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Pseudonyme : George sei Dank

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Dass männlichen Bewerbern unbewusst höhere Erfolgschancen zugesprochen werden, hatte die Autorin Catherine Nichols in Studien gelesen. Für die Arbeit an ihrem eigenen Roman wagte sie ein Experiment.

          Eine junge Autorin namens Catherine Nichols schickt das Exposé ihres Romans an fünfzig Literaturagenten – mit wenig Erfolg, was ihre Selbstzweifel wachsen lässt und das Schreiben immer schwieriger macht. Bis zu dem Tag, an dem ein Mann, nennen wir ihn George, in ihr Leben tritt. Doch George ist nicht, wie man vermuten könnte, ihr Partner, ein Lektor oder ein Agent, der ihr auf die Sprünge hilft, sondern eine Fiktion: Catherine Nichols setzt seinen Namen unter ihr Anschreiben und auf die Seiten der Leseprobe. Sie versucht es damit abermals, wieder bei fünfzig Agenten. Das Ergebnis beschreibt sie in einem auf dem Blog Jezebel.com veröffentlichten Essay: Während nur zwei von fünfzig Agenten Catherines ganzes Manuskript lesen wollten, seien es beim Autorennamen George siebzehn gewesen. Die Antworten seien auch schneller gekommen, selbst samstags außerhalb der Geschäftszeiten, und sogar die Absagen seien warmherziger gewesen und hätten konkrete Verbesserungsvorschläge enthalten.

          Den meisten Agenten habe sie entweder als Catherine oder als George geschrieben, sich also nur wenige Überschneidungen erlaubt. Eine solche jedoch gibt ihr zusätzlich recht: Derselbe Agent, der an Catherine eine vorformulierte Ablehnung geschickt hatte, wollte Georges Manuskript an einen erfahreneren Agent weiterleiten. „George ist achteinhalbmal besser darin, dasselbe Buch zu schreiben“, hat Catherine Nichols errechnet. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Freude über die nunmehr positiven Reaktionen auf ihr Manuskript und der Wut über deren Umstände. Bei den Agenten habe es sich sowohl um Männer als auch um Frauen gehandelt. Die Autorin wird nun weiter an ihrem Roman arbeiten. Denn offensichtlich, so ihr Fazit, liege das Problem nicht an ihrer Arbeit, sondern an ihrem Geschlecht. Als Anhaltspunkte für die kommende Überarbeitung will sie die konstruktive Kritik benutzen, die George von den Literaturagenten bekommen hat.

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