitalisierte Bücher. Dabei geht es um Werke, die nicht mehr gedruckt und somit im Handel nicht mehr erhältlich, oft aber noch urheberrechtlich geschützt sind. Nach amerikanischem Vorbild favorisiert Kommissarin Reding nun ebenfalls eine europaweite Book Rights Registry.

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Jahrgang 1961, Redakteur im Feuilleton.

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