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Veröffentlicht: 10.12.2014, 14:45 Uhr

Zum Tod von Ralph Giordano Ein Spezialist der Streitbarkeit

Sein berufliches Leben lang stellte sich er sich in den Dienst des aufklärenden Worts. Hochberühmt gemacht hat ihn sein Familienroman „Die Bertinis“. Mit 91 Jahren ist der Publizist Ralph Giordano nun in Köln gestorben.

© dpa Ralph Giordano (20. März 1923 bis 10. Dezember 2014), hier in einer Aufnahme aus dem vergangenen Jahr

Im Alter von 91 Jahren ist der Publizist, Schriftsteller und Filmemacher Ralph Giordano in einem Kölner Krankenhaus gestorben, in das er nach einem Sturz vor einigen Wochen eingeliefert worden war.

Geboren wurde Ralph Giordano am 20. März 1923 in Hamburg: Zusammen mit zwei Geschwistern wuchs er im Stadtteil Barmbek auf. Sein Vater war sizilianischer Abstammung, die deutsche Mutter Jüdin. Beide Eltern waren Musiker von Beruf.

Giordano besuchte nach vier Jahren Volksschule von April 1933 an in Hamburg-Winterhude das angesehenste humanistische Gymnasium der Hansestadt, das Johanneum. Dort erfolgte eigenem Bekunden zufolge schon am ersten Schultag die Einteilung in „Arier“ und „Nichtarier“. Als früheste und eine der schmerzlichsten Erfahrungen überhaupt bezeichnete Giordano einmal den Freundschafts- und Sympathieentzug durch propagandistisch beeinflusste Spielgefährten. Schließlich fiel er auf Grund seiner jüdischen Mutter unter die antisemitischen Nürnberger Rassengesetze vom September 1935.

Er musste das Gymnasium 1940 in der Obersekunda (11. Klasse) verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mehrfach von der Gestapo verhört und schwer misshandelt worden, das erste Mal gerade 16-jährig im September 1939. Im Juli 1943 in Hamburg ausgebombt, flüchtete die Familie nach Bösdorf/Altmark. Sie wurde denunziert und kehrte im Mai 1944 wieder nach Hamburg zurück. Als die Mutter deportiert werden sollte, wurde die Familie von einer Hamburgerin in einem Ruinenkeller versteckt. Am 4. Mai 1945 befreite die 8. britische Armee die völlig ausgezehrte Familie.

Die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus

Giordano entschied sich, nach Kriegsende in Deutschland zu bleiben und sich um die Aufarbeitung und Erklärung der Enthumanisierung während der nationalsozialistischen Herrschaft zu bemühen. 1946 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD -Landesorganisation Hamburg) bei und arbeitete bis 1956 für kommunistische Zeitungen (unter anderen die „Hamburger Volkszeitung“). 1949 verfolgte er zudem als Berichterstatter für die „Wochenzeitung der Juden in Deutschland“ den Prozess gegen Veit Harlan, den Regisseur des nationalsozialistischen Propagandafilms „Jud Süss“ (1940), der zu Giordanos großem Missfallen freigesprochen wurde.

Anstatt für den westdeutschen „Spiegel“, in dessen erstem Impressum 1947 noch sein Name auftauchte, entschied er sich für eine Mitarbeit bei der Ost-Berliner „Weltbühne“. In der damaligen DDR nahm er dann auch 1955/1956 am ersten Kurs der von Alfred Kurella gegründeten Schriftstellerschule Leipzig teil. Die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus führte schließlich zu seiner Abkehr vom Kommunismus. 1957 verließ Giordano die KPD und fand im August eine neue Heimat bei der „Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung“.

Die schonungslose Abrechnung mit sich selbst legte er in Form des 1961 erschienenen Buches „Die Partei hat immer Recht“ nieder. Über dieses Buch kam er 1961 zum Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Er wurde dort im April 1961 Mitarbeiter der Ost-West-Redaktion. 1964 wechselte Giordano zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) und machte als Dokumentarfilmer Karriere. Seine Hauptthemen blieben die Aufklärung über den Nationalsozialismus, Faschismus, Stalinismus sowie die Probleme der Dritten Welt, die er in verschiedenen Filmen („Heia Safari - Die Legende von der deutschen Kolonialidylle in Afrika“; „Hunger - Herausforderung auf Leben und Tod“; „Slums - Hinterhof der Menschheit“) aufzeigte.

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