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Veröffentlicht: 22.02.2016, 10:12 Uhr

Orhan Pamuk über Umberto Eco Scharfsinn, Witz und Wissen

In seiner Gegenwart wurde aus Wissen Befreiung: Erinnerungen an meinen intellektuellen Vater und Freund Umberto Eco.

von Orhan Pamuk
© Barbara Klemm Vorbild, Freund und Mentor: Umberto Eco

Die Nachricht vom Tod Umberto Ecos hat mich sehr erschüttert. Er war ein Schriftsteller, von dem ich ungeheuer viel gelernt habe und der so großen Einfluss auf mich hatte, das ich sagen darf: Ich habe ihn nicht nur respektiert, sondern sehr gemocht und bewundert.

Als ich in den achtziger Jahren versuchte, mich zu einem postmodernen, experimentell orientierten Autor zu entwickeln, las ich seine Bücher und stellte fest, dass seine postmoderne Verspieltheit, seine ganz eigene Art, sich des historischen Romans mit Witz, Intellektualität und Ironie zu bedienen, für mich sehr hilfreich waren. In dem Teil der Welt, in dem ich lebe, haben wir unsere eigenen Probleme im Umgang mit Geschichte und Tradition. Umbertos Bücher zeigten mir Möglichkeiten, mich diesen Problemen als Autor zu nähern.

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Ich war sehr glücklich, als wir uns vor etlichen Jahren in Istanbul kennenlernten und er mich nach Bologna einlud, wo ich an seiner Universität, an seinem Institut für Semiotik, einige Vorlesungen halten durfte. Später trafen wir uns manchmal in Istanbul, saßen in meinem Arbeitszimmer und plauderten. Er war so brillant und geistreich, dass jede Begegnung mit ihm ein großes Vergnügen war. Sie müssen eines wissen: Wann immer man Umberto Eco lauschte, trug man ein Lächeln im Gesicht. Warum? Weil er einem erlaubte, für eine Weile in seiner Welt zu leben, die eine wunderbare Welt des Scharfsinns, des Witzes und des Wissens war. Wissen bedeutete für ihn nicht Macht, sondern Freiheit. Umberto Eco verstand Wissen als schönstes Mittel zu einer fröhlichen, freudvollen Befreiung des Menschen. Dafür habe ich ihn mehr gemocht und bewundert als für alles andere.

Eines Tages, als er mich in Istanbul in meinem Arbeitszimmer besuchte, saß er mir in meinem Arbeitszimmer in einem großen Sessel gegenüber. Und als ich ihm erzählte, dass ich diesen Sessel von meinem Vater hatte und mich oft daran erinnere, wie mein Vater in diesem Sessel saß, als ich noch ein Kind war, nickte Umberto und sagte, dass er genauso alt sei wie mein Vater. Ich glaube, dass er damit andeuten wollte, dass er auf eine gewisse Weise wie ein Vater für mich war. Ich gebe ihm Recht: Umberto Eco, von dem ich so viel gelernt habe, war eine intellektuelle Vaterfigur für mich. Ich bin sehr traurig.

Glosse

Verzagt

Von Jürgen Kaube

Es gibt gute Argumente für Demokratie und Grundrechte. Mit denen sollte man einem neurechten Volksideologen wie Götz Kubitschek doch beikommen können. Mehr 66 99

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