http://www.faz.net/-gqz-86luk
 

Pseudonyme : George sei Dank

  • -Aktualisiert am

Dass männlichen Bewerbern unbewusst höhere Erfolgschancen zugesprochen werden, hatte die Autorin Catherine Nichols in Studien gelesen. Für die Arbeit an ihrem eigenen Roman wagte sie ein Experiment.

          Eine junge Autorin namens Catherine Nichols schickt das Exposé ihres Romans an fünfzig Literaturagenten – mit wenig Erfolg, was ihre Selbstzweifel wachsen lässt und das Schreiben immer schwieriger macht. Bis zu dem Tag, an dem ein Mann, nennen wir ihn George, in ihr Leben tritt. Doch George ist nicht, wie man vermuten könnte, ihr Partner, ein Lektor oder ein Agent, der ihr auf die Sprünge hilft, sondern eine Fiktion: Catherine Nichols setzt seinen Namen unter ihr Anschreiben und auf die Seiten der Leseprobe. Sie versucht es damit abermals, wieder bei fünfzig Agenten. Das Ergebnis beschreibt sie in einem auf dem Blog Jezebel.com veröffentlichten Essay: Während nur zwei von fünfzig Agenten Catherines ganzes Manuskript lesen wollten, seien es beim Autorennamen George siebzehn gewesen. Die Antworten seien auch schneller gekommen, selbst samstags außerhalb der Geschäftszeiten, und sogar die Absagen seien warmherziger gewesen und hätten konkrete Verbesserungsvorschläge enthalten.

          Den meisten Agenten habe sie entweder als Catherine oder als George geschrieben, sich also nur wenige Überschneidungen erlaubt. Eine solche jedoch gibt ihr zusätzlich recht: Derselbe Agent, der an Catherine eine vorformulierte Ablehnung geschickt hatte, wollte Georges Manuskript an einen erfahreneren Agent weiterleiten. „George ist achteinhalbmal besser darin, dasselbe Buch zu schreiben“, hat Catherine Nichols errechnet. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Freude über die nunmehr positiven Reaktionen auf ihr Manuskript und der Wut über deren Umstände. Bei den Agenten habe es sich sowohl um Männer als auch um Frauen gehandelt. Die Autorin wird nun weiter an ihrem Roman arbeiten. Denn offensichtlich, so ihr Fazit, liege das Problem nicht an ihrer Arbeit, sondern an ihrem Geschlecht. Als Anhaltspunkte für die kommende Überarbeitung will sie die konstruktive Kritik benutzen, die George von den Literaturagenten bekommen hat.

          Weitere Themen

          Ein Haus für Mr. Naipaul

          Zu Gast beim Nobelpreisträger : Ein Haus für Mr. Naipaul

          V.S. Naipaul empfing in seinen letzten Lebensjahren nur noch selten Besuch. Mit unserem Korrespondenten sprach der Literaturnobelpreisträger in seinem Landhaus über sein Leben und seine Werke. Nun ist der britische Schriftsteller gestorben.

          Zauberhaftes Erlebnis Video-Seite öffnen

          „Haus der Magie“ : Zauberhaftes Erlebnis

          Ein sechsköpfiger Drache bewacht dieses Museum: das „Haus der Magie“ im französischen Blois. Es ist dem Vater der modernen Zauberei gewidmet: Jean Eugène Robert-Houdin. Besucher können hier jede Menge Rätselhaftes erleben und sich verzsaubern lassen.

          Topmeldungen

          Währungskrise : Ist die Türkei noch zu retten?

          Bedrohlich spitzt sich die Krise zu. Nur mit einer geldpolitischen Kehrtwende wäre sie zu lösen, sagen Ökonomen. Doch Erdogan denkt nicht daran.
          Erst das Vergnügen, dann die Entscheidung: Zwei Abiturienten beim Feiern nach der letzten schriftlichen Prüfung im vergangenem Jahr.

          FAZ Plus Artikel: Beratung für die Zukunft : Abi. Was nun?

          Wenn die letzte Klausur geschrieben und das Bier mit dem Kumpel ausgetrunken ist, stehen teure Berater bereit. Sie erklären Abiturienten, was die mit ihrer Zukunft anstellen können. Katrin Hummel hat einen von ihnen begleitet.

          Immobilien : Regierung will Kauf-Nebenkosten senken

          Rund ein Siebtel zahlen Hauskäufer in Deutschland nur dafür, das Haus kaufen zu dürfen. Die Bundesregierung will das jetzt ändern. Die Grunderwerbsteuer steht aber nicht zur Debatte.
          Der Konzern VF Corp will seine Jeansmarken abspalten.

          Modeindustrie : Goodbye, Blue Jeans

          Das Bekleidungskonglomerat VF Corp. spaltet die Marken „Wrangler“ und „Lee“ ab. Ihnen wird kaum noch Wachstum zugetraut. Aber ein anderer Jeanshersteller schlägt sich glänzend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.