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Sonntag, 19. Februar 2012
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Bilderbuchmuseum Phantasie satt: Deutsche Bilderbuchkunst in Troisdorf

11.04.2006 ·  Eine Ausstellung deutscher Buchillustration soll in aller Welt gezeigt werden. Speziell in Ostasien ist man sehr interessiert an hiesiger Illustratorenkunst. Zu Recht: Die Szene ist zwar klein, aber jung, vital und spannungsreich.

Von Monika Osberghaus
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An einem Vormittag mitten in der Woche ist es im Troisdorfer Bilderbuchmuseum ruhig. Die Spiel- und Mitmachaktionen für Kinder finden am Wochenende statt. Die kleine Schau über „Zeitgenössische Bilderbuchillustration in Deutschland“ schlummert in den stillen Räumen vor sich hin. Das wird sich spätestens ändern, wenn sie das Land verläßt:

Noch nie habe es im voraus so viele Anfragen der Goethe-Institute in aller Welt gegeben, die eine Ausstellung gerne in ihrer Stadt präsentieren wollen, sagt Barbara Honrath vom Goethe-Institut, die die Schau zusammen mit dem Troisdorfer Bilderbuchmuseum konzipiert hat. Tatsächlich ist man im Ausland, speziell in Ostasien, sehr interessiert am State of the Art der deutschen Illustratorenkunst. Zu Recht: Die Szene ist zwar klein, aber jung, vital und spannungsreich. An Nachwuchs und Ideen fehlt es nicht. Wenn es hapert, dann am ehesten mit den Texten.

Die Künstler haben selbst ausgewählt

Dreizehn Künstler waren aufgefordert, je fünf Bilder aus einem Buch ihrer Wahl zu zeigen und ihre Auswahl schriftlich zu begründen. So wird ein persönlicher Rundblick ermöglicht, der dem Betrachter die jeweilige Arbeitshaltung des einzelnen Künstlers besonders nahebringt. Klaus Ensikat, der Altmeister aus Ostdeutschland, grantelt in seinem Begleittext: „Ich gebe zu, es gibt wahrscheinlich keine plausiblen Gründe für die Ausstellung dieser fünf Blätter.“

Diese Blätter aber, entnommen dem Bilderbuch „Ponyweihnacht“, sind mit ihrem filigranen Strich und den zugleich überraschenden und gediegenen Kolorierungen so anziehend, daß man sich vorbeugt (die Blätter sind den Kindern zuliebe tiefer gehängt) und sie genau betrachtet. Wenn das kein plausibler Grund ist.

Weder idyllisch noch akademisch

Ensikat und Janosch sind die ältesten Vertreter, in der Überzahl sind mit Philip Waechter, Sybille Hein, Nadia Budde und Jacky Gleich die Jüngeren. Dazwischen finden sich bekannte Namen wie Wolf Erlbruch, Rotraut Susanne Berner und Nikolaus Heidelbach. Jeder vertritt eine andere Facette der Bilderbuchlandschaft, und die meisten, das zeigen ihre Begleittexte, verbinden einen inneren Auftrag mit der Arbeit. Janosch wählte mit dem „Mäusesheriff“ bewußt ein „Kraftbuch“ aus, wie er es selbst als Kind brauchte, und Rotraut Susanne Berner betont ihren Wunsch, Bilder sichtbar zu machen, die beim Lesen zwischen den Zeilen entstehen.

An der Auswahl der Künstler kann man gewiß herummäkeln: Warum etwa fehlt mit Aljoscha Blau einer der beeindruckendsten jungen Künstler? Auch die Charakterköpfe von Ole Könneke hätten eher einen Platz in der Runde beanspruchen können als die Werke von Katja Wehner, die zwar einfühlsam arbeitet, jedoch nicht die Bandbreite der beiden Kollegen hat. Insgesamt aber zeigt die deutsche Bilderbuchkunst sich hier frohgemut und hellgestimmt, phantasiesatt und kräftig, ebenso weit entfernt von der Idylle wie vom alltagsuntauglichen Akademie-Stil. Es sind Bilder, die sich sehen lassen können, im Inland wie im Ausland, nicht nur von Kinderaugen.

Bis 23. April.

Quelle: F.A.Z., 11.04.2006, Nr. 86 / Seite 41
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