Graziös und großzügig waren beide, doch zeigten sie auch ihre Entschlossenheit, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen: Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der 115. Berliner Ehrenbürger, der Liedermacher Wolf Biermann, der seit der Debatte über die Ehrung des Dichters den Bürgermeister beschimpft hatte, „mit den Erben der Nomenklatura im Bett“ zu liegen. Wowereit hielt eine überaus artige Laudatio und enttäuschte die Skandalerwartung, die er im Saal wahrgenommen hatte. Er erinnerte boshafterweise aber auch an Biermanns Spende eines Berliner Preisgelds „an die RAF“, 1969 - zu Händen von dessen Anwalt Mahler.
„Dieser Wowereit ist eigentlich richtig“, versetzte Biermann, dem gefallen hatte, was der Bürgermeister gesagt hatte, „er soll nicht mein falscher Feind sein!“ Natürlich halte er ihn nicht für einen „Verbrecher“, sagte er und empfahl die vertiefende Lektüre seiner Rede, in der das Wort Talleyrands vom Fehler, der schlimmer als ein Verbrechen sei, erläutert wird.
Falsch freundlich war Wowereits Lobrede nicht; ausdrücklich würdigte er, dass es „der Gemütsmensch Biermann mit der Gemütlichkeit nicht übertreiben will“, pries dessen Rolle als „Meilenstein auf dem Weg zum Fall der Mauer“ und erinnerte an „die Macht, die Biermanns Worte hatten“. Der „größte Feind des real existierenden Sozialismus“ sei der ideal existierende Sozialismus gewesen, den Biermann und Havemann verkörperten.
Im Festsaal des Roten Rathauses saßen am Montag nachmittag Weggefährten Biermanns - und Politiker. Demonstrativ viele prominente Sozialdemokraten und Grüne waren erschienen. Ausdrücklich würdigte Biermann das Engagement, das Marianne Birthler und Franziska Eichstädt-Bohlig, Wolfgang Thierse und Richard Schröder sowie der Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses, der „linke Rechte Lehmann-Brauns“ für die Ehrenbürgerschaft gezeigt haben. Mit beidem, der Ehrung und dem Streit darüber - Wowereit maulte, die SPD stimmte nach öffentlicher Auseinandersetzung für die Ehrung, die Linkspartei enthielt sich der Stimme - ist Biermann offenkundig im Reinen: Er sei „im sentimentalischen Sinn ein Heimatdichter aus Berlin“ geworden, sagte und sang er. Eine Zeile sei von diesem Montag an „wunderbar falsch geworden“: „Ich bin Legende ohne Totenschein“.
Paßt !
Klaus Hennicke (klaus1208)
- 27.03.2007, 10:49 Uhr
dös passt scho!
martin randau-rudolf (nitramf1000)
- 28.03.2007, 17:26 Uhr
Naja, dem Biermann braucht keiner zu erklären
gisbert heimes (gisbert4)
- 28.03.2007, 19:01 Uhr