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Veröffentlicht: 25.01.2013, 16:10 Uhr

Blasphemie-Debatte Die Dialektik des Aufsätzleins

Die Bayerische Akademie der Schönen Künste lud zur Podiumsdiskussion über Martin Mosebachs Essay zur Blasphemie, vernachlässigte aber das Wichtigste: den genauen Wortlaut.

© Fricke, Helmut Mit seinem Essay „Vom Wert des Verbietens“ hatte der Schriftsteller Martin Mosebach im Sommer 2012 eine kontroverse Debatte über Gotteslästerung ausgelöst.

Ob es Martin Mosebach zu verdanken ist, dass der Papst jetzt auf Lateinisch twittert? „Orare semper, iustitiam factitare, amare probitatem, humiles Secum ambulare.“ - Das könnte man doch als Signal gegen die „Häresie der Formlosigkeit“ werten, die auf der sprachlichen Müllkippe der Tweets vorherrscht.

Jan Wiele Folgen:

Mosebachs polemisches Buch über jene Formlosigkeit hat ja nach Ansicht einiger tatsächlich Einfluss auf die Kurie gehabt: nämlich in Gestalt jenes Apostolischen Schreibens Benedikts XVI. vom Sommer 2007, mit welchem die von dem katholischen Schriftsteller so geliebte Tridentinische Messe aus der Zeit vor dem Zweiten Vaticanum wieder anerkannt wurde. Für seine Einlassungen zur Strafbarkeit von Blasphemie vom vergangenen Sommer hat Mosebach zwar vereinzelt Unterstützung von Kirchenvorderen erhalten - viele weltliche Kritiker damit allerdings zu größtem Widerspruch gereizt: Gute zwei Monate lang lief die Debatte über Mosebachs Essay „Vom Wert des Verbietens“, der am 18. Juni 2012 in der „Frankfurter Rundschau“ erschienen war, auf Hochtouren.

Nun hat sich die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihrer noch einmal angenommen, mit dem erklärten Ziel, die Dialektik des Essays genauer herauszuarbeiten, wie Akademie-Präsident Dieter Borchmeyer in seiner Einführung sagte. Der Essay sei zu einseitig als Plädoyer für die Bestrafung von Blasphemie bewertet worden, wogegen Mosebach doch ganz deutlich die totale Freiheit des Künstlers einfordere.

Prantl prantelt, Mosebach grantelt

Was dann aber auf dem Münchner Podium folgte, war eher der Vortrag einzelner Plädoyers aus verschiedenen Fachgebieten zum Thema Blasphemie, keine enge oder gar dialektische Auseinandersetzung mit Mosebachs anstoßgebendem Text. Die Rechtswissenschaftlerin Jutta Limbach und der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme stellten die Meinungsfreiheit als große Errungenschaft dar, der Islamwissenschaftler Jürgen W. Frembgen bemerkte, dass Blasphemieverbote Extremisten in die Hände spielen. Der Kunsthistoriker Klaus Herding bekannte, dass es für ihn Blasphemie nur in Anführungszeichen gebe, weil Gott zu groß sei, um von Menschen beleidigt zu werden. Und Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der „Süddeutschen Zeitung“ und ehemaliger Staatsanwalt, sprach über den breiten Strom der Pressefreiheit, in dem nicht nur saubere Fische schwimmen.

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Immerhin prantelte Prantl etwas: Blasphemisch sei es, wenn eine hilfesuchende junge Frau von einer katholischen Klinik abgewiesen werde! Er äußerte zwar deutlich, dass er „kein spezielles Religionsstrafrecht“ wolle; so richtig zum Antagonisten Mosebachs schwang er sich aber nicht auf, auch wenn er ihm den „hölzernen Handschuh des Strafrechts“ respektvoll vor die Füße warf. Als Mosebach, der vorher nur ab und zu gegrantelt hatte, man solle ihn nicht falsch zitieren, selbst an der Reihe war, verniedlichte er seine Polemik als „kleines Aufsätzlein“, welches er nicht noch mal paraphrasieren wolle. Er hätte es aber besser Satz für Satz vorgelesen - der Kunsthistoriker Herding bemerkte, dass man in der Ankündigung der Veranstaltung auf die brisantesten Stellen verzichtet habe. Da ist vor allem jene Aussage Mosebachs, er sei unfähig, sich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern „einen gewaltigen Schrecken einjagen“.

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